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Kommentar zum Bonner Münster: Nachfolger gesucht

Kommentar zum Bonner Münster : Nachfolger gesucht

Das Erzbistum muss schnell einen Nachfolger für Stadtdeachant Wilfried Schumacher finden, meint GA-Redakteurin Bettina Köhl. Auf diesen wartet eine schwere Aufgabe.

Insgesamt sechs eigene Gemeinden plus eine Münsterpfarre und ein Stadtdekanat – das ist viel Arbeit für zwei Pfarrer und kann wirklich nur eine Übergangslösung sein. Das Erzbistum muss sich umgehend an die Nachfolgersuche für Wilfried Schumacher machen. Der neue Stadtdechant wird kein leichtes Amt übernehmen, denn zwischen Teilen der Stadtgesellschaft und dem Erzbistum klafft zurzeit ein tiefer Graben.

Das zeigt sich schon daran, dass die Unterstützer-Petition für Wilfried Schumacher in wenigen Tagen mehr als 1300 Unterschriften bekommen hat. Die Unterzeichner, darunter viele bekannte und einflussreiche Bonner, erheben schwere Vorwürfe gegen den Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, der ein „Klima der Angst“ herbeigeführt habe. Diese Kluft zu überwinden, wird keine leichte Aufgabe für den Nachfolger sein.

Dass die Interims-Münsterpfarrer jetzt auf die Menschen schauen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern rund ums Münster ihr Vertrauen aussprechen, ist gut und richtig. Doch es wird bald auch darum gehen, auf die Zahlen zu schauen, um genau zu wissen, wie hoch der Schaden durch die Finanzaffäre wirklich ist. Interessanterweise hat noch niemand zu einer Spendensammlung unter den Schumacher-Fans aufgerufen, um die leere Kasse der kleinen Innenstadtgemeinde wieder aufzufüllen.

Die Petition suggeriert, das Münster müsse jährlich mit 30 000 Euro aus Kirchensteuern auskommen. Da erscheint es ziemlich schwach, dass auch das Erzbistum offenbar nicht sagen kann, wie viel Geld tatsächlich nach Bonn fließt und nur von „deutlich im sechsstelligen Bereich“ spricht. Die Fakten müssen schnell auf den Tisch. Nur Offenheit kann verlorenes Vertrauen wieder herstellen.