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WCCB-Prozess in Bonn: Naujoks im Zeugenstand

WCCB-Prozess in Bonn : Naujoks im Zeugenstand

Seit November vergangenen Jahres sitzt der frühere Bauchef des World Conference Center Bonn (WCCB) Young-Ho Hong vor der 7. Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts auf der Anklagebank. Friedhelm Naujoks, Ex-Chef des Städtischen Gebäudemanagements und damals auch zuständig für das WCCB-Controlling, war am Dienstag als Zeuge geladen.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft im WCCB-Prozess III: Hong soll die Baukasse geplündert haben. Der Schaden beläuft sich laut Anklage auf fast vier Millionen Euro.

Das Verfahren gegen den 64-jährigen Ingenieur Naujoks und zwei seiner früheren Mitarbeiter war auf Vorschlag des Gerichts noch vor Prozessauftakt gegen Zahlung von Geldauflagen eingestellt worden. Naujoks musste 15 000 Euro zahlen sowie seine Anwaltskosten von 30.000 Euro selbst übernehmen. Der Rat hatte eine von der Verwaltung vorgeschlagene Kostenübernahme abgelehnt.

Am gestrigen Prozesstag ging es noch einmal im Wesentlichen um die Frage, wie Naujoks und seine Mitarbeiter die WCCB-Rechnungen geprüft haben, oder ob sie diese, wie es auch im WCCB-Bericht des Rechnungsprüfungsamtes dargestellt ist, größtenteils einfach durchgewunken haben. Laut Staatsanwaltschaft soll Hong unter anderem Rechnungen doppelt gestellt oder Rechnungen ohne Gegenleistung eingereicht haben. Naujoks, der Hong keines Blickes würdigte, berichtete von einem mit der Stadt und der Sparkasse Köln-Bonn „abgesprochenen Controllingsystem, nach dem wir die die Belege stichprobenartig geprüft haben“.

Sichtlich unzufrieden wirkte Staatsanwalt Oliver Hefele, als Naujoks auf Fragen zu den 2007 an Hong ausgezahlten 2,04 Millionen Euro im Zusammenhang mit den Vorlaufkosten für das Projekt antworten musste. Diese Leistungen seien doch nur der Bauherrenfirma UNCC-GmbH des WCCB-Investors Man-Ki Kim zuzurechnen gewesen, meinte der Ankläger, eine Gegenleistung Hongs habe nicht zugrunde gelegen. Diese Leistungen habe die UNCC formal erbracht, entgegnete Naujoks, doch dabei habe sie sich auch anderer bedient. „Es sprach damals nichts dagegen, es so zu handhaben.“ Zumal auch der damalige WCCB-Projektleiter Arno Hübner dafür plädiert habe, das Geld an Hong zu überweisen – damit es im Bauprojekt bleibe.

Auf die Frage des Strafkammervorsitzenden Jens Rausch, ob er zu dem Zeitpunkt gehört habe, dass Kim Geld für andere Projekte abziehen wollte, sagte Naujoks: „Das habe ich erst viel später erfahren.“ Ein anderer Zeuge hatte dem Gericht vergangene Woche berichtet, im Sommer 2007 sei klar gewesen, dass Kim überall auf der Suche nach neuem Geld für seine Libyen-Projekte gewesen sei. Als einer der Hong-Anwälte nachfragte, ob Naujoks über dubioses Geschäftsgebaren Kims informiert gewesen sei, antwortete der, nichts gewusst zu haben. „Ich hatte nur wenig Kontakt zu ihm.“

Naujoks, der heute in Detmold lebt, war 2010 vom damaligen OB Jürgen Nimptsch von seinem Posten als SGB-Chef entbunden worden. Nachdem anschließend zwei Kündigungsversuche wegen anderer Vorwürfe gegen Naujoks vor Gericht gescheitert waren, trennten sich die Stadt und Naujoks 2015 gegen Zahlung einer Abfindung von 110.000 Euro. Sein Jahressalär als SGB-Chef war 2007 für das WCCB-Controlling um 25.000 auf 175.000 Euro angehoben worden.