Nach dem Tod von Stadtdechant Wolfgang Picken Wie Christian Jasper die Bonner Münstergemeinde leiten will

Bonn · Als Kaplan und Stadtjugendseelsorger startete Christian Jasper am Bonner Münster. Nun tritt er (zumindest vorübergehend) in die Fußstapfen von Münsterpfarrer Wolfgang Picken. Dabei setzt er auf Kontinuität und Wandel.

 Vom Kaplan zum Pfarrverweser am Bonner Münster: Christian Jasper im jugendpastoralen Zentrum Ekko.

Vom Kaplan zum Pfarrverweser am Bonner Münster: Christian Jasper im jugendpastoralen Zentrum Ekko.

Foto: Benjamin Westhoff

Es war im September 2020. Damals wurde Christian Jasper feierlich als Kaplan am Bonner Münster eingeführt. Dass er nur dreieinhalb Jahre später direkt zum Pfarrverweser der dortigen Gemeinde St. Martin ernannt werden würde, damit hätte der 38-Jährige nicht gerechnet. Nach dem plötzlichen und unerwarteten Tod von Stadtdechant Wolfgang Picken standen viele unter Schock, der Gemeinde fehlte der Pfarrer, dem Team der Chef. Das Erzbistum handelte – und nach drei Wochen war klar, dass Jasper für den Übergang die Geschicke am Bonner Münster leiten wird.

„Ich hatte mir das natürlich ganz anders vorgestellt“, so der 38-Jährige, der 2019 zum Priester geweiht worden war. Ganz anders: Das hieß, weiter unter Picken als Kaplan und Stadtjugendseelsorger im Einsatz zu sein, das Jugendpastorale Zentrum Ekko weiter auf- und auszubauen oder auch Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene an den Start zu bringen.

Seine Aufgaben nimmt er zwar weiterhin wahr, allerdings sind nun eine Reihe weiterer hinzugekommen. Als Pfarrverweser leitet er die Pfarrei nicht nur in allen seelsorgerlichen, sondern auch in vermögensrechtlichen Bereichen. Gerade was die Finanzen angehe, müsse er sich erst tiefer einarbeiten. Und: „Als Stadtjugendseelsorger hatte ich schon viel Verantwortung, aber ein kleines Team. Das ist jetzt anders.“

Ob ihn das alles mit Respekt erfüllt? Jasper überlegt. Er sei dankbar für das ihm entgegengebrachte Vertrauen des Erzbischofs, „aber mir ist bewusst, welche Riesenverantwortung daran geknüpft ist und in welche großen Fußstapfen ist trete“, sagt er schließlich. Auch, wenn das nur übergangsweise der Fall sei. „Sicher habe ich großen Respekt vor der Aufgabe.“ Seine Gefühlslage schwanke mit Blick auf seinen Einsatz dementsprechend zwischen freudig und nervös.

Kontinuität mit kleinen Änderungen

Froh sei er, dass er als Pfarrverweser die in den vergangenen Jahren begonnenen Projekte und Umbrüche, die er ohnehin schon begleitet habe, fortführen könne. „Alles, was hier stattgefunden hat, wird auch weiter stattfinden“, so Jasper. Schließlich habe das gesamte Team das Angebot der vergangenen Jahre mitgestaltet und für gut befunden. „Ich finde das Programm hier sehr gut“, stellt er fest. Allerdings fühle er sich verpflichtet, nicht nur weiterzumachen, sondern an einigen Stellen weiterzuentwickeln, „weil sich ja auch die Zeiten ändern“.

Zum Beispiel wird es bei den Sonntagsmessen um 12 Uhr Änderungen geben. Waren diese bislang eher auf den Stadtdechanten und Münsterpfarrer zugeschnitten, sollen es jetzt unterschiedliche Zelebranten sein. Das Konzept ist schon an den Start gegangen und werde bisher gut angenommen. „Das ist schön und ermutigend zu sehen.“

Außerdem möchte Jasper Jugendliche und junge Erwachsene noch besser einbinden. „Gerade bei Schülern und Studenten gibt es da noch Potenzial.“ Durch Leuchtturmveranstaltungen sollen die Jüngeren angesprochen werden, auch Social Media spielt eine Rolle. Klar aber ist: „Ich habe alle Vollmachten eines Pfarrers“, beschreibt Jasper. Dabei aber dürfe er keine Entscheidungen treffen, die den Rechten des nächsten Pfarrers vorgriffen.

Dass er neben der Arbeit des Pfarrverwesers auch weiterhin Stadtjugendseelsorger bleiben wird, gefällt ihm sehr gut, aber es bedeutet auch eine Menge Arbeit mehr. „Es wird schon gehen, aber man muss die Schwerpunkte anders setzen“, ist sich Jasper der Doppelbelastung bewusst. Eines seiner großen Projekte, das Ekko im ehemaligen Münsterladen, das durch eine Theke, gemütliche Tische und eine angenehme Farbgestaltung besticht, sei eröffnet und im August 2023 eingeweiht worden. Heißt: „In den nächsten Wochen und Monaten kann ich mich mehr auf die Pfarrei konzentrieren.“ Die gemeinsame Zeit mit den Jugendlichen möchte er auf jeden Fall nicht missen, daher wird er auch weiterhin häufig präsent sein. „Allerdings kann es schon sein, dass die eine oder andere Fahrt dann mal ohne mich stattfinden wird.“

Sport als Ausgleich

Seine Familie auf jeden Fall ist sehr stolz. Hat aber auch gesagt, dass er – bei allen zusätzlichen Aufgaben – auf sich aufpassen muss. Ausgleich findet Jasper, der aus Oelde im Münsterland stammt, vor allem im Sport. Laufen am Rhein, Skifreizeiten und mehr sorgen für einen freien Kopf. „Mit Ausdauer und Natur kann man mich richtig begeistern“, fasst der 38-Jährige zusammen, der den theologischen Weg – obwohl katholisch aufgewachsen – erst spät eingeschlagen hat. Bis er seine Freude an der Theologie entdeckte, stand ein Jurastudium in Köln auf dem Programm – Erstes Staatsexamen und Promotion im öffentlichen Recht inklusive.

Auch das Team habe sich gefreut, dass er als Pfarrverweser eingesetzt worden sei. „Zumindest haben sie mir nichts anderes gesagt“, sagt der 38-Jährige augenzwinkernd. Die meisten hätten ohnehin damit gerechnet, und sähen es sehr positiv, „dass sich niemand riesig umstellen muss“. Überhaupt freue er sich auf die weitere Arbeit mit dem Team und sei froh über die vielen sehr engagierten Ehrenamtlichen, „die die Gemeinde tragen“. Generell sei die Erwartung, „das alles weiterzuführen, was der Münsterpfarrer gemacht hat“, so Jasper. Nun müsse er nur schauen, „dass das mit den begrenzten Ressourcen zu handeln ist“.

Ob der Pfarrverweserstelle eine zweite Kaplansstelle folgt, vermag er nicht zu sagen. „Da müsste man den Erzbischof fragen“, so Jasper. „Aber ich rechne nicht damit.“ Klar ist auf jeden Fall, dass er der Gemeinde Sankt Martin erhalten bleibt. Die Zusage, die nächsten zwei Jahre nicht versetzt zu werden, hat er in der Tasche.

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