Orange Day Bonn setzt Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Bonn · Mit zwölf orangen Bänken und einem Kerzenmeer vor dem Alten Rathaus setzen die Bonner am Orange Day ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen. Die Bänke werden nach einer Veranstaltung in der Kreuzkirche in der Stadt verteilt.

 Markantes Zeihen gegen Gewalt an Frauen auf dem Marktplatz.

Markantes Zeihen gegen Gewalt an Frauen auf dem Marktplatz.

Foto: Meike Böschemeyer

Jedes rote Grablicht auf dem Marktplatz stand für eine getötete Frau. Ein Zeichen dafür, dass jeden dritten Tag in Deutschland eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners stirbt. Ein Symbol dafür, dass sich hinter Opferzahlen furchtbare Schicksale verbergen. Der Soroptimist International Club Bonn entzündete am Samstagabend ein Meer von Kerzen auf dem Marktplatz vor dem Alten Rathaus.

Auch die Passantinnen und Passanten waren eingeladen, als Zeichen der Solidarität Lichter anzuzünden und für das Bonner Frauenhaus zu spenden. Eine von zwei großen Aktionen, mit denen Bonn am Orange Day, dem von den Vereinten Nationen ausgerufenen internationalen Tag gegen Gewalt an Mädchen und Frauen Verbrechen aus dem Dunkel ans Licht holten.

Poetry-Slam zu häuslicher Gewalt

Zonta-Auftaktveranstaltung „Stoppt Gewalt an Frauen“ in Bonn
21 Bilder

Zonta-Auftaktveranstaltung „Stoppt Gewalt an Frauen“ in Bonn

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Jede dritte Frau in Deutschland erlebt im Laufe ihres Lebens Gewalt. Am Arbeitsplatz, beim Ausgehen, im Park. Oft aber auch in der eigenen Familie und in den eigenen vier Wänden. Also genau da, wo sich eigentlich jede und jeder in Sicherheit wähnt. Genau um diese häuslichen Gewalterfahrungen ging es in einem Poetry-Slam, der die Bandbreite von psychischer Gewalt über physische Gewalt bis hin zu sexualisierter Gewalt thematisierte.

Schon am Samstagmorgen weckten leuchtend orange Bänke vor der Kreuzkirche das Interesse der Fußgänger in der Innenstadt. Im Kirchenschiff tauchten Scheinwerfer den Altarraum in oranges Licht. „I go my way – Ich gehe meinen Wege“, ertönte ein Lied von Judy Garland, gesungen von einer Schauspielerin des Kleinen Theaters, bevor nach einer Podiumsdiskussion die in der Justivollzugsanstalt Rheinbach gebauten Bänke auf den Weg an verschiedene Aufstellungsorte in der Stadt geschickt wurden. Sie ergänzen eine erste Staffel dieser Sitzgelegenheiten, die als Ort des Gesprächs, der Begegnung und der Hilfe bereits im vergangenen Jahr an Orten wie dem Polizeipräsidium, am Landgericht oder dem Haus der Bildung aufgestellt wurden. Jede der Bänke trägt eine Plakette, auf der die Telefonnummern von Hilfsangeboten verzeichnet sind, und trägt dazu bei, das Thema mit der Signalfarbe in die Öffentlichkeit zu rücken.

Orange Bank fürs Stadthaus

„Mein ultimativer Traumplatz für eine der Bänke ist vor dem Stadthaus“, sagte Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner, Schirmherrin der Veranstaltungen zum Orange Day. Schließlich gehe es darum, dass nicht nur die Produktionsstätten der Bänke, sondern auch die Aufstellungsorte einen Bezug zum Thema haben sollten, war sie sich mit den Initiatoren aus den Bonner Zonta-Clubs und der UN sowie dem evangelischen Superintendenten Dietmar Pistorius einig. Es gehe darum, das Thema in die Stadt zu tragen. „Ein Thema, das uns alle betrifft, weil es breit in allen Gesellschaftsschichten vorkommt“, sagte Dörner. „Und es passiert auch hier in Bonn.“

Handeln an 365 Tagen im Jahr

Die Oberbürgermeisterin machte keinen Hehl daraus, dass sie sich schon lange mit dem Thema beschäftigt, für das der Orange Day ein wichtiger Tag sei. „Aber handeln müssen wir an 365 Tagen im Jahr.“ Zumal die Gewalttaten für die Opfer lange nachwirkten: „Die Gewalterfahrung schränkt die Chancen ein, die man im Leben hat.“

Dass dies für Frauen in Bonn, aber auch in der ganzen Welt gilt, machte Ursula Sautter, Vertreterin von UN Women, deutlich: „Gerade in Kriegsregionen spielt Gewalt an Frauen eine systemische Rolle.“ Andere Gewalttaten wie Genitalverstümmelungen geschähen zwar anderswo, wanderten aber mit den Opfern in unsere Gesellschaft ein. Und prozentuale Verbesserungen führten nicht immer dazu, dass es weniger Fälle gebe, wenn zugleich Geburtenraten die Grundgesamtheit wachsen ließen.

Männer sensibilisieren

Was die bundesdeutschen Fallzahlen angehe, sei 2022 ein deutlicher Anstieg an Gewalttaten an Frauen und Mädchen zu verzeichnen gewesen, sagte Sautter. Ob dabei eine wachsende Bereitschaft, solche Taten anzuzeigen, eine Rolle gespielt habe, könne sie nicht sagen. Die Bonner Polizei, der Oberbürgermeisterin Dörner eine „hohe Sensibilität“ in Bezug auf Gewalt an Frauen attestierte, geht davon aus, dass Präventionsmaßnahmen und eine höhere Sichtbarkeit dazu führen, dass mehr Taten aus dem Dunkelfeld ans Licht der Öffentlichkeit gelangen. Dazu darf gerade bei den Präventionsmaßnahmen für Ulrike Seeler vom Zonta Club Rheinaue das Augenmerk nicht ausschließlich auf den Frauen und Mädchen liegen: „Wir müssen Männer für dieses Thema sensibilisieren.“

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