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Rockband 60 Plus: Music Academy startet Musikprogramm für Altrocker in Bonn

Rockband 60 Plus : Music Academy startet Musikprogramm für Altrocker in Bonn

Die Music Academy startet ein Musikprogramm für Altrocker, die mit 60 Jahren und älter nochmal Musik machen wollen. Schirmherr des Projekts ist Konrad Beikircher.

Ein bisschen ist es für Walter Quadflieg wie eine Rückkehr in die Schulzeit, wenn er am Mikrofon den Rolling-Stones-Song „Honky Tonk Women“ schmettert. Damals war der heute 68-Jährige mit Leidenschaft in einer Schulband. Dann kam das Berufsleben. „Danach hatte ich Zeit, nochmal ein bisschen zu spielen.“ Er versuchte es unter anderem in einer Bluesband, bis man sich zerstritt. Seit vier Jahren ist er Sänger der „Beta Blockers“, einer Rockband mit Menschen über 60 Jahren an der Kölner Music Academy.

Ein solches Projekt möchte man auch in der Bonner Zweigstelle etablieren. Zum Pressetermin hatte man deshalb die Kölner Altrocker eingeladen, um zu zeigen, wie das aussehen kann. Quadflieg war nach einigen Songs mit seinen Bandgenossen durchgeschwitzt, wie es sein soll bei Rock'n'Rollern, aber gut drauf. Das Angebot der Music Academy kam ihm sehr gelegen. „Normal kommt man in eine gewachsene Gruppe“, sagte er. Da habe ein Einzelner oft einen schwierigen Start. In dieser Band waren alle neu, Gleichgesinnte, die sich schnell zusammenfanden, die genügend Jahre auf dem Buckel haben und die Rockmusik im Blut.

Das sind natürlich alles keine Profis, sondern Hobbymusiker, die unter Guido Brauns Coaching zu einer Einheit wurden. Und die „Beta Blockers“ sind auch nicht die einzigen, sondern eine von mehreren Bands, die aus einer ganzen Reihe Interessenten passend zusammengestellt wurden. „Wir hatten auch mal eine Bassistin in einem anderen Projekt“, sagte Musiklehrer Braun. Ansonsten ist das überwiegend Männersache.

Angebot für Menschen im „dritten Lebensalter“

Während die Musiker rockten, erzählte Steve Stevens, Inhaber der Music Academy Bonn, mehr über das Programm „Rockband 60 Plus – Best Agers“. Die Idee dazu hatte die Kulturgeralogin Beatrix Wirbelauer 2012: Sie wollte ein Angebot für Menschen im „dritten Lebensalter“ verwirklichen, stieß aber auf taube Ohren. „Da fiel sogar der Satz: Menschen in diesem Alter sollten sich Gedanken um Barrierefreiheit machen, nicht um Rockmusik und Verstärker“, so Stevens. Bei den Leitern der Music Academy Europe GmbH rannte sie aber offene Türen ein. „Der Altersdurchschnitt auf der Welt wird immer höher“, sagte er. In Bonn gebe es mehr als 60.000 Menschen über 60 Jahren, die mit Chuck Berry, Beatles, Elvis Presley und den Rolling Stones aufgewachsen sind.

Bei vielen dürfte die Begeisterung dafür immer noch vorhanden sein, und die will man erreichen. Wer ein Instrument spielt oder spielen will, Lust auf Musizieren in einer Band und die entsprechende Energie mitbringt, ist willkommen. Die musikalische Leitung übernehmen Stevens und Dozent Tim Buse, je nach Zulauf könnte ein dritter Coach ins Boot kommen. Am 14. Juli gibt es einen Kennenlernabend ab 19 Uhr in der Academy, Noeggerathstrtaße 43.

Stevens hat mit Kabarettist Konrad Beikircher einen Schirmherrn für das Programm gewinnen können, der altersmäßig passt, in Bonn wohnt und Kunst und Kultur nahe ist. Was hat Beikircher mit Rockmusik zu tun? „Ich bin seit meinem achten Lebensjahr Rock'n'Roller“, sagte der 71-Jährige. Ihn habe die schwarze Rockmusik begeistert, auch das Anarchische dabei. „Rockmusik ist ja keine Frage der Harmonie, sondern der Einstellung.“ Er habe sich über das Podium gefreut, das die Music Academy aufmacht. Man müsse auch dieser Altersgruppe Mut machen: „Besser die Gitarre in die Hand nehmen als den Rollator.“