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Nordfriedhof in Bonn: Rassistisch beleidigt und attackiert

Mutmaßliche Täter identifiziert : 58-Jähriger soll Frau auf Bonner Nordfriedhof attackiert haben

Ein Mann und eine Frau sollen sich auf dem muslimischen Gräberfeld des Bonner Nordfriedhofs über zwei betende Frauen lustig gemacht und später eine von ihnen körperlich attackiert haben. Die mutmaßlichen Täter haben sich inzwischen bei der Polizei gemeldet.

Ein Vorfall auf dem islamischen Gräberfeld des Nordfriedhofs beschäftigt den Staatsschutz der Bonner Polizei: Zwei 17 und 43 Jahre alte Frauen haben dort am Sonntag, 23. August, am Vormittag gebetet, als ein Mann und eine Frau an ihnen vorbeigingen und sich über die Frauen lustig machten. Die 43-Jährige, so schildert die Polizei, habe den Mann und die Frau daraufhin zur Rede stellen wollen. Daraufhin soll der Mann sie rassistisch beleidigt und am Eingangstor zu dem Gräberfeld später sogar körperlich attackiert haben.

Wie die 43-Jährige gegenüber der Polizei schilderte, habe er „die Tür gegen sie getreten“ und sie „gepackt und geschüttelt“. Verletzt wurde die Frau bei dem Angriff nicht. Nachdem die Polizei nach den beiden Personen gefahndet hatte, konnten diese inzwischen identifiziert werden. Wie die Polizei mitteilt, haben sie sich bei der Polizei gemeldet. Es handelt sich demnach um einen 58-jährigen Mann und eine 60-jährige Frau. Die Ermittlungen zum Ablauf des Geschehens dauern weiter an. Die beiden Verdächtigen sollen nun vorgeladen und gehört werden, teilte ein Polizeisprecher am Montag auf Anfrage mit.

Die Ermittler gehen nach Angaben eines Pressesprechers der Bonner Polizei von einer „politisch rechts motivierten Tat“ aus. „Wir ermitteln wegen des Verdachts der Körperverletzung und der Beleidigung“, hieß es.

13 politische rechts motivierte Straftaten in Bonn

Wie aus einer Antwort des NRW-Landtags auf eine kleine Anfrage der Grünen hervorgeht, hat es im ersten Halbjahr dieses Jahres 13 politisch rechts motivierte Straftaten in Bonn gegeben. In einem Fall handelte es sich um Körperverletzung, hinzu kommt jeweils ein Fall der Bedrohung, der Volksverhetzung und der Sachbeschädigung. In neun Fällen lagen Verstöße gegen das Verbot von Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen vor.

Das islamische Gräberfeld liegt am westlichen Ende des Nordfriedhofs. Es ist über Wege mit den anderen Bereichen des Nordfriedhofs verbunden, kann aber auch über ein eigenes Eingangstor betreten werden. Insgesamt gibt es zwei islamische Gräberfelder auf dem Nordfriedhof, wie die Stadt auf Anfrage mitteilt. Es sind demnach die einzigen beiden im Stadtgebiet. Die Bestattungsplätze auf den islamischen Gräberfeldern sind in Richtung Mekka ausgerichtet. „Muslime können sich auch auf allen städtischen Friedhöfen bestatten lassen“, teilt die Stadt mit. Allerdings sind die Gräber dort nicht unbedingt nach Osten ausgerichtet. Zu den weiteren Besonderheiten der Gräberfelder gehört, dass die Gräber in noch nie belegter Erde liegen und die Verstorbenen überwiegend im Leintuch beerdigt werden.

(ga)