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Bonner City: Mülheimer Platz sieht ganz schön alt aus

Bonner City : Mülheimer Platz sieht ganz schön alt aus

Der neue Belag auf dem Mülheimer Platz hat schon nach wenigen Wochen einen Grauschleier. Deutliche Kritik gibt es auch an der unterschiedlichen Pflasterung in der Bonner City.

Sparsam ausgestattet, aber effektvoll werde der Mülheimer Platz, ein „kostbarer Ort“, versprach die Vorsitzende des Preisgerichts, Professor Ulrike Beuter, vor genau zwei Jahren. Damals präsentierte die Jury den Siegerentwurf der „terra nova“ aus München. Die Pläne zeigten einen hell gestalteten Platz mit einer langen „Lesebank“ vor einer schön verkleideten Tiefgaragenausfahrt. Der damalige Bonner Stadtbaurat Werner Wingenfeld schätzte die Gesamtkosten auf „600.000 bis 700.000 Euro“.

Aber es kam anders. Nicht nur, dass sich herausstellte, dass die Umsetzung des gesamten Entwurfs gut das Doppelte gekostet hätte. Heute kann sich jeder davon überzeugen, dass der Belag wohl ein Fehlgriff war: Der helle, sandfarbene Stein ist fleckig, Reifenabrieb und tierische Hinterlassenschaften haben hässliche Spuren hinterlassen. Gerade mal vor sechs Wochen freigegeben, sieht der Platz mit dem auffälligen Grauschleier aus, als sei er in die Jahre gekommen.

Lesebank soll im Frühjahr montiert werden

„Es ist bedauerlich, dass der Platz schon so eingegraut ist. In ein paar Jahren wird von dem gelblichen Belag wohl kaum noch etwas zu sehen sein“, meint Ines Knye, Vorstandsmitglied des Bundes Deutscher Architekten Bonn-Rhein-Sieg (BDA) mit eigenem Architektenbüro an der Thomas-Mann-Straße. Insgesamt gefällt ihr die Platzgestaltung. „Von der geplanten Farbigkeit mit Bezügen zum alten Stadthaus und zum Karstadt-Gebäude verträgt das dieser Platz. Allerdings hätten die Übergänge zum Bestand geschmeidiger sein können. Der radikale Schnitt hätte subtiler sein können. Und dass der neue Belag mitten auf dem Mülheimer Platz endet, erschließt sich nicht wirklich.“

Das war den hohen Kosten geschuldet. Schon so, wie er ist, hat der Platz 450.000 Euro gekostet – ohne die im Entwurf vorgesehene Lesebank entlang des Hauses der Bildung und die Verkleidung der Tiefgaragenausfahrt. Die etwa 30 Meter lange Bank, die noch einmal 53.000 Euro kostet, soll in diesem Frühjahr montiert werden. „Wir hoffen sehr, dass der gesamte Platz so gestaltet wird, wie es im Wettbewerb vorgesehen war“, so Knye.

„Letztlich waren die Bank und die Verkleidung der Tiefgaragenausfahrt die einzigen Schmuckstücke bei der neuen Gestaltung.“ „Eigentlich fehlt alles“, meint Bezirksbürgermeister Helmut Kollig. „Und dass die Bank kommt, darauf hat die Bonner Bezirksvertretung ja bestanden.“ Er selbst habe eine ganz andere Idee gehabt für den Platz: „Die Ausfahrt müsste eigentlich in die Münsterstraße verlegt werden. Aber das ist technisch aufwendig und finanziell kaum zu stemmen. Dann könnte man dort eine schöne Markthalle bauen.“

Tiefbauamt hat auf problematische Farbwahl hingewiesen

Das Tiefbauamt habe im Übrigen darauf hingewiesen, dass der helle Farbton problematisch sei“, so Stefanie Zießnitz vom Presseamt der Stadt Bonn. Schon wegen des Lieferverkehrs zu Karstadt habe sich ein dunklerer Belag eher empfohlen. Die Stadt gehe davon aus, dass auch der Rest des Mülheimer Platzes einmal an den neuen Belag angepasst werde. Aber es stünden Kanalbauarbeiten an. Danach könne man das angehen.

„Der gesamte Platz ist eine Zumutung: plan-, kopf- und strukturlos“, meint Heidemarie Weide, die mit ihrer Initiative Öffentlicher Raum in der Vergangenheit schon auf eine Reihe von Missständen in der Innenstadt hingewiesen hat. Neben den unsensiblen Übergängen kritisiert Weide, dass es in der Fußgängerzone schon wieder einen neuen Belag gibt. Die unterschiedlichen Pflasterungen in der Innenstadt seien ohnehin scheußlich.

Kein einheitliches Bild

Tatsächlich herrscht kein einheitliches Bild. Wenzelgasse und Sternstraße rot und grau gepflastert, die Friedrichstraße mit unterschiedlich grauen Belägen, der Marktplatz besteht aus einer anderen Pflasterung als der Friedensplatz, auf dem Münsterplatz sind die Einheiten durch rote Bänder getrennt, die Marktbrücke besteht aus unterschiedlich großen grauen Platten und roten Pflastersteinen. Das Dreieck sieht wieder völlig anders aus als der Platz vor dem Telekom-Laden am Friedensplatz.

Rund um das neue Sparkassengebäude herrscht auch eine Vielfalt unterschiedlicher Bodenbeläge. Die Konsequenz nach einigen Jahren: Die Flächen sehen dort, wo sie älter sind, aus wie ein Fleckenteppich, weil sie mit schwarzen Kaltasphaltpunkten durchsetzt sind. Diese stammen oft von der schnellen Eingreiftruppe des Tiefbauamts, die bei ihren regelmäßigen Kontrollen nicht für jede Straße das passende Füllmaterial dabei haben können. „Wir haben Verkehrssicherungspflicht, und da kommt es bei der Beseitigung von Stolperfallen eher auf Schnelligkeit an“, so die Stadt.