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Gewerbeansiedlung in der Region Bonn: Neue Perspektiven für Unternehmer

Gewerbeansiedlung in der Region Bonn : Neue Perspektiven für Unternehmer

Die Region entwickelt Ideen, wie Kosten für und Erlöse aus Gewerbeansiedlungen aufgeteilt werden können. „BonnUmland – sharegion: Teilen und Tauschen als Handlungsprinzip“ lautet das Motto der Überlegungen.

Beiderseits der Grenze zwischen Troisdorf und Niederkassel sollte eigentlich schon lange ein Gewerbegebiet stehen. Doch während die Pläne in Troisdorf größtenteils umgesetzt worden sind, hakte es in Niederkassel lange daran, dass die Stadt die Grundstücke nicht kaufen konnte.

Ein typisches Problem, wenn zwei Kommunen Pläne machen für einen eng begrenzten Raum auf beiden Seiten ihres Gebietes. Wie Städte auf ein solches Problem flexibler reagieren können, das durchdenken derzeit Vertreter Bonns, des Rhein-Sieg-Kreises und von 13 Kreiskommunen zwischen Swisttal und Hennef sowie Niederkassel und Wachtberg.

Gemeinsam haben sie sich am Landeswettbewerb „StadtUmland.NRW“ beteiligt – und ein Konzept entwickelt, das die Jury in Düsseldorf überzeugt hat. „BonnUmland – sharegion: Teilen und Tauschen als Handlungsprinzip“ heißt das Motto des Beitrags. Landesweit gab es insgesamt 13, acht kommen nun zum Zug.

Unternehmen suchen Grundstücke

„Bonn hat beispielsweise wenige verfügbare Gewerbeflächen“, sagt Planungsamtsleiter Michael Isselmann, aber zahlreiche Nachfragen von Unternehmen nach Grundstücken. Bornheim und Rheinbach dagegen hätten weit mehr potenziell geeignete Flächen.

Die Lösung des Problems könnte darin liegen, dass Bonn die Interessenten liefert, Bornheim und Rheinbach die Flächen und man gemeinsam einen Vertrag darüber abschließt, wie Erschließungskosten und Gewerbesteuereinnahmen aufgeteilt werden. „Der Vorteil eines solchen Projektes wäre, dass es nicht an einer gemeinsamen Grenze liegen müsste“, fügt Bonns Stadtbaurat Helmut Wiesner hinzu. Er spricht im Konjunktiv, denn noch gibt es nur Ideen, aber keine konkreten Projekte.

Die sollen in den Arbeitsgruppen erst entwickelt werden. Neben den Fragen, wo Gewerbe- und Wohnflächen entstehen können, soll auch das Problem des Verkehrs betrachtet werden. Es gehe um Pendlerrouten zum Beispiel für Radfahrer oder den öffentlichen Nahverkehr, sagt Stadtplanerin Jeannette Wagner. Konkret auf Bonn und Rheinbach bezogen, könnte es um eine weitere Taktverdichtung auf der Linie der S 23 gehen, ergänzt der Stadtbaurat.

Wachtbergs Beigeordneter Jörg Ostermann will noch weiter. Selbst an diesem Montag habe er Richtung Bonn im Stau gestanden. „Wir müssen auch an neue Verkehrswege denken.“ Zu prüfen, ob Venusbergtunnel und Ennertaufstieg sinnvoll seien, sei ebenso wichtig.

Erste Ideen bis April

Widerspruch von Wiesner: Bei der Bearbeitung der Konzepte im Rahmen des Wettbewerbs werde das sicher kein Thema sein. Dass diese Arbeit einen Beitrag liefern könnte, um sich möglicherweise später in Richtung einer Städteregion Bonn – ähnlich wie Aachen – zu bewegen, schließen die Planer aus Bonn und dem Kreis aus.

„Wichtiger ist uns, Konkretes umzusetzen und nicht derzeitige Strukturen zu ändern“, sagt Wiesner. Der Königswinterer Wirtschaftsförderer Andreas Pätz betont die freiwillige Zusammenarbeit zwischen den Kommunen, die womöglich bessere Ergebnisse liefere als in engen kommunalen Strukturen. Bis April wollen die Vertreter der Kommunen und des Kreises erste Ideen für bestimmte Gebiete entwickeln.

In den Arbeitsgruppen sind Planer, Wirtschaftsförderer, Kämmerer und Beamte vertreten, die eher die Belange des Naturschutzes im Auge haben. Die Vertreter von Troisdorf und Niederkassel müssen dabei sogar doppelte Arbeit leisten, denn beide Städte sind auch Teil des erfolgreichen Wettbewerbsbeitrags „Raumperspektive 2035“ im rechtsrheinischen Köln und Umgebung.