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Neuer Bischof: Serbisch-orthodoxe Gemeinde in Bonn wächst

Nach 15 Jahren ohne Pfarrer : Serbisch-orthodoxe Gemeinde in Bonn wächst

Nach 15 Jahren ohne Pfarrer hat die Serbisch-orthodoxe Gemeinde in Bonn unter Erzpriester Slavenko Savic wieder Zulauf. Gottesdienste feiern die Gläubigen in der Sankt Augustiner Krypta der Steyler Mission.

Es war ein feierlicher Gottesdienst, den die Bonner Serbisch-orthodoxe Gemeinde in der Krypta der Steyler Mission in St. Augustin beging. Selbst Bischof Grigorije Duric, das Oberhaupt der Serbisch- Orthodoxen für Deutschland, war gekommen, um die Liturgie mit dem hiesigen Erzpriester Slavenko Savic zu leiten. Danach lauschte die vielköpfige Gemeinde den Kindern, die Gedichte vorbereitet hatten. Ihre blumenbekränzten Ikonen, die orthodoxe Christen vor und nach jedem Gottesdienst küssen, hatte die Gemeinde in der St. Augustiner Krypta aufgestellt.

Die Mission gewährt den Serbisch-Orthodoxen hier aktuell Unterschlupf. „Wir sind der Missionszentrale sehr dankbar dafür und hoffen, dass wir auch weiter bleiben können“, sagte Erzpriester Savic. „Wir warten dieser Tage auf die Antwort unserer Gastgeber.“

Der 50-Jährige wurde 2017 aus Würselen in den Bonner Raum entsandt, um hier die Gemeinde neu zu errichten. Sie war nach dem Wegzug der Diplomaten nach Berlin verwaist geblieben. Bis Ende 2016 kam nur einmal im Monat ein Priester aus Köln in die Bundesstadt. „Das heißt, die Gemeinde war über 15 Jahre so gut wie ohne Priester“, erläutert Savic, der seitdem Aufbauarbeit leistet.

120 Familien aus Bonn und der Region sind Teil der Gemeinde

Gut 120 Familien aus Bonn und der Umgebung seien der feste Kern der wachsenden Gemeinde. Zum Sonntagsgottesdienst kämen im Schnitt 60 Besucher. Zu besonderen Feiertagen wie dem Fest des heiligen Sava am Sonntag finde dann natürlich nicht jeder Platz in der Krypta der Steyler Mission. „Aber trotzdem sind wir froh, dass wir einen Kirchraum und einen zusätzlichen Raum mit Toilette nutzen können, die beheizt sind“, sagte der Pfarrer.

Die Gemeinde war zuvor in der Sankt-Venantius-Kapelle in Röttgen untergekommen, die die katholische Pfarrgemeinde Sankt Maria Magdalena und Christi Auferstehung zur Verfügung gestellt hatte. „Dafür danken wir der Gemeinde nochmals“, so der Erzpriester. Man habe die unbeheizte Kapelle aber verlassen müssen, weil sie unter Denkmalschutz steht und dringend renoviert werden musste. Der Partnergemeinde der Serben, den Russisch-Orthodoxen, war 2017 gelungen, in Bad Godesberg aus der winzigen Krypta unter der katholischen St. Augustinus-Kirche in die stattliche, vormals evangelische Marienforster Kirche, nun Heilige-Elena-Kirche, zu ziehen und sie samt Anbau sogar zu kaufen.

Soweit ist die serbische Partnergemeinde noch nicht. „Wir haben aber auch viele junge Familien in der Gemeinde, wir wachsen also“, so der Pfarrer. Die Gottesdienste laufen zu 90 Prozent in Serbisch. Die Lesung des Evangeliums und das Vaterunser werden aber Deutsch gesprochen. Hochzeiten und Taufen für die zahlreichen deutsch-serbischen Paare können Deutsch oder Serbisch gehalten werden, so Savic. All das sei vom neuen Bischof Grigorije Duric eingeführt worden, der am Sonntag in St. Augustin mit zelebrierte. Er ist seit 2018 geistliches Oberhaupt für bundesweit Hunderttausende serbisch-orthodoxe Christen. Der 51-Jährige gilt als proeuropäisch und ökumenisch engagiert. „Er hat frischen Wind in unsere Kirche gebracht“, meint Erzpriester Savic.