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Bonner Medienpädagogin: Opfern von Cybermobbing „fehlt der Schonraum“

Bonner Medienpädagogin : Opfern von Cybermobbing „fehlt der Schonraum“

Nach dem Tod von Kasia Lenhardt, der ehemaligen Lebensgefährten von Fußballer Boateng, ist auf Social Media eine Debatte über Cybermobbing entfacht. Nicht nur die große Öffentlichkeit online mache Mobbing dort so gefährlich, sagt eine Bonner Medienpädagogin.

„Ich werde dich nie vergessen, ich kenne keinen, der so lachen konnte wie du“, schrieb das Model Sarah Kulka kürzlich in einem Instagram-Beitrag über ihre verstorbene Model-Kollegin Kasia Lenhardt. Die ehemalige Lebensgefährtin von Fußball-Star Jérôme Boateng wurde vor rund zwei Wochen tot in ihrer Berliner Wohnung gefunden, Anzeichen von Fremdeinwirkung stellte die Polizei bislang nicht fest.

Lenhardts Tod hat in den sozialen Medien das Thema Cybermobbing aufflammen lassen. Denn das 25 Jahre alte Model, das durch die Prosieben-Show „Germany’s Next Topmodel“ bekannt wurde, soll immer wieder unzählige Hassnachrichten erhalten haben. Kurz nach ihrem Beitrag über den Tod Lenhardts postete Kulka ein Bild, auf dem der Hashtag #mobbingtötet zu sehen ist.

Mobbing könne sich online auf viele Arten äußern, weiß Sabine Bodner vom Medienzentrum Bonn, etwa durch Beleidigungen, das Verbreiten von Gerüchten, Identitätsklau oder die Verbreitung von öffentlichen Dingen im Netz. „Von Cybermobbing spricht man bei „längerfristigen“, absichtlichen Beleidigungen anderer übers Internet und Handy“, so die Medienpädagogin. Doch auch einzelne Fotos, die etwa verbreitet wurden, könnten schon eine längerfristige Wirkung haben.

Vor allem junge Menschen sind laut einer aktuellen Studie des Vereins „Bündnis gegen Cybermobbing“ und der Techniker Krankenkasse davon betroffen – Tendenz steigend: Die Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen zwischen acht und 21 Jahren sei zwischen 2017 und 2020 um 36 Prozent gestiegen. „In absoluten Zahlen sind das fast zwei Millionen Kinder und Jugendliche“, hieß es in der Studie. Fast jeder vierte Betroffene äußerte demnach sogar Suizidgedanken.

Besonders gefährlich sei an Cybermobbing, dass Opfern der „Schonraum“ fehlt: „Über das Internet haben die Taten eine große Öffentlichkeit und eine schnelle Verbreitung“, erklärt Bodner. Laut der Initiative „klicksafe“ handeln Täter oft anonym, obwohl sich gerade bei jüngeren Menschen Opfer und Täter aus dem „realen“ Umfeld kennen, wie zum Beispiel aus der Schule. Über das Internet könnten rund um die Uhr Mobbing-Angriffe kommen. „Die eigenen vier Wände bieten also keinen Rückzugsraum“, schreibt die Initiative.

Corona-Pandemie verstärkt Cybermobbing

Dies ist durch die Corona-Pandemie noch einmal verstärkt worden, wie aktuelle Studien zeigen. Die JIM-Studie zur Mediennutzung junger Menschen etwa berichtet, dass 29 Prozent der Jugendlichen im Jahr 2020 beleidigende oder falsche Behauptungen über sich online gelesen haben. Die Jahre zuvor lag die Zahl bei rund 20 Prozent. Dies liege auch daran, dass sich durch die Corona-Beschränkungen ein wichtiger Teil der Kommunikation generell ins Netz verlagert hat.

Um Cybermobbing entgegenzuwirken, bildet Bodner vom Medienzentrum Bonn etwa Lehrer oder Schüler aus und trainiert deren Medienkompetenz. Auch Elternabende seien für die Prävention wichtig. Kommt es zu Mobbing-Attacken oder digitaler Gewalt im Internet, sollen die erhaltenen Nachrichten oder Bilder nicht einfach gelöscht werden, rät die Bonner Polizei auf ihrer Seite. Vielmehr sollten Opfer Screenshots machen – vom Chat, der Bilder oder Videos sowie vom Absender und den Chat-Details. Diese Beweise können bei einer Anzeige dann helfen.