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Nicht immer wirken die Warnschilder vor dem Baden

Unterschätzte Gefahr : Die Stadt Bonn warnt vor Schwimmen im Rhein

13 Schilder weisen am Rhein auf das lebensgefährliche Baden hin. Der Appell der Stadt an die Vernunft wird oft ignoriert.

„Ich würde mir nicht zutrauen, im Rhein zu schwimmen“, sagt Jutta Zietzlaff aus Buschdorf, die soeben am Rheinufer von Graurheindorf ein abkühlendes Vollbad genommen hat. Ihre Freundin Elvira Gräf ergänzt noch, dass Zietzlaff eine sehr gute Schwimmerin sei. Die beiden Rentnerinnen haben den Vormittag im Freibad verbracht und wollen nun, da es heute besonders heiß werden soll, den Rest des Tages noch am Rhein genießen. Sie sind überzeugt, dass der Rhein wegen der wenigen Schiffe, die in der Corona-Zeit dort gefahren sind, selten mit klarerem Wasser durch Bonn floss.

„Aber das ist jetzt schon fast wieder vorbei“, sagt Gräf. „Und trotzdem“, ergänzt Jutta Zietzlaff, „ist es doch naheliegend, dass wir noch an den Rhein gekommen sind, da die Freibäder zurzeit nur begrenzte Zeitfenster vergeben.“ Dann macht sie es sich auf ihrem auf den Rheinkieseln ausgebreiteten Strandtuch bequem.

Gräf schaut nachdenklich auf die badenden Kinder am Ufer, die sich juchzend über die anrollenden Wellen eines soeben vorbeigefahrenen Containerschiffes freuen. Nach einer Pause sagt sie: „Der Bruder meines Vaters ist unweit dieser Stelle im Rhein ertrunken.“ Während ihr Vater im Krieg als Kampfschwimmer ausgebildet war und sich von den Strudeln in die Tiefe ziehen ließ, um dann an anderer Stelle wieder aufzutauchen, wurden solche „Mutproben“ für den Bruder zum Verhängnis. Für sie sind die von der Stadt Bonn aufgestellten Schilder, dass das Baden im Rhein lebensgefährlich ist, allerdings kein notwendiger Hinweis.

„Das weiß man doch“, winkt auch Jonas (26) ab, der am Beueler Rheinufer gerade den Wellen entstiegen ist und seinen Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will. Dann gibt er wieder, was jedermann auch auf den Warnschildern lesen kann: Die Wellen der vorbeifahrenden Schiffe würden eine so starke Sogwirkung erzeugen, dass man nicht mehr dagegen ankäme. „Ich kenne mich aus und weiß, wo ich schwimme“, sagt er voller Überzeugung. Bei über 30 Grad Außentemperatur könne man ja schwer am Strand sitzen bleiben, so lautet sein Argument. Trotz der eigenen Gefahr und der Möglichkeit, für Kinder und Jugendliche ein gefährlich schlechtes Vorbild abzugeben, springt ihm seine Freundin bei. Sie erklärt, dass sie schon Kinder davon abgehalten habe, tiefer als bis zur Hüfte in den Rhein zu gehen.

Schilder an den meistgenutzten Uferstellen aufgestellt

Doch auch diese Empfehlung könnte für Nichtschwimmer schnell zum Verhängnis werden. Auf inzwischen dreizehn Schildern an den meist frequentierten Stellen des Rheins hat die Stadt Schilder aufgestellt, die an die Vernunft der Bürger appellieren, nicht im Rhein zu baden. „Achten Sie auf Ihre Kinder, damit der ‚Strandurlaub‘ am Rhein nicht mit einer Tragödie endet“, heißt es dort. Ein Verbot wird nur durch das kleine Piktogramm eines rot durchgestrichenen Schwimmers visualisiert. Oft werde unterschätzt, so die Erklärung der Stadt, dass die Grenze zwischen stehendem und fließendem Wasser nicht langsam verläuft, sondern unerwartet auftritt. Und dort, wo der Grund zur Fahrrinne steil abfällt, könne man sehr unerwartet den Boden unter den Füßen verlieren. Zudem werde mit fallendem Pegel die Grenze bis zur Fahrrinne immer geringer, und der Abstand zu den Schiffen schwinde sehr schnell.

Der Rhein fließt im Stadtgebiet Bonn mit einer Geschwindigkeit von etwa sechs Kilometern pro Stunde. Bei Hochwasser kann die Fließgeschwindigkeit nochmals deutlich steigen. Selbst geübte Schwimmer können dieser Strömung nicht lange standhalten.