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Motel-One-Prozess in Bonn: 22-Jähriger wegen weiterer Tat vor Gericht

Vorwurf des schweren Raubs : Angeklagter aus Motel-One-Prozess wegen Raubs erneut vor Gericht

Der 22-Jährige, der im Motel-One-Prozess überraschend freigesprochen wurde, muss sich nun erneut vor dem Bonner Landgericht verantworten. Vorgeworfen werden ihm Raub und gefährliche Körperverletzung.

Von dem Vorwurf der Beteiligung an der Brandstiftung in einem Lagerraum des Motel One „Beethoven“ am Bertha-von Suttner-Platz war der Mann noch im August überraschend freigesprochen worden. Nur ein mitangeklagter 24-Jähriger wurde damals der Brandstiftung für schuldig befunden. Weil aber die Staatsanwaltschaft in einem anderen Fall erneut Anklage gegen den 22-jährigen Mann erhoben hat, der die deutsche und die Staatsangehörigkeit von Sri Lanka besitzt, blieb dieser in Untersuchungshaft.

Nun allerdings nicht mehr wegen des Vorwurfs der Brandstiftung, sondern weil er am 1. April dieses Jahres mit zwei Komplizen einen 36-Jährigen ausgeraubt und verletzt haben soll. Das bestätigte die Sprecherin des Bonner Landgerichts, Patricia Meyer, am Freitagmorgen. Diesmal lautet die Anklage auf gemeinschaftlichen schweren Raub und gefährliche Körperverletzung. Das Verfahren soll noch im Oktober beginnen. Der mögliche Tatort liegt gleich um die Ecke: Auf dem Weg vom Hauptbahnhof zu einem Hinterhof vis-à-vis des Motel One sollen der junge Mann und seine Mittäter, einer von ihnen noch minderjährig, einen Bekannten in einen Hinterhalt gelockt haben, um ihn auszurauben.

Angeblich, so nimmt es die Anklage an, soll es um einen fingierten Drogenhandel gegangen sein. Die drei Angeklagten hätten ihr Opfer glauben lassen, dass man einen Dealer kenne, der günstige Preise biete. Am angeblichen Treffpunkt angekommen, soll der 22-jährige Angeklagte sich dann aber vor dem kaufwilligen Kumpel bedrohlich aufgebaut haben und ihm Schläge mit der Faust ins Gesicht angedroht haben. Derweil, so glauben die Ermittler, kreisten der 19-Jährige und der minderjährige Mittäter ihr Opfer ein, um es auszurauben. Der Geschädigte soll zwar noch versucht haben wegzulaufen, weil der 22-Jährige ihm aber ein Bein gestellt haben soll, geriet der Flüchtige ins Straucheln und schlug der Länge nach auf den Boden. Dort sollen dann alle drei Tatbeteiligten auf den wehrlos Daliegenden eingeschlagen und -getreten haben. Einer der Mittäter soll sogar versucht haben, ihm mit einem Stein auf den Kopf zu schlagen. Offenbar konnte der Angegriffene diese Attacke aber erfolgreich abwehren.

Nicht abwenden konnte er hingegen den Verlust von 600 Euro. Offenbar hatte er das Geld in der Erwartung des angekündigten Dealers bereits aus der Tasche gezogen. Während der 22-Jährige ihn festgehalten haben soll, gelang es dem 19-Jährigen offenbar, dem Opfer das Bargeld aus der Hand zu reißen. Nachdem der Minderjährige den erfolglosen Drogenkäufer noch nach weiteren begehrenswerten Gegenständen durchsucht, aber nichts gefunden haben soll, gelang es dann dem Opfer, die Flucht anzutreten.

Kurz nach dieser Tat konnte die Polizei den zunächst nur wegen der Brandstiftung gesuchten 22-Jährigen festnehmen. Der Mitangeklagte war direkt nach dem Brand am 10. Juni vergangenen Jahres mit einem Teilgeständnis zur Polizei gegangen. Damals hatte er seinen 22-jährigen Kumpel schwer belastet. Weil er dessen Namen aber nicht richtig nennen konnte, wurde dieser erst im April ermittelt. Im Fall der Brandstiftung hatten sich die beiden Angeklagten gegenseitig beschuldigt; letztlich befand die Kammer aber nur die Aussagen des Freigesprochenen für „konsistent und widerspruchsfrei“. Der Freispruch ist noch nicht rechtskräftig.