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Neue Bilder für die christliche Ikonografie

Neue Bilder für die christliche Ikonografie

„Nicht rückwärtsgewandt, sondern gegenwartsbezogen und zukunftsfreudig“ möchte die evangelische Lutherkirchengemeinde in der Südstadt das 500-jährige Reformationsjubiläum ihres Namensgebers Martin Luther begehen.

„Wir wollen zeigen, dass wir als Gemeinde unseren Glauben aktiv leben. So wie Luther das vor 500 Jahren gezeigt hat. Wir wollen Anstöße geben und zum Nachdenken ermuntern“, sagt Pfarrerin Ulrike Veermann. Gemeindemitglieder haben zusammen mit Presbyter Theo Nürnberg das Konzept entwickelt, Bonner Wissenschaftler und Künstler einzuladen und mit der Frage zu konfrontieren, was Reformation und Martin Luther heute bedeuten.

Die Veranstaltungsreihe soll die Bedeutung der Reformation für Kunst, Medizin, Philosophie, Justiz, Politik und Ethik aufzeigen und nicht zuletzt auch deutlich machen, was die katholische Kirche heute zu Luther zu sagen hat.

Den Anfang der Vortragsreihe machte Christoph Schreier, „der stellvertretende Direktor meines Lieblingsmuseums“, wie ihn Theo Nürnberg im Gemeindezentrum der Lutherkirche begrüßte, um dann zu ergänzen, dass es sich für ihn bei dem Bonner Kunstmuseum das „schönste Museum weltweit“ handele. Schließlich sei es dort oft nicht so voll, und man könne gut zu sich selber kommen.

Schreier belegte mit vielen Bildbeispielen seine These, dass erst durch Luther eine „Freisetzung der Kunst“ stattfinden konnte. Die Kunst könne durch diese Befreiung nicht mehr auf die christliche Ikonografie zurückgreifen, auch wenn den Besuchern in Kirchen immer wieder dieses „Archiv von Zeichen“ begegne.

Er befürchte, dass die Menschen diese Bilder auf Dauer nicht mehr erreichen würden und man nach neuen suchen müsse, um den christlichen Glauben zu transportieren. So war es für Schreier selbstverständlich, dass der 2013 entstandenen großformatigen Arbeit von Thomas Rentmeister, „Classic No. 2“, die im Bonner Kunstmuseum zu sehen ist und unzählige Buntstifte zeigt, die in die Leinwand hineingedrückt sind, ein christliches Motiv zugrunde liegt. Ihn erinnere das Bild an Darstellungen des von Pfeilen durchbohrten Hl. Sebastian. Es sei eines der Lieblingsmotive der Renaissance-Maler gewesen, da sie die Schönheit des nackt an einen Baum gebundenen Körpers im Sinne der Wiederentdeckung der Welt darstellen konnten. So stecke auch in dem Rentmeister-Werk die Botschaft des „Triumphs des Glaubens über den Schmerz“. Mit der Überlegung, Rentmeister einmal zu fragen, ob ihm diese christliche Anlage bewusst war, gab Schreier auch seinen Zuhörern eine Denkaufgabe mit auf den Weg.