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Nach dem Ausfall von Pützchens Markt: Familienkirmes in Bonner City

Karussells und Süßigkeitenstände : Familienkirmes lockt seit Freitagmorgen in die Innenstadt von Bonn

Seit Freitagmorgen drehen sich Kinderkarussells an verschiedenen Standorten in der Bonner Innenstadt. Während die Kleinen ihren Spaß haben, sollen die Schausteller zumindest ein wenig für den Ausfall von Pützchens Markt entschädigt werden.

Mit großen Augen schaut der dreijährige Arvid auf das bunte Kinderkarussell, das auf dem Münsterplatz steht. Runde um Runde drehen die Gondeln, aus den Boxen tönt Musik. Arvid ist noch nie Karussell gefahren und schaut kritisch. Doch die anderen Kinder haben Spaß, sie lachen und winken freudig ihren Eltern zu. Der Junge nimmt allen Mut zusammen, kauft mit seiner Mutter einen Fahrchip, setzt sich in das leuchtend rote Feuerwehrauto und genießt seine erste Fahrt.

Seit Freitagmorgen sind in der Innenstadt an mehrere Standorten Kinderkarussells, Essens- und Süßigkeitenstände aufgebaut. Die kleine Familienkirmes soll als Ausgleich für die vielen wegen der Corona-Pandemie ausgefallenen Jahrmärkte dienen. Sieben Monate lang durften Schausteller nicht arbeiten und haben kein Geld verdient. „Das hier ist ein Hoffnungsschimmer“, sagt Schausteller Aaron Wolter. Die Veranstaltung sei bei Weitem kein Ersatz für eine Großkirmes wie Pützchens Markt. „Zu einer Kirmes gehören für mich bunte Lichter, eine laute Geräuschkulisse und Menschenmassen“, so Wolter.

Desinfektion der Autos nach jeder Fahrt

„Diese Ersatzveranstaltung sorgt aber dafür, dass wir Schausteller nicht in Vergessenheit geraten“, sagt Werner Schmitz. Der Schausteller betreibt das Kinderkarussell, das seit Freitag seine Runden auf dem Münsterplatz dreht. Auch Schmitz ist überzeugt, dass das Konzept die verlorenen Einnahmen nicht ausgleichen kann. „Aber wir zaubern den Kindern wieder ein Lächeln ins Gesicht“, sagt Schmitz. Daran ändert auch die kurze Wartezeit zwischen den Fahrten nichts, die die Schausteller zum desinfizieren der Karussellautos nutzen.

Nach jeder Fahrt werden die benutzten Autos und Lenkräder desinfiziert, bevor ein anderes Kind damit fahren kann. Eltern, die ihre Kinder bei der Fahrt begleiten, sind, wie die Mitarbeiter, dazu verpflichtet, eine Maske zu tragen. Diese Verhaltensregeln sind Teil eines Abstands- und Hygienekonzeptes, welches die Schausteller-Arbeitsgemeinschaft mit der Stadt ausgearbeitet hat. Damit die Besucher die Abstandsregeln einhalten, klebt Friedrich Rüwe einzelne Bereiche vor seiner Bude ab. Bei ihm können die Kinder Entenangeln.

Rüwe besitzt noch eine größere Bude. „Die Stadt hat uns gebeten, alles möglichst klein zu halten, deshalb stehen wir hier mit unserem kleinen Stand“, sagt Rüwe. „Mit dem Geld, das wir hier einnehmen, werden wir zwar keine alten Rechnungen zahlen können, aber wenigstens die Zeit überbrücken“, sagt der 29-Jährige. Bis dahin hoffe er, dass die Bonner das Angebot gut annehmen. Die fünfjährige Luisa fährt zumindest schon eine Stunde nach der Eröffnung die zehnte Runde auf dem Karussell.

Ob und wie sich die kleine Familienkirmes rentiert, können die Schausteller noch nicht sagen. Doch alle freuen sich darauf, wenn wieder eine richtige, große Kirmes stattfinden kann. Mit bunten Lichtern, Musik, viel Publikum und allem, was dazugehört.