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Deutsche Telekom: Netzumstellung auf Internet führt zu Kündigungen

Deutsche Telekom : Netzumstellung auf Internet führt zu Kündigungen

Der Beueler Achim Haffner war im Sommer sehr verwundert, als er einen Brief der Deutschen Telekom aufmachte. Darin legte ihm das Bonner Unternehmen eine Vertragsumstellung nahe, ansonsten müsse der Vertrag mit Haffner gekündigt werden.

So wie dem Beueler geht es derzeit vielen Kunden der Telekom. Mehrere Zehntausend Kunden in 53 deutschen Städten haben bereits ein solches Schreiben mit Androhung der Zwangskündigung erhalten. 300.000 sollen es in einer ersten Welle werden. Hinter dem Bestreben steckt ein handfestes Investitionsvorhaben.

Bis 2018 will das Bonner Unternehmen das analoge Telefon-Festnetz abschalten und auf internetbasierte Technik umsteigen. Internet, Fernsehen und Telefon sollen über die gleiche Leitung übertragen werden, deren Übertragung auf dem sogenannten Internet Protokoll (IP) beruht. Das Telefon läuft damit nicht mehr über ein eigenes Frequenzband, sondern über das, über das auch Internetdaten übertragen werden.

Bei den ersten Kunden ist die Kündigung auch bereits wirksam geworden, berichtet Telekom-Sprecher Markus Jodl. Zuvor seien sie dreimal angeschrieben worden. Das Vertragsende hätten die Kunden schlicht daran gemerkt, dass das Internet nicht mehr funktioniert und sie über Telefon nur Notrufe absetzen sowie die Telekom-Hotline erreichen konnten. "Das sind aber nur Einzelfälle", so Jodl. Die meisten Kunden hätten auf die Anschreiben reagiert und die Umstellung auf einen IP-gestützten Anschluss mitgemacht. Zahlen, wie viele Kunden sich lieber einen neuen Anbieter gesucht hätten, will er nicht nennen. Es seien aber nur wenige.

Hinter den Kündigungen steckt der Plan der Telekom, das Netz über die Vectoring-Technik schneller zu machen. Dabei werden nur die Kabelverzweiger per Glasfaser angebunden, die Haushalte bleiben per Kupferleitung verbunden. VDSL-Vectoring soll eine Downloadgeschwindigkeit von 100 Mbit pro Sekunde ermöglichten. Ziel der Telekom ist es, bis Ende 2016 den die Abdeckung bei VDSL von zwölf Millionen auf 24 Millionen Haushalte zu erhöhen.

Von den Kündigungsdrohungen betroffen sind derzeit vor allem Kunden, in deren Umgebung das Netz bereits auf VDSL hochgerüstet war und jetzt noch mal ausbaut wird. Wer einen DSL-Anschluss hat, muss nach Angaben von Unternehmenssprecher Jodl erst ab 2017 damit rechnen, vom Unternehmen angeschrieben zu werden.

Wer lediglich einen einfachen analogen Telefonanschluss bei der Telekom hat, muss auch langfristig nichts ändern, wenn er nicht will. Bei diesen meist älteren Kunden will die Telekom, so Jodl, in den Vermittlungsstellen spezielle Karten nutzen, die das Telefonsignal bereits dort umwandeln.

Die Umstellungswelle und neue Vertragsmodelle führen derzeit dazu, dass bei der Telekom pro Woche 60.000 Kunden und damit weit mehr als sonst umgestellt werden. Das, so Jodl, sei der Auslöser für die Häufung von Problemen, bei denen Kunden über wochenlange Nichterreichbarkeit oder Abstimmungsprobleme mit dem von der Telekom eingesetzten Technikern beschweren.

Dass es sich um ein vorübergehendes Problem mit Technikern handele, dem widerspricht der Telekommunikationsexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Thomas Bradler: Vertragsumstellungen seien in der Telekommunikation oft noch mit Stolpersteinen behaftet. "Immer wenn ein Techniker erforderlich ist, wird es problematisch", so Bradler.

Telekom-Kunden, die die Umstellung auf einen IP-gestützten Anschluss mitmachen, brauchen unter Umständen einen neuen Router, weil der alte die neue Technik nicht unterstützt. Den können sie entweder kaufen oder vom Unternehmen mieten. "Ich würde mich immer für die Miete entscheiden", sagt Jodl. Für 4,95 Euro im Monat sei so sicher gestellt, dass die Technik auf dem neuesten Stand bleibe.

Der Begriff IP-Telefonie ist dem Branchenverband Bitkom zufolge zu unterscheiden von Internettelefonie-Applikationen. Gespräche von IP-basierten Telefonanschlüssen werden technisch zwar über das Internet-Protokoll abgewickelt, der Telefon-Anbieter leitet die Gespräche aber in seinem Netz weiter und könne so grundsätzlich die Sprachqualität und Sicherheit garantieren. Bei Internettelefonie-Apps wie Skype oder Facebook sei dies anders: Hier werden die Gespräche über das öffentliche Internet verschickt.

Achim Haffner aus Beuel hat sich entschieden, auf die Umstellung einzugehen: "Das gleiche Paket an Leistungen, das ich bislang habe, wird für mich günstiger." Jetzt will er einen Termin mit dem Telekom-Techniker ausmachen. Und hofft, dass er nicht zu den Kunden gehört, bei denen die Abstimmungsprobleme auftauchen.