1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Öffentliche Toiletten in Bonn: Masterarbeit bemängelt aktuelle Situation

Forscherin sieht Handlungsbedarf : Zu wenig öffentliche Toiletten in Bonner Innenstadt

Eine Bonnerin hat sich in ihrer Masterarbeit mit dem Thema öffentliche Toiletten beschäftigt und beklagt die schlechte Situation in der Innenstadt. Auch Politiker sehen Handlungsbedarf.

Schönes Wetter und geöffnete Geschäfte locken wieder mehr Menschen in die Innenstadt. Doch wenn man dort auf Toilette gehen will, sieht es nicht so gut aus. Die öffentliche Toilette, die seit Ende 2019 am Remigiusplatz steht, reiche bei Weitem nicht aus. So sieht das zumindest die Bonnerin Martine Kayser, die sich in ihrer Masterarbeit mit dem Mangel an öffentlichen Toiletten beschäftigt hat.

„Ich finde, öffentliche Toiletten sind ein sehr vernachlässigtes Thema“, sagt Kayser. Und in Zeiten von Corona sei es ja nicht so, dass das Urinier-Bedürfnis einfach verschwinde. „Man darf sich zu Hause nicht mehr treffen. Bereits mehrfach musste ich die Erfahrung machen, wie ich selbst und andere Menschen in der Stadt in sehr unbequeme Situationen gekommen sind, weil die Möglichkeiten sehr begrenzt sind.“ Noch schlimmer sei die Situation für ältere Menschen, schwangere oder menstruierende Personen sowie Kinder und Menschen mit Harnwegserkrankungen. „Neben den vielen, mit der Pandemie einhergehenden Einschränkungen im Alltagsleben und sicherlich schwierigen Einzelsituationen kommt eine zusätzliche Belastung hinzu.“

Der Fokus in ihrer Masterarbeit liege dabei auf einer geschlechterspezifischen Perspektive. „Die Toiletten mit Sitzen kosten etwas, die mit Pissoir sind kostenlos. Wie etwa am Remigius-Platz.“ Kayser ist der Meinung, dass ausschließlich der Wildpinkelnde als Problem angesehen wird. „Urinale sind kostenlos, weil die Zahlungsmoral sehr schlecht sei“, argumentiert sie. „Wenn neue Toiletten gebaut werden, dann mehr Urinale als Sitztoiletten.“

SPD-Politikerin fordert öffentliche Toiletten in jedem Stadtgebiet

Auch Fenja Wittneven-Welter, Stadtverordnete der SPD-Fraktion, sieht bei der Stadt Bonn Handlungsbedarf, was die Situation um die öffentlichen Toiletten angeht. Vor zwei Jahren hatte die Stadtverwaltung vier potentielle Standorte im Blick: Remigiusplatz,  Hofgarten, Fernbushaltestelle an der Museumsmeile und U.Bahnhof in Ramerdorf. Bisher realisiert worden ist nur der Remigiusplatz. „Der entlastet die Innenstadt wirklich. Das haben wir mal gebraucht“, sagt Wittneven-Welter dem GA. „Auch wenn es Diskussionen gab, ob das hübsch ist.“

Aber das sei längst nicht ausreichend. „In jedem Stadtgebiet sollte eine öffentliche Toilette sein“, sagt Wittneven-Welter. Und selbst mit denen, die bereits in der Stadt stehen, gebe es Kritikpunkte. Etwa die am Bertha-von-Suttner-Platz. „Man denkt, das läuft alles gut, aber so ist es nicht.“ So habe es Beschwerden von angrenzenden Geschäften gegeben, dass es dort stinken würde. Deshalb habe die Stadt dann auch für den Bau neuer öffentlicher Toiletten gesagt: „Wenn, dann ordentlich.“

Für die Neubaumaßnahmen des Toilettenkonzepts habe die Stadt zwei Millionen Euro aus ihrem Etat vorgesehen, teilt Pressesprecherin Andrea Schulte auf Nachfrage mit. „Die Verwaltung prüft derzeit noch die Umsetzung an den jeweiligen Standorten und stimmt die Umsetzung der Maßnahmen gemäß der Beschlusslage ab. Als erste Anlage wurde im Dezember die Toilettenanlage auf dem Remigiusplatz errichtet.“

Bert Moll, planungspolitischer Sprecher der CDU, sieht „absoluten Handlungsbedarf“. „Wir haben ja auch ältere Menschen auf der Straße. Deshalb gibt es definitiv zu wenige Einrichtungen.“ In Duisdorf etwa sei die Toilette an der Kirche auf Betreiben der CDU zwar repariert worden. „Sie ist aber häufig sehr verschmutzt.“

Deshalb sehe er einen dringenden Bedarf an selbstreinigenden Toiletten. „Da sollte die Stadt weiter aktiv werden.“ Dass Ende vergangenen Jahres die Toilette auf dem Remigiusplatz errichtet wurde, begrüßt er. „Das zeigt, dass die Anregungen der Bürger aufgenommen wurden. Aber eine Bedarfsanalyse ist noch nicht gemacht worden.“ Hartwig Lohmeyer von den Grünen sieht die Toilette am Alten Zoll als großes Ärgernis. Diese müsse dringend repariert werden, sagt der planungspolitische Sprecher der Grünen. 

Dass die Bonner Bürger durchaus nicht zufrieden mit der Situation sind, zeigt die Empörung der GA-Leserin Eva Meria Keuchel. „Alle öffentlichen Toiletten in der Innenstadt sind fest verschlossen“, schreibt sie. „Weder in den Kaufhäusern noch in der Gastronomie können Besucher der Bonner Innenstadt ein WC aufsuchen oder sich die Hände waschen.“ Da bummele man doch gerne stundenlang ganz entspannt durch die Straßen und unterstütze die heimische Wirtschaft mit privaten Einkäufen, schreibt sie ironisch.

Beschwerden aufgrund fehlender Toiletten bekomme die Stadt allerdings eher selten. „Es gibt aus der Bürgerschaft keine nennenswerte Beschwerdelage hierzu“, sagt Schulte. „Vereinzelt gingen in der Vergangenheit Hinweise von Touristen ein, dass mehr Toiletten wünschenswert wären.“ Die Verwaltung sei zuversichtlich, mit der Umsetzung der beschlossenen Maßnahmen zukünftig auch diesen Bedarf zufriedenstellend abdecken zu können.

Die Frage, ob es ausreichend öffentliche Toiletten in Bonn gibt, beantwortet die Stadt mit einem klaren Ja. „Neben den öffentlichen Toiletten am Bertha-von-Suttner-Platz, auf dem Münsterplatz, im Kiosk am KD-Anleger und im Stadtgarten sind im neu erbauten Kiosk auf dem Remigiusplatz öffentliche Toilettenanlagen verfügbar. Diese werden ergänzt durch öffentlich zugängliche Toiletten im Stadthaus und verschiedenen Geschäften in der Innenstadt.“

Öffentliche Toilette mit Kiosk am Remigiusplatz kostete 360.000 Euro

Öffentliche Toiletten sind für die Stadt in der Regel ein Minusgeschäft. Auf die Frage, wie hoch die Kosten dafür im vergangenen Jahr waren, gab es von der Stadt bisher keine Antwort. „Die Ermittlungen gestalten sich leider aufwendiger als gedacht“, teilte Schulte aus dem Presseamt mit. Der Bau der öffentlichen Toilette am Remigiusplatz plus Kiosk hat 360.000 Euro gekostet. Dass dadurch viel mehr Ausgaben als Einnahmen entstehen, ist Martine Kayser klar. „Ich weiß, sie kosten richtig viel Geld und bringen nicht viel ein. Es wird ja sehr wirtschaftlich gedacht in diesen Tagen. Aber wenn die Leute in die Stadt kommen und konsumieren sollen, dann brauchen sie auch Toiletten.“