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Kommentar zu öffentlichen Bauvorhaben: Opern-Plan überdenken

Kommentar zu öffentlichen Bauvorhaben : Opern-Plan überdenken

Weil die Nachfrage hoch ist, verlangen viele Baufirmen höhere Preise, als die Stadt für die Sanierung der Beethovenhalle eingeplant hat.

Jahrzehntelang haben Bund, Länder und Städte wie Bonn ihre Infrastruktur in unverantwortlicher Weise vernachlässigt. Ob Brücken, Straßen oder Gebäude – überall floss zu wenig Geld in die Instandhaltung. Nun bröckelt der Beton, reißt der Asphalt, streiken die technischen Anlagen. Jetzt endlich stellt der Staat zwar Milliardenprogramme für Fernstraßen und marode Brücken auf.

Zusammen mit der guten Konjunktur hat das „Jahrzehnt der Baustellen“ aber arge Nebenwirkungen: Es fehlen Facharbeiter und Ingenieure bei den Firmen sowie Planungskapazitäten bei den Bauverwaltungen. Die Nachfrage lässt die Preise explodieren – was den Akteuren einer freien Marktwirtschaft nicht zum Vorwurf gemacht werden kann.

Die Stadt ist diesem Spiel der freien Marktkräfte derzeit ohnmächtig ausgesetzt, wie das Beispiel der Beethovenhalle zeigt. Dort kommt hinzu, dass die Firmen genau wissen, dass die Baumaßnahmen rechtzeitig vor dem Beethoven-Jubeljahr 2020 abgeschlossen sein müssen. Verwaltung und Kommunalpolitiker haben es eben leider versäumt, den Sanierungsstau der Halle und anderer städtischer Häusern anzupacken, als die Umstände noch günstiger waren.

Das Gebäudemanagement kann nur noch versuchen, bei neuen Projekten den Preisauftrieb so realistisch wie möglich einzuschätzen. Die Kommunalpolitiker sollten bei der Beschlussfassung wissen, woran sie sind. Besonders gilt das für die Instandsetzung des Opernhauses, der Halle Beuel und der Kammerspiele in Bad Godesberg. Der Rat befasst sich wohl schon nächsten Monat mit diesem Mammutprojekt.

Kritisch nachhaken lohnt dabei: Ist es wirklich eine gute Idee, die Oper bei laufendem Betrieb über zehn Jahre hinweg zu erneuern? Man ahnt, wie stark die Baupreise in einem so langen Zeitraum steigen. Bei den berechneten 65 Millionen Euro allein für die Oper würde es natürlich nicht bleiben. Sie vorübergehend zu schließen und eine Ausweichspielstätte zu nutzen, wäre mit Sicherheit effizienter – und vielleicht auch viel billiger. Nur wenn die Stadt beide Varianten berechnet, kann der Rat sauber entscheiden.