Mehrere Wochen vor dem Fest Warum Bonner Supermärkte jetzt schon Schoko-Osterhasen verkaufen

Bonn · Bis Ostern ist es noch ein paar Wochen hin. Süßigkeiten zum Fest werden aber schon jetzt in den Bonner Supermärkten angeboten. Warum der Lebensmitteleinzelhandel das so macht und wie ein Handelsexperte die Strategie einordnet.

 Schon jetzt gibt es in Bonner Supermärkten Oster-Artikel zu kaufen.

Schon jetzt gibt es in Bonner Supermärkten Oster-Artikel zu kaufen.

Foto: Meike Böschemeyer

Im Regal der Rewe-Filiale in der Bonner Südstadt liegen noch die letzten Weihnachtspralinen. „Aktionspreis“ steht auf einem roten Schild darüber. Unweit davon befinden sich schon die ersten Oster-Aufsteller – gefüllt mit einer bunten Auswahl an Osterhasen, Ostereiern, Schokoladenmöhrchen und anderen Naschereien. Jetzt schon? Ähnlich wie die Schoko-Nikoläuse im Spätsommer, stehen auch die Osterartikel im Winter weit vor dem eigentlichen Fest in den Regalen.

„Es ist kurz nach Karneval. Wir haben Fastenzeit und von daher sehe ich nicht, dass wir jetzt schon Osterhasen kaufen müssen“, meint eine ältere Kundin, die gerade den Rewe in der Südstadt verlässt. Der Lebensmitteleinzelhandel sieht das scheinbar anders. Die Erfahrung zeige, dass die Nachfrage nach Schokohasen bereits kurz nach Weihnachten steige, so Johanna Krautwald, Pressesprecherin von Aldi Süd. Eine Mitarbeiterin des Lidl in Dransdorf sieht bislang eher eine geringe Nachfrage: „Die Leute kaufen noch nicht viel. Es geht erst langsam los.“ Auch Rewe bietet die Ostersüßwaren immer in der Woche nach Karneval in den Märkten an. Dieser Zeitpunkt habe sich seit Jahrzehnten nicht verändert, so Rewe auf GA-Anfrage.

Doch ist die Nachfrage tatsächlich schon so hoch? Die Bonner scheinen gespaltener Meinung zu sein. „Ich weiß nur, mit Geschenken soll man möglichst früh anfangen und deswegen habe ich eine positive Einstellung“, sagt ein älterer Mann zu den frühen Osterhasen. Neben ihm kommt gerade ein weiterer Kunde mit bunt bemalten Eiern aus dem Rewe.

Wirtschaftliche Gründe für frühe Platzierung der Oster-Artikel

Kai Hudetz, Geschäftsführer des Instituts für Handelsforschung Köln, sieht wirtschaftliche Gründe hinter den frühen Osterhasen. Jeder Supermarkt wolle sich einen Marktanteil sichern. Wenn im Lidl noch keine Schokolade liege, gingen die Leute zum nächsten Supermarkt. Diesen Verlust wolle natürlich kein Händler riskieren.

Unter den Bonner Verbrauchern findet sich dafür Verständnis: „Produzenten sollten natürlich auch die Möglichkeit haben, ihren Umsatz zu machen“, sagt ein junger Mann vorm Aldi in Dransdorf. Diese Strategie kann laut Hudetz aber auch zum Problem werden: Denn die Flächen der Supermärkte seien verkaufstechnisch optimiert. Für die Oster-Naschereien müssten andere Produkte Platz machen. Wenn jetzt noch niemand Osterhasen kaufen möchte, riskierten die Händler doppelte Verluste.

Generell scheint es sich aber um ein lukratives Geschäft zu handeln: 230 Millionen Osterhasen aus Schokolade wurden zum vergangenen Osterfest in Deutschland produziert, das geht aus einer Studie des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) hervor. Die Nachfrage ist offenbar groß. Denn fast die Hälfte davon wurde auch in Deutschland konsumiert.

Das Unverständnis der Konsumenten über die frühen Osterwaren verhindere den Kauf dieser zudem nicht, so Hudetz vom Institut für Handelsforschung. Im Gegenteil: Viele erlägen dem Reiz, sich doch frühzeitig mit den entsprechenden Produkten einzudecken. Die Regale in den Bonner Supermärkten bestätigen das: Viele Oster-Naschereien haben scheinbar schon einen Abnehmer gefunden.

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