Festival in Bonn Mit Nachhaltigkeit gegen den Klimawandel

Bonn · Das Nachhaltigkeitsfestival der Stadt auf dem Bonner Münsterplatz lockte zahlreiche Gäste an. Vor Ort konnten sich Besucher über die Initiative Baumwächter, über Frauenrechte in globalen Bekleidungsindustrien oder auch über die Möglichkeit zur Reparatur alter Elektrogeräte informieren.

Modenschau mit den Bonner Labels und Geschäften Alma & Lovis, Kiss the Inuit, La Creole und Maas Natur.

Modenschau mit den Bonner Labels und Geschäften Alma & Lovis, Kiss the Inuit, La Creole und Maas Natur.

Foto: Emre Koc

Enormer Andrang auf dem Bonner Münsterplatz: Auf der Bühne ertönt der besinnliche Klang des Kinder- und Jugendchors vom Theater Bonn. Sie singen „Carol of the Bells". Doch das Thema ist wenig besinnlich, vor allem angesichts des Klimawandels, dessen soziale und ökologische Problematiken beim alljährlichen Nachhaltigkeitsfestival, zu dem die Stadt eingeladen hat, eine zentrale Rolle spielen. Oberbürgermeisterin Katja Dörner beendet ihre Rede mit den Worten: „Es geht nicht um Ideen, sondern um ganz konkrete Projekte.“ Gemeint sind damit die mehr als 40 Gruppen, die ihre Arbeit vorstellen.

Abseits der Bühne steht eine Menschentraube, vor allem interessierte Kinder, an der Beethovenstatue und bestaunt einen orangefarbenen Roboterarm. Mit einem Controller sollen sie einen Tannenzapfen auf dem Tisch in einen Topf befördern. „Uns ist aufgefallen, dass es den Bäumen immer schlechter geht, und wir wollen darauf aufmerksam machen. Der durch den Klimawandel verursachte Hitzestress setzt den Bäumen sehr zu", erklärt Andreas Theves von der Initiative Baumwächter, die dem Bonner Aktionsbündnis „Stadtgrün erhalten" angehört.

„Das Thema Nachhaltigkeit und Klima erwirkt ein steigendes Interesse. Mittlerweile wird man ja überall damit konfrontiert. Aber den Leuten fehlt meistens noch das konkrete Wissen darüber, was genau die Probleme sind." Sonderpädagoge Theves kritisiert auch, dass die Stadt aus seiner Sicht zu viele Bäume fälle: „Wie soll man eine alte Buche, die etwa 600.000 Blätter hat, mit Jungbäumen ersetzen?" Theves meint, dass die Stadt viel mehr Grünflächen errichten sollte, um dem Dürreproblem entgegenzuwirken. „Wir sind zwar unangenehm mit unserer Meinung, aber nur so machen wir auf die Probleme aufmerksam" fügt er noch hinzu.

Ein Stück weiter befindet sich ein Stand mit azurblauen Bannern, auf denen „Starke Frauen. Faire Arbeit" steht. Nicht nur die Farbe deutet auf Übersee: „Wir setzen uns für Frauen- und Arbeitsrechte in globalen Bekleidungsindustrien ein. Unser Fokus liegt auf Südostasien, wo die meisten Produktionsstätten der westlichen Firmen ansässig sind. Dort sind die Missstände besonders groß", fasst Sabine Kaldonek des Vereins Femnet zusammen.

Sie sagt, dass den Menschen nachhaltige Mode immer wichtiger werde: „Immer mehr Menschen kommen auf uns zu und wollen Tipps." Die Stadt Bonn sei ihrer Meinung nach auf einem ganz guten Weg, was Nachhaltigkeit betrifft. Ein gemeinsames Pilotprojekt mit dem Amt für Umwelt und Stadtgrün gebe es schon. Infolgedessen werde dort nun nachhaltige Berufskleidung getragen. „Der Textil-Einkauf von Städten nimmt einen immensen Anteil am globalen Markt ein. Die Stadt Bonn sollte dieses Projekt auf weitere Ämter ausdehnen."

Am Stand der Bonner „Repair Cafés" und des „MakerSpace" herrscht Getümmel. Fleißig arbeiten die Ehrenamtlichen an verschiedensten Geräten und bringen sie wieder zum Laufen. „Mit Reparieren statt Wegwerfen kann eine Menge Müll vermieden werden. Zu uns kommen allerlei Menschen: manche aus Nostalgie, andere können sich keine neuen Geräte leisten", sagt Ingenieur Martin Stegmeyer. „Viele haben gar nicht auf dem Schirm, dass man Ersatzteile einfach nachbestellen kann. Ein Neukauf ist in den meisten Fällen zunächst nicht nötig." Alle Helfer arbeiten ehrenamtlich, mit einer Spendenbox sollen neue Werkzeuge finanziert werden.

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