Umzug ins Endenicher Kloster Stadt legt Plan für Umzug von Gedenkstätte und NS-Dokumentationszentrum vor

Bonn · Die Planung für die neue Gedenkstätte samt NS-Dokumentationszentrum in einem Nebengebäude des Endenicher Klosters werden konkreter. Auch eine Kostenschätzung liegt vor. Wie es nun weitergeht.

Seit 1995 ist die Gedenkstätte an der Franziskanerstraße zu Hause. Sie soll ins Endenicher Kloster umziehen.

Seit 1995 ist die Gedenkstätte an der Franziskanerstraße zu Hause. Sie soll ins Endenicher Kloster umziehen.

Foto: Horst Müller

Es geht offensichtlich voran mit den Plänen für die neue Gedenkstätte samt NS-Dokumentationszentrum Bonn. Sie soll von ihrem bisherigen Domizil im früheren Viktoriabad an der Franziskanerstraße nach Endenich in ein dann von Grund auf saniertes und umgebautes Nebengebäude des einstigen Benediktinerinnenklosters am Fuße des Kreuzbergs umziehen. Unterm Strich liegt die von den beauftragen Architekten erstellte Kostenschätzung zurzeit bei rund 9,1 Millionen Euro brutto. Das Gros der Summe soll über Fördermittel des Bundes und des Landes finanziert werden. Ein Antrag dazu ist bereits eingereicht, da ansonsten die Frist verstrichen wäre. Deshalb müssen die politischen Gremien jetzt im Nachhinein der bisherigen Planung grünes Licht geben.

Auch wenn sich einige Mitglieder der Bezirksvertretung Bonn, die sich vorige Woche als erstes Gremium mit der aktuellen Vorlage der Verwaltung zur Gedenkstätte befasst hat, verärgert zeigten, dass die Vorlage so kurzfristig auf den Tisch kam, so stimmten ihr am Ende alle zu. Denn in der Sache ist man sich fraktionsübergreifend einig, wie CDU-Bezirksverordneter Arno Hospes betonte. Für Hospes, der in Endenich aufgewachsen ist und das Kloster gut kennt, ist es genau der richtige Ort für die Gedenkstätte. „Es ist gut, dass es jetzt mit dem Projekt endlich weitergeht und die Gedenkstätte in Endenich eine dauerhafte Bleibe finden soll.“

Fenja Wittneven-Welter ist kulturpolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion und lobt die Planung ebenfalls: „Dieses Projekt ist von hoher Bedeutung für die Erinnerungskultur und Demokratiebildung“, sagte sie. Grünen-Kulturpolitikerin Roswitha Sachse-Schadt ist da ganz auf ihrer Seite: „Das ist ein sehr wichtiges und schönes Projekt.“ Sie ist wie Wittneven-Welter fest überzeugt, dass die Fördermittel für den Bau, aber auch für den Betrieb fließen werden. Der Verwaltung zufolge würde sich der Eigenanteil der Stadt bei einer erfolgreichen Förderung bei den Baukosten auf rund 2,41 Millionen Euro und bei der Ausstellungsplanung und beim Ausstellungsbau auf 1,17 Millionen Euro (jeweils netto) reduzieren.

Wie berichtet, hatte die Verwaltung einem Ratsbeschluss zufolge im Dezember 2022 das Architekturbüro Waldorfplan Architekten Bonn mit der Planung beauftragt. Das Büro hat daraufhin eine Planungsgemeinschaft mit dem Architekturbüro Schweitzer gebildet. Oberstes Ziel ist es, den einstigen historischen Wirtschaftsgebäudekomplex des Klosters, in den die Gedenkstätte einziehen soll, zu erhalten. „Martin Waldorf und ich möchten die Authentizität des Bestandsgebäudes trotz aller notwendigen Umbauten erhalten und erlebbar machen“, erklärte Schweitzer. Deshalb planten sie unter anderem, dass die Außenwände als Ziegelstruktur weiter sichtbar bleiben und nicht verputzt oder gedämmt werden sollen. Auch die Fenster bleiben erhalten und werden durch neue Fensterkonstruktionen bauphysikalisch ergänzt. Garderobe, Toilettenanlagen sowie Lager und technische Räume sollen in einem neuen Untergeschoss untergebracht werden.

Die Gedenkstätte wird dank eines Aufzugs in einem neu zu errichtenden turmartigen Treppenhaus auf allen Ebenen barrierefrei zu erreichen sein. Geplant sind zudem variabel nutzbare Räume unter anderem für Sonderausstellungen und Veranstaltungen. Ein großer, durchgehender Veranstaltungsraum im Dachgeschoss kann durch mobile Einbauten wie Trenn- und Stellwände für Vorträge und Seminare, aber auch für Gruppenarbeit und Sonderausstellungen genutzt werden. Im Komplex untergebracht werden außerdem die Büros für die Mitarbeitenden der Gedenkstätte. Da Bestandteile des Klosters unter Denkmalschutz stehen, soll die Planung im weiteren Verfahren mit der Unteren Denkmalbehörde abgestimmt werden. Gebäude und Grundstück befinden sich im Besitz des Erzbistums Köln, deshalb musste die Stadt zudem für eine Teilung des Grundstücks und der Gebäude zum Zwecke der Anpachtung im Erbbaurecht zusätzlich ein Vermessungsbüro beauftragen.

Mit dem neuen Standort bezieht die Gedenkstätte einen Ort, in dem während der NS-Diktatur beinahe 500 Jüdinnen und Juden bis zu einem Jahr interniert waren, bevor sie in die Vernichtungslager unter anderem in Auschwitz und Theresienstadt deportiert wurden. Die zuvor ansässigen Nonnen hatten das Kloster innerhalb kurzer Zeit verlassen müssen. Der Konzeption zufolge versteht sich allerdings die Gedenkstätte als Erinnerungs- und Dokumentationsort für alle Verfolgten des Nationalsozialismus. Eine Fokussierung der neuen Ausstellung allein auf die Verfolgung von Jüdinnen und Juden sei daher weder wünschenswert, noch würde es der Verantwortung der Institution gegenüber Angehörigen und Vertreterinnen und Vertretern anderer Verfolgtengruppen gerecht werden, heißt es in der Vorlage.

Mit der Beauftragung der nächsten Planungsphasen rechnet die Verwaltung in der zweiten Jahreshälfte. Die Bearbeitungszeit nehme dann voraussichtlich nochmals ein Jahr in Anspruch. Nach erteilter Baugenehmigung dauerten die Bauarbeiten schätzungsweise zwei Jahre.

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