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Mordfall Claudia Ruf: Zusammenhang zu Maddie? Polizei

Erkenntnisabfrage der Polizei Bonn : Könnte Verdächtiger im Fall Maddie Claudia Ruf getötet haben?

Im Fall der 1996 ermordeten Claudia Ruf überprüfen die Ermittler mögliche Verbindungen zum Fall Maddie. Ein Ergebnis wird noch in diesem Monat erwartet. Weiterhin gehen die Bonner Ermittler rund 400 Spuren nach.

Der Fall Maddie ging um die Welt. 2007 verschwand die beinahe Vierjährige aus einer Apartmentanlage im portugiesischen Praia da Luz. Wochenlang suchten Ermittler nach Madeleine, die Eltern wandten sich Hilfe suchend an die Öffentlichkeit. Dann war es lange Zeit still um Maddie. Anfang Juni teilten das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig überraschend mit, dass ein wegen anderer Delikte inhaftierter 43-jähriger Deutscher unter Mordverdacht steht. Zwischen 1995 und 2007 reiste der Tatverdächtige immer wieder zeitweise an die Algarve.

Ging eine Reise des 43-Jährigen möglicherweise 1996 nach Hemmerden? Auf einem Feldweg in Euskirchen wurde am 13. Mai 1996 die Leiche der damals elfjährigen Claudia Ruf gefunden. Claudia Ruf wurde vergewaltigt, erdrosselt oder erwürgt und nach ihrem Tod mit Benzin übergossen und angezündet. Die Bonner Polizei ermittelt in dem Fall und hat beim BKA eine Erkenntnisabfrage gestellt. Das BKA soll überprüfen, ob der Tatverdächtige im Fall Maddie der Mörder von Claudia Ruf sein könnte.

Weitere richterliche Beschlüsse erwirkt

„Dass überregional agierende Täter bei Mordermittlungen überprüft werden, gehört dazu“, sagt Robert Scholten, Sprecher der Bonner Polizei auf Anfrage des GA. Es gibt derzeit keine Hinweise auf eine Verknüpfung beider Fälle, dennoch kann eine Verbindung nicht ausgeschlossen werden. „Der Tatverdächtige im Fall „Maddie“ passt nicht in unser bisheriges Täterprofil“, so Scholten. Derzeit gehen die Ermittler davon aus, dass Claudia Rufs Mörder aus ihrem Umfeld in Grevenbroich-Hemmerden stammt. „Es ist möglich, dass ein Mann, der regelmäßig nach Portugal gereist ist, auch in Hemmerden war“, sagt Scholten. „Wir wollen in der Aufklärung des Falls nichts unversucht lassen.“ Ein Ergebnis der Erkenntnisabfrage wird Ende des Monats erwartet.

Derzeit sind die Ermittler dabei, noch rund 400 Spuren nachzugehen. „Die Ermittlungen sind intensiv und zeitaufwendig“, sagt Scholten. Und sie reichen bis ins Ausland. Bei einem Massengentest wurden 2400 Männer um eine Speichelprobe gebeten. Acht Männer verweigerten zunächst die Abgabe einer freiwilligen DNA-Probe. Im Mai konnten drei von ihnen zu einer Abgabe verpflichtet werden, die Proben waren negativ. In der Zwischenzeit konnten die Ermittler vier weitere richterliche Beschlüsse erwirken. Diese Proben werden nun überprüft. „Eine letzte DNA-Probe fehlt noch“, sagt Scholten. Auch wenn die Ermittlungen bislang nicht zur Überführung von Claudia Rufs Mörder geführt haben, glaubt Scholten an einen Ermittlungserfolg. „Die Technik entwickelt sich stetig weiter und wie wir aktuell sehen, werden auch regelmäßig neue Täter in Betracht gezogen. Wir bleiben optimistisch.“