1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Serie "100 Köpfe: Wir sind Bonn": Nishanti Perera: Offenes Ohr und ein frisches Curry

Serie "100 Köpfe: Wir sind Bonn" : Nishanti Perera: Offenes Ohr und ein frisches Curry

Die Schlange vor dem Imbisswagen auf dem Bonner Markt kann noch so lang sein - jeder Kunde bekommt von Nishanti Perera ein strahlendes Lächeln. Nisha wird sie von vielen genannt, und "Nisha's Wokmobil" heißt auch ihr Geschäft, dessen Geschichte man in einem Lehrbuch für Existenzgründungen abdrucken könnte.

Nishanti Perera war Bereichsleiterin einer Reinigungsfirma, sie hatte 70 Mitarbeiter. "Das war sehr anstrengend", sagt sie. Sie wurde krank und wusste, dass sie nach mehreren Operationen nicht mehr in den alten Beruf zurück konnte und wollte. Gekocht hatte sie schon früher, und so kam der Vorschlag von der Arbeitsagentur, sich mit einem kleinen Imbiss selbstständig zu machen. "Es war sehr schwer als Ausländerin, mit den ganzen Fragebögen und Anträgen", sagt die 44-Jährige rückblickend. Trotzdem hat es geklappt.

1988 ist Nisha Perera vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka geflüchtet. Sie und ihr Mann kennen sich schon aus der Heimat. Sie reisten als Flüchtlinge in die damalige Hauptstadt und blieben hier. "Bonn ist für ausländische Leute der beste Platz", ist Nishanti Perera überzeugt. Sie fühlte sich in der Stadt von Anfang an wohl. Es gab Arbeit, auch dank der vielen Botschaften. Landsleute erleichterten es den Pereras am Anfang, in der neuen Heimat Kontakt zu finden.

Seit Februar 2011 steht die 44-Jährige auf dem Bonner Wochenmarkt. Die Suche nach einem Ladenlokal hatte sie schnell aufgegeben. "Die Mieten waren so hoch." Bei einem Existenzgründer-Coaching entstand dann die Idee mit dem Imbisswagen. "Es gab Pommeswagen, Crêpeswagen, aber nichts passendes für mich", erzählt Nisha Perera. So wurde das Wokmobil eigens nach ihren Wünschen ausgestattet. Beim Gespräch mit der Bank kam dann der Vorschlag für den Standort: "Warum gehen Sie nicht auf den Bonner Markt?"

Ihr Tag beginnt morgens um Sechs. Kistenweise Gemüse muss geschnitten werden, denn die Zutaten kommen frisch in den Wok. Curry mit Lachs und Mango gehört zu den Lieblingsgerichten ihrer Kunden. "Die Leute fragen: Wo steht das im Internet? Aber Sie finden die Rezepte nirgendwo, außer in meinem Kopf", sagt die Köchin augenzwinkernd. Aus ihrer Heimat hat sie die ayurvedische Küche samt Gewürzen mitgebracht. Ein bisschen hat sie sich aber an das europäische Essverhalten angepasst. "Ich bin etwas sparsamer mit Chili." Nisha Perera liebt die Arbeit und geht herzlich mit den Kunden um. Auch wenn die Woks auf den Gasflammen dampfen, hat sie Zeit, ein paar Worte zu wechseln oder mit einem kleinen Jungen im Kinderwagen zu schäkern.

Die Kunden geben ihr das Gefühl, etwas Besonderes zu sein, sagt sie. Manche kommen mit Sorgen, Gedanken und Wünschen. "Ich weiß nicht was es ist. Meine Art. Die frische Luft. Das Essen. Man sagt ja: Essen tut der Seele gut." Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allem, die selbst schlecht gelaunte Besucher glücklich werden lässt.

Abends fährt die 44-Jährige ihr Wokmobil nach Duisdorf, wo sie mit ihrer Familie wohnt. Die Tochter ist 13, der Sohn 16 Jahre alt. Viel Zeit für Hobbys oder Sport bleibt nicht. "Wenn ich wirklich frei habe, bleibe ich zu Hause bei den Kindern", sagt sie. Den Schritt in die Selbstständigkeit hat sie nicht bereut. "Ich hatte sehr viel Mut. Dieser Mut hat mich weitergebracht."