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Für bessere Bezahlung: Musikschul-Mitarbeiter demonstrieren vor Bonner Kunstmuseum

Für bessere Bezahlung : Musikschul-Mitarbeiter demonstrieren vor Bonner Kunstmuseum

Mit Musik und einer Kundgebung vor dem Bonner Kunstmuseum haben ein gutes Dutzend Honorarkräfte der städtischen Ludwig-van-Beethoven-Musikschule und die Gewerkschaft verdi am Mittwochnachmittag für eine bessere Bezahlung demonstriert.

Die Teilnehmer der Demo forderten gleichzeitig eine Übernahme langjähriger Mitarbeiter in Festanstellungen. „In der Musikschule ist in den vergangenen zehn Jahren eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entstanden“, monierte Initiatorin Bolee Kim. „Planstellen werden immer mehr beschränkt und oftmals so ausgeschrieben, dass wir freie Lehrer uns überhaupt nicht auf sie bewerben können. Dabei müssen wir in prekären Verhältnissen arbeiten, obwohl wir über die gleichen Qualifikationen verfügen wie die festangestellten Kollegen. Wir haben keine Planungssicherheit, keine Absicherung im Krankheitsfall und verdienen nur 50 Prozent dessen, was Festangestellte verdienen. Diese Ausbeutung muss aufhören.“

Von den 187 Lehrkräften der Bonner Musikschule sind 81 auf Honorarbasis beschäftigt. Diese erhalten immer nur einen auf ein Schuljahr befristeten Vertrag, der pünktlich vor den Sommerferien endet. Einen Anspruch auf Krankengeld haben die Honorarkräfte ebenso wenig wie Mutterschutz oder Elternzeit, während sie gleichzeitig die Sozialabgaben in voller Höhe zahlen müssen – einen Arbeitgeberanteil gibt es bei derartigen Arbeitsverhältnissen nicht. „Im Grunde macht die Stadt mit den Honorarkräften sogar einen kleinen Gewinn, weil die Eltern ja immer den selben Betrag an die Musikschule bezahlen, egal von wem sie unterrichtet werden“, erklärt Almut Nikolayczik, die ebenfalls an der Protestaktion teilnimmt. „Das kann doch nicht sein. Doch anstatt gegenzusteuern, ist der Anteil der Honorarkräfte in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen, unter anderem wegen der Kooperationen zwischen der Musikschule und den offenen Ganztagsschulen.“ Daher hätten sich jetzt 60 Honorarkräfte zusammengetan, einen Brief an den neuen Musikschulleiter geschrieben und begonnen, politischen Druck aufzubauen. „Jetzt hoffen wir, dass wir Gehör finden“, so Nikolayczik.

Unterstützung erhalten die Musikschullehrer unter anderem von der SPD-Fraktion im Rat der Stadt Bonn. Diese betont, dass die öffentliche Hand eine Vorbild-Funktion habe. Der Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ solle daher befolgt und die Praxis von Kurzverträgen über mehrere Jahre hinweg hinterfragt werden. Die Stadtverwaltung verteidigt derweil das Vorgehen: "Viele Musikschulen haben Honorarkräfte, weil so eine größere Flexibilität bei der Unterrichtsplanung ermöglicht wird", erklärt Markus Schmitz vom Presseamt. "Daneben ist der Einsatz von Honorarkräften für den Träger der Musikschule kostengünstiger. Durch den Einsatz von Honorarkräften wird es den Musikschulen möglich, Kindern und Erwachsenen mehr und vielfältigere Angebote zu machen."