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Bonn-Fest 2013: Mehr als 300.000 Menschen kamen

Bonn-Fest 2013 : Mehr als 300.000 Menschen kamen

Merke: Gelbe Socken taugen nicht zum Klettern. "Die sind viel zu rutschig, ich hätte es besser mal barfuß probieren sollen", sagt die elfjährige Maike Remberg. Mit aller Kraft versuchte sie den aufblasbaren Kletterturm auf dem Marktplatz zu erklimmen. Aber nach fünf Metern war Schluss.

"Höher habe ich mich nicht getraut." Wer es bis ganz nach oben schaffte, hatte einen einzigartigen Ausblick auf das Bonnfest, das Sonntagabend in der Bonner Innenstadt zu Ende ging. Organisator Ralph Job vom Veranstalter Citymarketing war zufrieden. Mit mehr als 300.000 geschätzten Gästen an beiden Tagen sei es das bisher bestbesuchte Bonnfest seit dem ersten vor 16 Jahren gewesen.

Dieser Erfolg hatte sich schon im Vorfeld angedeutet. "Wir haben die Innenstadt noch nie so eng besetzt", sagte Job. Mehr als 140 Stände reihten sich in vielen Bereichen der Fußgängerzone aneinander. Neu war der Mittelaltermarkt am Bottlerplatz, wo es sonst immer einen Kunsthandwerkermarkt gageben hatte.

"Es war schwierig, auf diesem Platz mittelalterliche Atmosphäre zu schaffen", sagte die Organisatorin des Marktes, Darlin Körber. Zwar sei das Sterntor eine tolle Kulisse gewesen, die Kaufhausschlucht habe aber auch viel Stimmung geschluckt. Die Aussteller, die meist im Verbund reisen, gaben sich dennoch alle Mühe. Daniel Pelka, der sich als Minnesänger Daniel von der Löwenburg nennt, spielte seine Laute und sang mittelalterliche Lieder. "Das ist anstrengend, irgendwann tun die Finger weh", sagte er. Spaß bereite es ihm trotzdem, weil er die Passanten erfreuen könne.

[kein Linktext vorhanden]Es gab frisches Brot aus dem Holzofen, mundgeblasene Glasskulpturen und sogar einen wahrhaftigen Uhu zum auf die Hand nehmen. Das ging nur mit einem dicken Lederhandschuh - wegen der scharfen Krallen von "Einstein". Wem der Einsatz von Schwert und Schild zu martialisch war, übrigens konnte man beides auf dem Markt kaufen, maß seine Kräfte am mittelalterlichen "Hau den Lukas".

Nicht mit quietschenden Reifen, dafür aber mit jeder Menge Geschick manövrierte Cornelia Brodeßer Rollatoren durch einen Parcours. Die Verkehrswacht hatte am Münster einen Trainingsplatz für die vierrädrigen Gehhilfen errichtet. "Meist schmunzeln die Leute, wenn sie vorbeigehen", sagte Brodeßer.

Was einfach aussehe, könne aber viele Gefahren bergen. So seien die meisten Rollatoren völlig falsch eingestellt. "Dann klagen die Leute über Rückenprobleme." Auch das Fahren will gelernt sein: Um eine Bürgersteigkante zu überwinden, muss der Rollator steil gekippt werden. Das traue sich nicht jeder. Deshalb bietet die Verkehrswacht einen eigenen Rollatorführerschein an.

Bunt, laut und wild ging es auf dem Riesenspielplatz der Stadtwerke am alten Rathaus zu. Neben dem Kletterturm gab es eine Hüpfburgenlandschaft, auch die zweirädrigen Segways konnten ausprobiert werden. Die Schlangen vor den Attraktionen waren zeitweise so lang, dass die kleinen Besucher eine Viertelstunde warten mussten, was den einen oder anderen ungeduldig werden ließ.

[kein Linktext vorhanden]Mit aller Ruhe ging es dagegen in der Fürstenstraße zu. Pavillon an Pavillon reihte sich an, darunter standen Tausende Bücher zum Stöbern bereit. "Es ist schön, so eine Ecke zu haben", sagte Norbert Peinsipp. Er bedauere, dass die Buchhandlung Bouvier geschlossen wurde. "Vielleicht ist der Büchermarkt ja ein Ersatz."

Für einen riesigen Andrang sorgte die Sparkasse KölnBonn auf dem Friedensplatz. Um für das 100. Jubiläum zu werben, überraschten sie mit "social gardening". Über Nacht wurden 2000 Rosen zum Sparkassenlogo geformt, innerhalb von 15 Minuten waren alle Pflanzen verteilt. Patrick Flatten erhaschte einen der letzten Blumentöpfe - "natürlich für meine Oma".

Auf dem Euromarché boten die Händler Essen und Trinken aus ganz Europa an. Neben französischem Käse und italienischer Salami gab es auch polnisches Bier. "Sonst trinke ich immer Pils, ich wollte mal was anderes probieren", sagte Jürgen Krahe, der mit seiner Frau Kerstin anstieß. Diese Lust auf Neues trieb viele auf den Markt.

Den Abschluss machte wieder Beethovens "Ode an die Freude", gesungen von mehr als hundert Besuchern auf dem Münsterplatz. Vor der Bühne, auf der zuvor Bands und Chöre aus der Region aufgetreten waren, versanken für drei Minuten alle in den Textblättern. Obwohl es einige Proben gab, saßen Takt und Töne nicht hundertprozentig. Um das zu üben, ist nun ja wieder ein Jahr Zeit.