1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Kommentar zur Bonner Ratspolitik: Mehr Respekt

Kommentar zur Bonner Ratspolitik : Mehr Respekt

Immer häufiger vergreifen sich Bonner Kommunalpolitiker im Ton. Streit darf sein, Kränkungen aber nicht, meint GA-Redakteurin Lisa Inhoffen.

Ja, der Ton im Stadtrat ist über die Jahre rauer geworden. Und nicht nur allein der viel gescholtene Marcel Schmitt vom Bürger Bund Bonn vergreift sich in den Debatten über die Themen der Bonner Stadtpolitik hin und wieder im Ton – obschon Schmitt dabei unbestritten den Vogel abschießt. Auch Redner der anderen Fraktionen vergessen manchmal ihre Kinderstube und hauen ihrem Gegenüber in den oftmals langen Sitzungen Sätze um die Ohren, bei denen man sich als Beobachter nur fremdschämen kann. Anstatt fair um die Sache zu streiten, wird der andere niedergeschrien, mit kränkenden Zwischenrufen bedacht oder ausgelacht.

Nicht selten, dass sich Zuschauer in den Publikumsreihen dann angewidert fragen, wie das sein kann, dass sich Personen, die man früher auch gern als Honoratioren der Stadt bezeichnete, so in aller Öffentlichkeit aufführen (vor Corona waren vor allem die Ratssitzungen stets von Bürgerinnen und Bürgern gut besucht). Abschreckend für manche, die sich bis dahin vielleicht überlegt haben, möglicherweise selbst einmal für ein solches Ehrenamt zu kandidieren.

Suchet der Stadt Bestes: Dieser Auftrag richtet sich an alle Ratspolitiker. Und natürlich auch an die Verwaltung. Dass Stadtdirektor Wolfgang Fuchs nach jener Hauptausschusssitzung besser geschwiegen hätte, steht außer Frage. Vielleicht zeigt er Größe und entschuldigt sich bei BBB-Mann Schmitt.

Und ja, diese Suche lebt von der politischen Auseinandersetzung, also vom Streit. Doch der ist heute (und nicht nur in den Bonner Gremien) eher geprägt davon, dass man sich nicht zuhört, eine Position des Gegenübers gern verzerrt wiedergibt, auf Einwände und Argumente des anderen kränkend und verletzend reagiert, anstatt respektvoll und sachlich miteinander zu reden. Darauf stärker zu achten, ist übrigens auch eine Aufgabe der Sitzungsleitung. Dieser Aufgabe sind einige in der Vergangenheit nicht immer gerecht geworden.