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„Radweg Deutsche Einheit“: Ministerium bremst Bonn aus

„Radweg Deutsche Einheit“ : Ministerium bremst Bonn aus

Auf den Spuren der Einheit von Bonn nach Berlin radeln: So sieht er aus, der Plan für den „Radweg Deutsche Einheit“. Doch für die Stadt Bonn und die Region endete der Traum von einem neuen Radweg mit einer Enttäuschung.

Mit dem Fahrrad von Bonn nach Berlin radeln und auf dem Weg an wichtigen Stationen der deutschen Geschichte Halt machen: So lautet seit 2014 der Plan für den „Radweg Deutsche Einheit“. Die Idee klingt gut: Überall an der rund 1100 Kilometer langen Strecke sollen Radstätten entstehen, an denen Radler etwa die Akkus ihrer E-Bikes aufladen und sich über den Streckenverlauf informieren können.

Aus dem Traum von einem neuen Radweg durch Bonn wurde indes nichts: Von Beginn an stellte das zuständige Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) klar, dass man lediglich bestehende Radwege verbinden wolle.

Für Bonn und den Rhein-Sieg-Kreis ist das nicht die einzige Enttäuschung. Stadt und Kreis hatten bereits frühzeitig ihre Unterstützung bei der Umsetzung angeboten, fanden aber kein Gehör, so Rolf Beu (Grüne). Weder das BMVI mit Sitz in Bonn, noch die für die Planung des Streckenverlaufs zuständigen Gutachter seien auf die Vorschläge für mögliche Strecken und geeignete Standorte für Radstätten zurückgekommen.

Gemeinsam hatten der Rhein-Sieg-Kreis sowie die Städte Bad Honnef, Königswinter und Bonn sogar ein Maßnahmenpaket entwickelt, damit der neue Radweg sich gut in die bereits bestehende Infrastruktur einfügt.

Da die Radwege am Rheinufer stark ausgelastet und zudem sanierungsbedürftig sind, hatte man in Bonn darauf gehofft, es könnte ein neuer Radweg entstehen oder der alte zumindest ausgebaut werden. „Wir sind prinzipiell immer an Radwegen interessiert“, sagt Beu, Landtagsabgeordneter und Vorsitzender des Bonner Planungsausschusses.

„Wenn das ganze Projekt mehr als Symbolkraft haben soll, ist es notwendig, Geld in die Hand zu nehmen und wirklich befahrbare Wege zu bauen, die den Namen Radweg auch verdienen.“ Die Grünen sind enttäuscht vom Bundesverkehrsministerium, Beu spricht sogar von einer „PR-Aktion, bei der man mit ein paar Tausend Euro Schilder an bereits vorhandenen Wegen aufstellt“.

Auch bei Bert Moll (CDU) kommt keine Freude auf: „Die Belange der Stadt Bonn wurden zu wenig berücksichtigt. Das ist eine Chance, nicht nur einen Radweg zu bauen, sondern das Thema Berlin-Bonn aufzunehmen. Man hat bei der Streckenführung zu wenig historische Gebäude berücksichtigt.“

Tatsächlich führt die vom Ministerium geplante Strecke nur linksrheinisch am Fluss entlang nach Koblenz. Der Petersberg, das Konrad-Adenauer-Haus in Bad Honnef oder das Willi-Brandt-Haus in Unkel auf der rechten Rheinseite werden quasi links liegengelassen.

Für NRW hat das BMVI auch nur eine einzige Radstätte geplant: vor seinem Sitz am Robert-Schuman-Platz in Bonn. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber hat daher einen Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt geschrieben und darum gebeten, die Streckenführung zu überdenken.

„Gerade im Hinblick auf die historische Bedeutung der Bundesstadt Bonn im Zusammenhang mit der Deutschen Einheit“ regte er an, die Routenführung zu überarbeiten und eine weitere Radstätte aufzustellen.

Das Ministerium hat zwar zugesagt, an der Strecke auf historische Orte hinzuweisen, äußert sich aber auf GA-Anfrage weder zu der Kritik aus Bonn noch zum geplanten Baubeginn oder den Gesamtkosten. In einem Antwortschreiben an Kelber heißt es, der Abschnitt von Bonn nach Koblenz solle wie geplant linksrheinisch verlaufen, da er „stärker frequentiert“ sei und das Stadtzentrum Bonns auf dieser Rheinseite liege.

Die Auslastung der Rheinradwege waren für Bonner Verwaltung und Politiker bisher einer der Hauptkritikpunkte gegen die Streckenführung. Im Schreiben aus dem Ministerium steht weiter, dass man auf rechtsrheinisch gelegene Sehenswürdigkeiten zumindest hinweisen könnte.

Ob man – wie Bonn angeregt – noch eine weitere Radstätte realisieren könne, hänge davon ab, ob eine Verwaltungsvereinbarung mit den Ländern bis 2020 verlängert werden könnte, „wäre aber aus Sicht des Projekts zu begrüßen“.