Stadt stellt Jahreswirtschaftsbericht vor Mehr Beschäftigte in Bonn denn je

Bonn · Die Zahl der Beschäftigten in Bonn wächst vor allem im Dienstleistungssektor. Gastgewerbe und produzierendes Gewerbe müssen ein Minus verkraften. Weiterhin fehlen Gewerbeflächen.

Blick über Bonn: Der Wirtschaftsbericht der Stadt fällt positiv aus.

Blick über Bonn: Der Wirtschaftsbericht der Stadt fällt positiv aus.

Foto: Benjamin Westhoff

In Bonn haben im vergangenen Jahr mehr Menschen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigtenverhältnissen gearbeitet als jemals zuvor. Das geht aus dem neuen Bonner Jahreswirtschaftsbericht hervor, den Oberbürgermeisterin Katja Dörner, Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe und der Autor des Berichts, Matthias Schönert, am Dienstag vorgestellt haben. Zum Stichtag am 30. Juni 2021 gab es demnach in Bonn insgesamt 183.450 Beschäftigte, ein Wachstum von zwei Prozent oder in absoluten Zahlen ein Plus von 3547 Arbeitsverhältnissen. Im Jahr zuvor war die Zahl der Beschäftigten leicht um 0,3 Prozent zurückgegangen.

Besonders viele zusätzliche Angestellte verzeichnet der Bericht, der auf statistischem Zahlenmaterial beruht, in der Branche der öffentlichen und privaten Dienstleistungen mit weiteren 1660 Beschäftigten (ohne die öffentliche Verwaltung). Anteilig ist das eine Zunahme von 2,7 Prozent bezogen auf diese Branche, in der innerhalb Bonns etwa jeder Dritte arbeitet. Die Stellen in der öffentlichen Verwaltung selbst wuchsen um 4,2 Prozent (869 zusätzliche Beschäftigte). Etwa im gleichen Verhältnis stieg die Zahl der Beschäftigten im Sektor freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistung.

Dörner: Wirtschaft hat Corona gut bewältigt

Oberbürgermeisterin Dörner sagte zu diesen Zahlen während einer öffentlich übertragenen Pressekonferenz, dass „die Wirtschaft die Auswirkungen der Corona-Pandemie bis jetzt gut bewältigt hat“. Als weiteres Beispiel für eine „positive Entwicklung“ nannte Dörner die Zahl der Netto-Gründungen von 645. Im vergangenen Jahr habe es 2498 Neuanmeldungen gegeben und zugleich 1853 Abmeldungen.

Doch wo Licht ist in diesem Fall auch Schatten. Während die Anmietungen auf dem Büroimmobilienmarkt von 133.900 Quadratmeter (im Jahr 2020) auf 158.504 Quadratmeter (2021) zugenommen haben, haben der Handel (-2,6 Prozent, 374 Beschäftigte weniger), das produzierende Gewerbe (-3,5 Prozent, minus 303 Beschäftige), die Finanz- und Sicherheitsdienstleistung (-4,4 Prozent, minus 263 Beschäftigte) und insbesondere das Gastgewerbe (-10,4 Prozent, minus 672 Beschäftigte) einen teils deutlichen Rückgang bei den Beschäftigtenzahlen zu verkraften. Dörner sprach in Bezug auf das Gewerbe von „besorgniserregenden Verlusten“. Insbesondere die Rückgänge beim Gastgewerbe seien Auswirkungen der Pandemie, während der Gaststätten und Kneipen zeitweilig schließen mussten und sich von ihren Mitarbeitern trennten.

„Das Gastgewerbe hat jeden zehnten Beschäftigten verloren“, erklärte Schönert. Das sei auch ein Ergebnis des Fachkräftemangels. Das Verhältnis zwischen dem Dienstleistungssektor und dem Gewerbe habe sich weiter Richtung Dienstleistung verschoben. So arbeiteten Mitte vergangenen Jahres in Bonn 92,8 Prozent der Arbeiter im Dienstleistungsbereich und 7,1 Prozent im Gewerbe. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen sind 73,7 Prozent Dienstleister, 25,8 Prozent im Gewerbesektor. Die „wissensorientierte Dienstleistung“ macht einen Großteil in Bonn aus. Jeder dritte Beschäftigte habe einen akademischen Hintergrund, so Schönert, was in NRW ein Spitzenwert sei.

Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe hob hervor, dass das ihrem Amt zugehörige Service Center Wirtschaft 957 Anliegen und Vorhaben betreut habe. So sei es gelungen, dem Logistikunternehmen der Deutschen Post DHL Group Räume für ein neues Verteilzentrum in Dransdorf und dem IT-Beratungsunternehmen Conet Flächen am Neuen Kanzlerplatz zu vermitteln. Doch wie berichtet überlegt das große IT-Unternehmen Bechtle mit Sitz in Bad Godesberg, Bonn zu verlassen, weil es innerhalb der Stadtgrenzen keine geeigneten Flächen für seine Erweiterungspläne findet.

Gewerbegebiete bleiben rar

Weiterhin schwierig bleibt die Situation bezüglich der rar gesäten Gewerbegebiete im Stadtgebiet. In der Beueler Bezirksvertretung hat die Grün-Rot-Rote Koalition die Erschließungspläne für eine Wiese nahe der Gesamtschule für diese Amtsperiode blockiert, was in den Reihen von Opposition und Wirtschaftsförderung für Kopfschütteln sorgte.

Für die Erweiterung des Gewerbegebiets Beuel-Ost hat die dortige Bezirksvertretung gerade die Bürgerbeteiligung beschlossen. Investor Ten Brinke hat seine Pläne reduzieren und Fotovoltaikanlagen sowie eine Begrünung nacharbeiten müssen.

Appelbe und auch OB Dörner sagten nun, die Stadt verfolge das Ziel eines ökologischen und ökonomischen Umbaus auch in Bezug auf Gewerbeflächen, um die Stadt an die Klimakrise anzupassen und das erklärte Ziel zu erreichen, die Stadt bis zum Jahr 2035 klimaneutral zu gestalten. Der Fokus soll also auf der sogenannten Nachverdichtung liegen. Die Stadt arbeite, so Appelbe, an gemischten Quartieren mit Wohnungen und Gewerbeeinheiten wie beispielsweise im Buschdorfer Auerpark. In Anbetracht des prognostizierten Bevölkerungswachstums für die nächsten Jahre und des heute schon knappen Wohnraums sagte Dörner, die Umsetzung sei „eine sehr große Herausforderung“, die „Zielkonflikte“ mit sich bringe.

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