Nah bei den Leuten Neue Bezirkspolizistin für Kessenich will Ängste abbauen

Kessenich · Nach mehr als 20 Jahren im Wach- und Wechseldienst freut sich Polizeihauptkommissarin Michaela Bartz in ihrer neuen Position besonders auf eins: Zeit und Ruhe für Gespräche mit den Menschen. Seit Januar ist sie als Bezirksdienstbeamte in Kessenich unterwegs.

 Michaela Bartz ist die neue Bezirksdienstbeamtin der Bonner Polizei für Kessenich.

Michaela Bartz ist die neue Bezirksdienstbeamtin der Bonner Polizei für Kessenich.

Foto: Meike Böschemeyer

Mehr als 20 Jahre lang war Polizeihauptkommissarin Michaela Bartz in der Hektik des Wach- und Wechseldienstes für die Duisdorfer Polizeiwache unterwegs. In ihrer neuen Position als Bezirksdienstbeamtin geht es ruhiger zu. Das fängt beim Dienstfahrzeug an: E-Bike statt Streifenwagen. „Man ist viel mobiler. Und ohne den Kasten von einem Auto um sich herum ist man viel mehr Ansprechpartner“, sagt Bartz. Auf ein großes Plus im neuen Job freut sie sich besonders: mehr Zeit für das Gespräch mit den Leuten.

Wie kürzlich mit einer älteren Dame, die große Angst vor einem Einbruch hatte, weil Nachbarn vor dem Haus einen Mann mit Handy gesehen hatten. Bartz erzählt, sie habe dann ermittelt, dass es ein Pizza-Bote war, der die richtige Hausnummer suchte. Genau so ein Ansprechpartner vor Ort sollen die Bezirksdienstbeamten der Bonner Polizei sein, von denen es einen pro 10.000 Einwohner gibt. Sie sichern auch mal Schulwege und Veranstaltungen, ermitteln oder vollstrecken Haftbefehle im Bezirk.

Bartz übernimmt in Kessenich die Nachfolge von Harald Brandt, der nach mehr als 40 Jahren im Polizeidienst in den Ruhestand gegangen ist. Die gebürtige Bonnerin absolvierte ihre Polizei-Ausbildung in Brühl Anfang der 1990er Jahre. Nach einer Station in der Bonner Einsatzhundertschaft kam sie 1999 zur Duisdorfer Polizeiwache, die sich um weite Teile des Hardtberger Stadtbezirks sowie Alfter kümmert.

Bartz‘ erster Eindruck von Kessenich ist positiv: „Es ist ein sehr schöner Bereich. Hier gibt es ein gut funktionierendes Ortsleben, sehr viele Vereine, die ich alle schon kennenlernen durfte während der Karnevalszeit.“ Ihr Büro hat sie in der Wache auf der Bornheimer Straße, aber 80 Prozent ihrer Zeit ist sie auf der Straße unterwegs. Die Einkaufszone um die Pützstraße ist ein wichtiger Ort, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen. „Die Geschäftsleute sind froh, dass hier wieder jemand anzutreffen ist, der hier täglich entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist“, sagt Bartz. Auch an Schulen und Kindergärten habe sie sich bereits vorgestellt. Dass die Vertretungen in der Übergangszeit zwischen dem Ruhestand ihres Vorgängers und ihrem Start im Januar seltener vor Ort waren, sei einigen Leuten aufgefallen.

Zeit für Aufklärung über Betrugsmaschen

„Auch wenn ich noch gar nicht so lange da bin, erkennen die Leute mich“, sagt Bartz. Bei der Nähe zu den Menschen sei auch eine gewisse Vorsicht wichtig: „Da muss man ein bisschen Fingerspitzengefühl haben, dass man auch immer Abstand wahrt. Man ist natürlich für jemanden eher greifbar.“ In Kessenich werde das Angebot der Bezirksdienstbeamtin insgesamt sehr gut angenommen, von allen Altersgruppen. Im Ort lebten neben jungen Familien oder Studenten auch viele ältere Alleinstehende, die man auch über Betrugsmaschen aufklären müsse. Für solche Gespräche sei im Wachdienst kaum Zeit. Und manche Menschen hätten wegen des Zeitdrucks wiederum das Gefühl, von der Polizei nicht ernstgenommen zu werden.

„Ich möchte durch meine Präsenz ein Sicherheitsgefühl bei den Leuten erwirken und vielleicht auch dem einen oder anderen die Angst vor der Polizei nehmen“, sagt Bartz. „Es gibt ja auch Eltern, die sagen: ‚Benimm dich, sonst kommt die Polizei.’“ Das Kind sollte stattdessen lernen, dass die Polizei hilft, wenn es Probleme gibt. Die Berührungsängste mit der Polizei sind für Bartz spürbar: „Es gibt ja auch Leute, die bewusst weggucken.“ Da helfe es aber, direkt und langsamer mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs zu sein.

Wer einen Überblick über alle Bezirksbeamten in Bonn haben möchte, findet sie unter Regionale Bezirksdienste auf der Internetseite bonn.polizei.nrw.

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