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Museum Koenig in Bonn kümmert sich um geschmuggelte Reptilien

Zoll-Kontrolle am Flughafen Köln/Bonn : Museum Koenig kümmert sich um geschmuggelte Reptilien

Der Zoll hat bei Kontrollen am Flughafen Köln/Bonn 16 geschmuggelte Reptilien entdeckt. Sie kamen aus Mexiko und waren in kleine Säckchen eingezwängt, die wiederum in Puppen eingenäht waren. Das Museum Koenig in Bonn kümmert sich nun um die noch lebenden Tiere.

Zu einer ungewöhnlichen Pressekonferenz im Museum Koenig hatte am Mittwoch das Kölner Hauptzollamt eingeladen: Museumsexperten, ein Fachmann des Bundesamtes für Naturschutz und Zollsprecher Jens Ahland präsentierten 26 teils geschützte Reptilien, die der Zoll jüngst am Flughafen Köln-Bonn sichergestellt hatte. Und zwar bei Paketkontrollen eines namhaften Logistikdienstleisters am 30. Oktober und am 8. November.

Die Zöllner entdeckten die Tiere in Paketen eines Absenders aus Mexiko. Genauer gesagt artengeschützte Dosenschildkröten und Baumschleichen sowie nicht geschützte Krötenechsen. Allerdings: Zehn der geschmuggelten Tiere hatten den illegalen Transport nicht überlebt, so Ahland. Zwei weitere waren später verendet. Im Museum zeigten sich dann jene 14 Reptilien, die die Schmuggelaktion überstanden hatten und anschließend im Haus aufgepäppelt wurden, in einigermaßen guter Verfassung.

Das freute insbesondere Ahland: „Was viele nicht wissen: Artenschutz gehört neben Drogen- und Zigarettenschmuggel vorrangig zu unserem Kontrollbereich.“ Nachdem es im vergangenen Jahr bereits 28 Funde mit 200 Objekten gegeben habe, seien es in diesem Jahr bereits 25 gewesen. Allerdings komme es sehr selten vor, „dass wir lebende Tiere finden“, sagte Ahland. Oft ginge es um geschmuggelt Produkte aus Krokodil- und Schlangenleder. In diesem Monat seien allein bei einem Fund 22 Handtaschen aus Pythonleder aus Indonesien sichergestellt worden.

Dass nun 14 von 26 Reptilien überlebt haben, scheint angesichts der Umstände ihres Transportes ein echter Glücksfall gewesen zu sein: Denn Baumschleiche, Krötenechse & Co. waren in Mexiko in zwei Paketen aufgegeben worden -- jeweils deklariert als „Süßigkeiten“ und „Spielzeug“. Der Warenwert war mit 30 bis 80 Dollar angegeben.

Die Sendungen sollten an zwei unterschiedliche Empfänger in Deutschland gehen. Was für die Tiere eine Tortur gewesen sein muss: Die Reptilien waren eingezwängt in Säckchen, die wiederum in Puppen eingenäht worden waren, schilderte es der Zollsprecher, der zur Demonstration auch die Puppen und Süßigkeiten zur Pressekonferenz mitgebracht hatte. Bei der Kontrolle sei insbesondere „der ungewöhnliche Geruch aufgefallen". Ferner habe das Abtasten der Puppen dann weitere Verdachtsmomente genährt. Schließlich sei der Zoll gerade bei Frachtsendungen aus Mexiko sensibilisiert, weil eine Rauschgiftlieferung im Spiel sein könnte.

Zusammen mit diesen Puppen und Süßwaren wurden die Tiere geschmuggelt. Die Tiere waren in den Puppen versteckt. Foto: Axel Vogel

Für Dennis Rödder, Leiter der Herpetologie (Lehre und Kunde von den Tierklassen der Amphibien und Reptilien) im Museum Koenig, war die Schmuggelaktion ein einziger Akt von Tierquälerei, der sich über Tage hingezogen haben dürfte: „Das größte Problem ist, dass die Reptilien dehydrieren.“ Auch rein rechtlich hätten selbst die nicht geschützten Krötenechsen niemals so transportiert werden dürfen: „Exportpapiere sind erforderlich, der Transport muss angemeldet werden, und die Tiere brauchen einen geeigneten Transportbehälter.“

Laut Rödder würden die Reptilien jetzt in geeigneten Terrarien des Museums wieder zu Kräften kommen. Das sei im Fall der Krötenechsen gar nicht so einfach: „Die ernähren sich fast ausschließlich von Ameisen, und Ersatzfutter zu beschaffen, ist schwierig.“ Inzwischen würden die Tiere aber schon wieder fressen, seien aber noch etwas wackelig auf den Beinen.

Auch für Franz Böhmer vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn ist der Erfolg des Zolls etwas ganz Besonderes. Schließlich seien absolute Raritäten sichergestellt worden: „Beispielsweise gibt es von der Baumschleiche kein legales Exemplar in Europa.“ Für Böhmer geht es nun auch darum abzuklären, was mit den überlebenden Tieren passiert: „Es besteht in Mexiko zwar ein Interesse, aber die Tiere sind noch nicht fit für einen Transport.“ Auch die Frage der Ahndung ist für Böhmer wichtig. Die Staatsanwaltschaft sei zwar Herr des Verfahrens, aber eine Einstellung drohe, weil ein gewerblicher Handel nicht belegbar sei. Allerdings habe das Bundesamt die Möglichkeit, bis zu 50.000 Euro Bußgeld zu verhängen. Bei der Bemessung würden dann auch die widrigen Transportbedingungen eine Rolle spielen. Fest steht: „Die Besteller der Reptilien sind ermittelt“, betont Ahland: „Gegen sie läuft jetzt ein Verfahren.“