Stadt sichert Betreuungsangebot Zusätzliche Millionen für die offenen Ganztagsschulen in Bonn

Bonn · Die Kürzung der Betreuungszeiten an den offenen Ganztagsschulen (OGS) in Bonn drohte, weil die freien Träger die gestiegenen Personalkosten nicht mehr stemmen können. Jetzt will die Stadt mehrere Millionen Euro zusätzlich zur Finanzierung der OGS ab kommenden Schuljahr bereitstellen.

Bereits im vorigen Sommer demonstrierten Elterm, Kinder und Vertreter der freien OGS-Träger vor dem Stadthaus für eine auskömmlichere Finanzierung.

Bereits im vorigen Sommer demonstrierten Elterm, Kinder und Vertreter der freien OGS-Träger vor dem Stadthaus für eine auskömmlichere Finanzierung.

Foto: Benjamin Westhoff

In die Debatte um die künftige Finanzierung der Betreuungsangebote an den offenen Ganztagsschulen (OGS) kommt Bewegung: Die Stadtverwaltung hat nochmal nachgelegt und will neben den bisher vom Rat bereits beschlossenen 1,7 Millionen Euro an zusätzlichen Mitteln für den Betrieb der OGS bis zum Ende des laufenden Schuljahres weitere 1,47 Millionen Euro für den OGS-Betrieb bis Ende 2024 außerplanmäßig bereitstellen.

Außerdem sollen im Doppelhaushalt 2025/26 zusätzlich Mittel in Höhe von 5,8 Millionen Euro angemeldet werden, um „den OGS-Betrieb mit dem bewährten bisherigen Leistungsumfang für die Schuljahre 2024/2025 und 2025/2026 sicherzustellen“, wie aus einer Verwaltungsvorlage für die kommende Ratssitzung hervorgeht. Sollte das Land zwischenzeitlich doch mehr Mittel für OGS bereitstellen, werde der städtische finanzielle Anteil entsprechend anzupassen sein, heißt es weiter.

Hintergrund: Die freien Träger der offenen Ganztagsschulen fordern seit Längerem nicht zuletzt mit Blick auf die Tarifabschlüsse und den damit deutlich gestiegenen Personalkosten eine auskömmliche Finanzierung ihrer Angebote. Andernfalls müssten sie ihre Betreuungszeiten stark einschränken, hatten sie gewarnt. Bisher ungeklärt ist indes die Beteiligung des Landes an der künftigen Finanzierung der OGS-Plätze, auf die Eltern ab 2026 einen Rechtsanspruch haben sollen.

Die jüngste Vorlage der Verwaltung zur OGS stößt bei der Ratskoalition aus Grünen, SPD, Linken und Volt auf volle Zustimmung. „Es ist gut, dass sich die Oberbürgermeisterin dafür eingesetzt hat, dass die Finanzierung der OGS gesichert ist, bis der Rechtsanspruch im Jahr 2026 greift. So ist die Hängepartie von Kindern und Eltern beendet“, zeigt sich Nina Fries, schulpolitische Sprecherin der Grünen, erleichtert. „Eine Finanzierung durch das Land wäre dringend nötig“, ergänzte Malte Lömpcke, finanzpolitischer Sprecher der Fraktion. „Unsere erfolgreichen Konsolidierungsbemühungen werden durch die eigentlich von Bund und Land zu tragende zusätzliche Aufwendung konterkariert.“

Gieslint Grenz (SPD) freut sich ebenfalls: „Für uns ist wichtig, dass die Kinder nicht nur verwahrt werden, sondern durch ausgebildetes Fachpersonal gefördert werden. Zur Bonner OGS zählen neben den bedarfsgerechten längeren Öffnungszeiten auch die gesicherte Betreuung in den Schulferien.“ Wie Lömpcke kritisiert auch Linken-Politiker Anatol Koch die fehlende Unterstützung durch das Land: „Natürlich ist es gut, dass die Mittel außerplanmäßig von der Stadt bereitgestellt werden. Aber es ist ein Armutszeugnis für das Land NRW, das Bonn im Regen stehen lässt.“ Sarah McNelis von Volt sieht in der OGS eine Behelfslösung: „Eigentlich sollte die Grundschule eine Ganztagsschule sein. So würde Bildungsgerechtigkeit auf Basis multiprofessioneller Teams besser hergestellt.“

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