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Nordfriedhof in Bonn: Stadt sperrt Friedhof nach Vandalismus ab

Gräber verwüstet : Vandalismus: Stadt Bonn sperrt Nordfriedhof nachts ab

Der Polizei liegen derzeit zehn Anzeigen zu Zerstörungen auf dem Nordfriedhof vor. Der Gärtnermeister hat aber mindestens 30 Gräber entdeckt, wo Blumen herausgerissen wurden. Die Stadt schließt mittlerweile nachts die Tore.

Christine Miebach ist traurig und wütend zugleich. „Mir kommen immer noch die Tränen, wenn ich nur daran denke“, sagt die Ex-Bonna. „Man fühlt sich so ohnmächtig, so hilflos.“

Regelmäßig kommt sie zum Nordfriedhof. Dort besucht sie das Grab ihrer Eltern, pflanzt Blumen und zündet Kerzen an. Mitte Mai erreichte sie dann ein Anruf von Gärtnermeister Michael Grieger. „Er hatte morgens gesehen, dass unser Grab vollkommen zerstört war. Die Blumen waren aus der Erde gerissen und die massive Lampe aus der Verankerung“, berichtet Miebach weiter. Nicht zum ersten Mal gab es mutwillige Zerstörungen an der Ruhestätte ihrer Familie.

„Schon einmal hatte man die Lampe zerstört und das flüssige Wachs überall verteilt“, erzählt sie weiter. „Aber jetzt ist die Situation eskaliert.“ Vandalismus ist derzeit offenbar ein großes Problem auf dem Nordfriedhof. Während die Stadt von 13 Zerstörungen spricht, ist die Dunkelziffer offenbar weitaus höher. Denn nicht alle Angehörigen wenden sich an Stadt oder Polizei.

„Nein“, sagt Gärtnermeister Grieger. „Es sind mehr Gräber betroffen. Ich habe sicher 30 bis 40 Ruhestätten gesehen, wo frisch gepflanzte Blumen herausgerissen wurden“, schildert er im GA-Gespräch. Manchmal seien es 15 bis 20 in einer Nacht. „Die Spur der Verwüstung zieht sich über den ganzen Nordfriedhof. „Es sieht oft so aus, als hätte man Fußball gespielt.

Zehn Anzeigen bei der Polizei

Bei der Bonner Polizei gingen bisher rund zehn Anzeigen ein. „Wir haben eine Häufung von Sachbeschädigungsdelikten auf dem Nordfriedhof festgestellt“, bestätigt auch Simon Rott von der Bonner Polizei. „Die Ermittlungen wurden zentral im Kriminalkommissariat 36 gebündelt. Wer Hinweise zu den bislang unbekannten Tatverdächtigen geben kann, sollte sich unter 0228-150 bei den Ermittlern melden“, bittet er.

Die Stadt hat mittlerweile Konsequenzen aus den Zerstörungen gezogen: „Der Nordfriedhof ist derzeit nachts abgeschlossen“, bestätigt Kristina Buchmiller vom Presseamt. Aktuell werde entschieden, wie lange das noch so beibehalten wird. Seit einiger Zeit ist der Zugang abends von 20 bis morgens um 8 Uhr nicht mehr möglich. Aber auch diese Maßnahme hat offenbar nicht die gewünschte Wirkung gehabt. „Erst vor wenigen Tagen wurde wieder eine große Blumenschale komplett zerstört“, ärgert sich Grieger. „Für die Angehörigen ist so etwas immer schrecklich“, ergänzt er. Zumal solche Taten nicht nur emotional schwer zu verkraften seien, sondern auch finanziell gingen sie ganz schön ins Geld.

Gärtner kontrolliert am Morgen

Friedhofsgärtner Michael Grieger dreht morgens meist in aller Frühe seine Kontrollrunden über den Nordfriedhof. „Seit einiger Zeit beobachte ich, dass sich dort nachts offenbar Gruppen treffen.“ Leere Flaschen sowie Drogenutensilien zeugten  davon. „Und angetrunken verlieren viele wohl ihre Hemmschwellen“, vermutet er. Nach Ansicht der Ex-Bonna wird man das Problem auf dem Nordfriedhof nicht allein durch das nächtliche Absperren der Haupttore in den Griff bekommen. „Man ist schnell über die Mauern geklettert“, meint Christine Miebach.

Metalldiebe machen auf ihrem Beutezug ebenfalls nicht Halt vor Friedhofstoren. Neben den Einfassungen von Grablichtern hatten sie es in der Vergangenheit auf Kupferabdeckungen an Trauerhallen, Regenrinnen oder Wasserhähnen abgesehen. Christine Miebach hat sich von dem Schock noch nicht wieder erholt. „Bisher habe ich das Grab nicht neu anlegen lassen. Ich habe noch nicht die Kraft dafür.“ Denn neben der Wut und der Ohnmacht müssen die Hinterbliebenen oftmals viel Geld ausgeben, um die Ruhestätte wiederherzurichten. „Ich schätze, dass mich das rund 300 Euro kosten wird“, überschlägt die Ex-Bonna.