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Kommentar zum Betrugsverdacht gegen Stölting: Nicht ganz sauber

Kommentar zum Betrugsverdacht gegen Stölting : Nicht ganz sauber

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugsverdachts gegen die Stölting Service Group aus Gelsenkirchen. Unser Autor meint: Beim Städtischen Gebäudemanagement Bonn schnarcht man tief und fest.

Was die Reinigung der eigenen Gebäude angeht, bekommt die Stadt Bonn keine sauberen Lösungen hin. Seit Jahren gilt: beim Putzen nichts als Ärger. Immer wieder warnt die Gebäudereinigerinnung, dass die Leistungsvorgaben, mit denen die Stadt ausschreibt, unrealistisch sind. Die Angebote, die darauf von den Firmen kommen, funktionieren nach GA-Recherchen oft nur dann, wenn Reinigungskräfte unbezahlte Überstunden leisten – oder nicht gründlich genug arbeiten. Doch das Städtische Gebäudemanagement Bonn (SGB) beharrt auf den angeblich angemessenen Vorgaben.

Noch schlimmer der Fall Stölting: Da stellt der Konzern der Stadt über Monate hinweg zu hohe Rechnungen aus, und beim SGB schnarcht man tief und fest. Als der Skandal auffliegt, will die Stadtverwaltung die Angelegenheit dann auch noch mit einer Vergleichszahlung von 100.000 Euro an Stölting still und heimlich aus der Welt schaffen. Zum Glück scheitert sie damit am Widerstand der Ratsfraktionen.

Nach dieser üblen Erfahrung mit einem ortsfremden Großunternehmen hätte man vermuten können, dass Bonn bei der Neuausschreibung der Gebäudereinigung verstärkt auf regionale Firmen setzen würde – die schließlich einen Ruf in Bonn zu verlieren haben. Doch das SGB macht exakt das Gegenteil: Vergabelose und Ausschreibungsbedingungen sind so gestrickt, dass fast nur die Großen von außerhalb eine Chance haben. Proteste der Innung lässt man abtropfen. Ob das in den kommenden Jahren der Sauberkeit in Schulen und Kindertagesstätten dient, wird sich noch zeigen.

Verräterisch ein Satz, der vom zuständigen Stadtdirektor Wolfgang Fuchs stammt: Ziel sei auch ein „für die Stadt handhabbares Vertragswesen“. Ja, wenige Großbetriebe statt vieler kleiner Firmen machen es einfacher für die Stadtverwaltung. Das Vorgehen scheint aber auch das genaue Gegenteil von lokaler Wirtschaftsförderung zu sein.