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Horst-Stoeckel-Museum: Museum in Bonn zeigt Geschichte der Narkose

Horst-Stoeckel-Museum : Museum in Bonn zeigt Geschichte der Narkose

Das Horst-Stoeckel-Museum in Bonn zeigt die Geschichte der Anästhesiologie. Der Museumsgründer führt persönlich durch die Ausstellung.

Wer das Horst-Stoeckel-Museum zum ersten Mal betritt, erwartet fast schon Frankenstein, der um die Ecke auf einer Bahre liegt und mit Stromstößen traktiert wird. Unzählige Fläschchen, schweres medizinisches Gerät, Masken und Gasflaschen erinnern an die berühmte Szene im Labor. Das Museum dokumentiert 150 Jahre in der Entwicklung der Anästhesiologie. Was heute selbstverständlich ist, schien in den Anfängen wie ein Traum: Das Ausschalten der Schmerzempfindlichkeit durch Narkose, etwa während einer Operation. Den langen Weg dorthin hat der Gründer des Museums Dr. Horst Stoeckel selbst miterlebt. 1974 war er als Professor für Anästhesiologie an die Universität Bonn berufen worden.

Fast 20 Jahre ist es her, dass aus seiner kleinen privaten Sammlung ein Museum mit heute 100 Exponaten entstand. Jedes von ihnen hat eine eigene Geschichte und Stoeckel kennt sie wohl alle im Schlaf. „Mir geht es nicht um das Sammeln, sondern um das Erhalten. Wir möchten hier den Fortschritt vermitteln, den diese Erfindungen für den Menschen bedeutet haben“, so Stoeckel.

Nachtschattengewächse versetzten Patienten in einen schlafähnlichen Zustand

Dazu reist er um die ganze Welt, hält Vorträge und ist immer auf der Suche nach weiteren Puzzleteilen, um die Sammlung zu vervollständigen. Immer wieder erreichen ihn auch Geschenke von Ärzten oder Bekannten. Das Horst-Stoeckel-Museum ist hierfür ein fast einzigartiger Sammelplatz: „Auf der ganzen Welt gibt es nur drei oder vier Museen, die sich speziell mit Anästhesiologie beschäftigen“, erzählte der emeritierte Professor. Rund 40 Vitrinen mit technischen Geräten, Schautafeln und Medikamenten erzählen, wie sich die Medizin seit der ersten gelungenen Narkose 1846 entwickelt hat.

Vorher nutzte man Schwämme, die mit Nachtschattengewächsen wie Tollkirsche oder Bilsenkraut getränkt wurden und versetzte die Patienten damit in einen schlafähnlichen Zustand. Mitte des 19. Jahrhunderts dann erfand ein Zahnarzt die „Bostoner Kugel“. Ein geschlossenes Gefäß, durch das Äther-Dampf entweichen konnte und narkotisierend wirkte. Im Museum ist eine Replik ausgestellt.

Ein OP aus den 1930er Jahren erinnert an Frankenstein

Ein Blick in den voll eingerichteten Operationssaal aus den 1930er Jahren, lässt den Gedanken an Frankenstein nochmal voll aufleben. Der sterile Raum mit Gurten an der Patientenliege, Zangen und Skalpellen erinnert daran, dass medizinische Behandlungen in früherer Zeit weitaus rabiater waren. „Die Ärzte damals waren keine Chirurgen, sondern Handwerker“, erzählte Stoeckel. Der 88-Jährige muss nicht erst erwähnen, dass das Museum seine Herzensangelegenheit und die Anästhesiologie sein Lebensthema ist. Die Fülle an Wissen und Anekdoten, die seine Führungen begleiten, zeugen davon.

Die Sammlung in der Sigmund-Freud-Straße 25 ist montags bis freitags von 9 bis 13.30 Uhr geöffnet. Gruppenführungen mit Hans Stoeckel werden nach telefonischer Vereinbarung angeboten.