Jugendliche zaubern für Bonner Senioren Mit Magie gegen die Pandemie

Bonn · Bonner Jugendliche bieten Zaubershows für Seniorenheime an, deren Bewohner am Fenster zuschauen können. Die Auftritte sind kostenlos und sollen die dunkle Zeit der Pandemie etwas aufhellen.

 Selbst bei Dunkelheit, Kälte und Regen treten die Jugendlichen auf, hier in der Bonner Nordstadt.

Selbst bei Dunkelheit, Kälte und Regen treten die Jugendlichen auf, hier in der Bonner Nordstadt.

Foto: Marco Rauch

Der 16-jährige Felix Bergmann besucht die Otto-Kühne-Schule in Bad Godesberg und ist Hobbyzauberer sowie Jongleur. Er engagiert sich beim Ortszirkel Bonn, der zum Magischen Zirkel Deutschland gehört, und bei der Cirusschule Don Mehloni. In normalen Zeiten tritt er mit seinen Kolleginnen und Kollegen etwa zweimal im Monat auf, wie beispielsweise beim Stadtfest in Bad Godesberg oder beim UN-Weltkindertag. „In diesem Jahr ist aber alles anders“, merkt er an. Schon im ersten Lockdown fielen sämtliche Auftritte aus, in den vergangenen Wochen dann erneut.

Daher mussten die jungen Künstler nach Ersatzlösungen suchen. „Schon seit Beginn der Pandemie bewegt uns das Wohl der älteren Bevölkerung, die nicht nur auf gesundheitlicher, sondern auch auf sozialer Ebene viel durchmachen“, so Bergmann. Daher hatte er die Idee, in Innenhöfen und auf Freiflächen vor Seniorenheimen aufzutreten, während die Senioren die Darbietung aus den Fenstern verfolgen, um den nötigen Abstand zu wahren. Die Jugendlichen verlangen für ihre Auftritte dabei keinerlei Gage: „Unser Hauptziel ist es, Menschen – auch oder gerade in schwierigen Zeiten – einen Augenblick des Lachens zu schenken. Geld ist dabei absolut nebensächlich“, betont Bergmann. Es handele sich dennoch um eine Win-win-Situation: Wir dürfen vor Publikum auftreten und den Zuschauern zumindest einen kurzen Moment der Freude bieten“, erklärt er.

Er habe die Idee an andere Künstler weitergetragen, „alle waren sehr angetan“. Daher sei man schon im Sommer mehrfach zu dritt aufgetreten, nicht nur in Bonn, sondern beispielsweise auch im St.-Augustinus-Seniorenhaus in Hennef. „Die Heimbewohner waren begeistert“, so der Hobbyzauberer.

Nun im zweiten Lockdown werde man „aufgrund der aktuellen Regelungen bei den kommenden Auftritten nur zu zweit auftreten“, sagen Felix Bergmann und Max Koch. Die Auftritte seien weiterhin kostenlos, man freue sich dennoch natürlich über eine kleine Spende. Hauptziel bleibe auch in diesem Lockdown, den durch die Pandemie „benachteiligten Menschen eine Freude zu machen“.

Und auch jetzt sei man auf eine Menge Interesse gestoßen: Unter dem Motto „Fensterprogramm für Senioren“ haben die beiden Zauberer in diesen Tagen vier Auftritte zur Unterhaltung der Senioren vorgeführt – wie schon im Sommer. „Uns freut es sehr, dass wir auch jetzt wieder Senioren-Organisationen finden konnten, die von unseren Ideen und dem Engagement begeistert sind“, meint er.

Für ihn selbst in die Zauberei seit mehr als fünf Jahren ein großes Hobby, und er kann sich durchaus vorstellen, später beruflich als Zauberer zu arbeiten. Er wisse aber auch „um die Anstrengungen, die dieser Beruf mit sich bringen kann“, weshalb er zunächst noch Abitur machen möchte, um flexibel zu bleiben. „Eines meiner Vorbilder hat mir mal gesagt: ‚Es ist besser zaubern zu können, als zaubern zu müssen‘“, so der 16-Jährige.

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