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Taten in Bonn und der Region: Mutmaßlicher Einbrecher verspielt seine Beute

Taten in Bonn und der Region : Mutmaßlicher Einbrecher verspielt seine Beute

Nach einer Einbruchserie in Bonn und der Region ist ein 46-Jähriger vor dem Bonner Landgericht angeklagt. Er soll seine Beute im Wert von 90.000 Euro bei Wetten verspielt haben.

Der Einbrecher arbeitete immer nach demselben Muster: Meist suchte der 46-Jährige am Tatort einen Stein, warf ihn gegen die Verglasung von Terrassentüren oder Fenstern – und versuchte, von innen die Griffe umzulegen. Wenn das nicht gelang, brach er Tannenzweige ab, die er im Garten fand, drapierte diese um die Kanten das Einwurflochs und stieg selbst durch die Öffnung. Innerhalb von drei Monaten soll der extrem kleine und drahtige Mann in Bonn, Bornheim, Alfter, Troisdorf und Sankt Augustin eingebrochen sein. Seit diesem Mittwoch muss sich der Familienvater aus Nordmazedonien wegen Einbruchdiebstahls in 19 Fällen vor dem Bonner Landgericht verantworten.

Zum Prozessauftakt gestand der Angeklagte alle Vorwürfe. Immense Spielschulden seien der Grund für seine exzessive Diebestouren gewesen, erklärte der 46-Jährige, der in Deutschland bereits wiederholt einschlägig vorbestraft ist. Da er in der Heimat keinen Job fand, so der Angeklagte, habe er sich entschlossen, durch Einbrüche das Geld wieder zu beschaffen. Nach seiner Gefängniszeit habe er „nie wieder nach Deutschland gewollt“, erst recht nicht in den Knast. Aber aus Angst vor Kredithaien, die „nicht zimperlich“ seien, sei er erneut aufgebrochen. Weihnachten 2019 habe er seinen kriminellen Plan gestartet.

Der Einbrecher war bei seinen Diebeszügen durchaus erfolgreich: Knapp 90.000 Euro betrug der Wert der Beute insgesamt, allein 35.000 Euro entstammten einem Einfamilienhaus in Bornheim. Alles „Stehlenswerte“ steckte er ein: Schmuck, Uhren, Silberbesteck, elektronische Geräte oder eine Schreckschusspistole Walther Typ P88, Munition inklusive. Neben einem Bundesverdienstkreuz landete auch eine 360-Gramm-Tüte Haribo-Goldbären im Wert von 1,29 Euro im Rucksack des Einbrechers.

DNA-Abgleich zeigt Ausmaß der Einbruchserie

Dreimal hatte er Pech: In einem Fall stieg er in eine Doppelhaushälfte ein, die gerade renoviert wurde; folglich gab es in der Leere nichts zu stehlen – und er trat sofort den Rückzug an. In einem weiteren Fall war er gerade durch ein frisch geschlagenes Schlupfloch in der Terrassentür eingestiegen, als er hörte, wie die Bewohnerin den Schlüssel im Schloss drehte. Über den Balkon der ersten Etage gelang ihm knapp die Flucht.

Im März 2020 war dann doch Schluss: Der Angeklagte war mit frischer Beute erwischt worden und wurde zunächst nur wegen dreier Einbrüche festgenommen, aber nach einem DNA-Abgleich schnellte die Zahl der Tatorte schlagartig nach oben.

Von der reichen Beute soll nichts mehr übrig sein. Angeblich habe er durch Sportwetten, mit denen er eigentlich seine Diebesbeute vermehren wollte, alles wieder verspielt. Die Schulden in der Heimat seien nicht kleiner geworden.