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Oster-Reisewelle: Die Bonner machen nicht mit

Anbieter melden wenig Buchungen : Bonner machen bei der Oster-Reisewelle nicht mit

Auf Mallorca wird es trotz Pandemie wieder voller, doch die Bonner bleiben offenbar lieber zu Hause. Reisebüros in der Stadt leiden unter der anhaltenden Flaute. Auch für den Sommer gibt es wenig Nachfrage.

Pünktlich zum Beginn der Osterferien sind Maschinen vom Köln/Bonner Flughafen gen Süden gestartet. Angesteuert werden unter anderem die Balearen, die seit Mitte März nicht mehr auf der Liste der Risikogebiete stehen. Doch wie sieht es mit der Reiselust der Bonner zu Ostern aus? „Verhalten“, sagt Sandra Brandes, Mitarbeiterin im Rauten Reisebüro an der Oper. An zahlreichen Ferienzielen wie Mallorca warten auf die Urlauber strenge Lockdown-Regeln wie Ausgangssperren am Abend, Kontaktbeschränkungen und ein stark eingeschränkter Gastronomie-Betrieb. Zudem müssen alle Heimkehrer von Auslandsreisen noch vor dem Heimflug nach Deutschland einen negativen Corona-Test vorlegen.

Auch in Bezug auf Reisebuchungen für die kommenden Sommerferien sind die Bonner noch sehr zurückhaltend. „Die Angst, das Urlaubsziel könnte zum Hochrisikogebiet erklärt werden ist sehr hoch, daher werden kaum Reisen gebucht“, sagt Brandes. Lediglich einige vereinzelte Anfragen für Reisen nach Mallorca und auf die Kanaren habe sie bearbeitet, die befürchtete Reisewelle zu Ostern sei jedoch ausgeblieben. „Die Zahl der Buchungen steigt auch jetzt nicht, da sich die Leute noch alle sehr unsicher fühlen. Viele Kunden werden sich in Bezug auf den Sommerurlaub wohl kurzfristig entscheiden“, meint Brandes. Viele ihrer Kunden hatten ihre ursprünglich für die Oster- oder Sommerferien 2020 geplante Reise um ein Jahr verschoben und müssen die Reise jetzt wieder verschieben, da das Urlaubsziel von der Fluggesellschaft nicht angesteuert wird oder Hotels vor Ort geschlossen bleiben. „In den vergangenen Wochen waren wir überwiegend mit Annullierungen und Umbuchungen für im April und Mai geplante Reisen beschäftigt“, berichtet Brandes.

Auch im Reisebüro Via Verde in Bad Godesberg ging in den vergangenen Wochen die meiste Arbeitszeit für Umbuchungen drauf. Margarete Hartmannsberger hat zahlreiche Buchungen in Gutscheine umgewandelt. Das ist für das Reisebüro immer noch besser, als Stornierungen durchführen zu müssen. „Wir haben sehr solidarische Kunden, die uns unterstützen“, sagt Hartmannsberger. In den Osterferien sei dieses Jahr gar nichts möglich gewesen. Und auch wenn die Bonner noch sehr zurückhaltend sind, was Reisebuchungen betrifft, blickt Hartmannsberger optimistisch in die Zukunft: „Wir schauen jetzt auf die Sommersaison“, sagt sie. Sommerziele seien vorhanden, da viele Länder gute Schutzmaßnahmen ergriffen haben. „Die Leute suchen nach Ländern mit niedriger Inzidenz“, sagt Hartmannsberger. Dies trifft beispielsweise auf Kroatien zu. „Auch Armenien sieht gut aus, dort ist aber der Flugverkehr noch stark eingeschränkt“, berichtet Hartmannsberger. Wenn Flüge kaum gebucht sind, kann es auch passieren, dass diese kurzfristig gestrichen werden. Die Testpflicht für Reiserückkehrer, deren Kosten diese selbst tragen müssen und eine mögliche Quarantäne-Pflicht am Urlaubsziel könnten zudem auch einige abschrecken, den nächsten Urlaub zu buchen.

Das weiß auch Jakob Lambertz, der in seinem Büro Reise Welt Bonn bis heute gerade mal rund 100 Buchungsanfragen für die kommenden Sommerferien bearbeiten konnte. „Normalerweise hätte ich zu diesem Zeitpunkt im Jahr bereits 2000 Reisebuchungen bearbeitet“, sagt Lambertz. Mit einer großen Reisewelle rechnet Lambertz jedoch auch im Sommer nicht: „Wir können unseren Kunden nicht guten Gewissens empfehlen, jetzt eine Reise zu buchen. Wir appellieren an alle, noch einige Wochen abzuwarten, bis etwas mehr Ruhe in die ganze Sache gekommen ist“, sagt Lambertz. Er verbringt derzeit 90 Prozent seiner Arbeitszeit mit Umbuchungen. „Wir arbeiten seit gut einem Jahr umsonst“, stellt Lambertz ernüchtert fest.

Kreuzfahrt auf 2023 verschoben

Ähnlich sieht es bei „Aktuell Reisen“ aus: Diana Raeder öffnet ihr Geschäft nur noch, wenn Kunden zuvor bei ihr telefonisch oder per Mail einen Termin vereinbart haben. „Alles andere lohnt sich nicht. Von drei Flügen nach Mallorca kann ein Reisebüro nicht leben. Das steht in keinem Verhältnis“, sagt Raeder. Gerade hat sie einige für Frühjahr und Sommer dieses Jahres geplante Kreuzfahrten auf 2022 und teils sogar auf 2023 umgebucht. Da ihr Reisebüro im Privathaus integriert ist, sind bei ihr die Sorgen um fehlende Einnahmen für Mietkosten nicht ganz so hoch wie bei einigen Kollegen, doch eine finanzielle Herausforderung ist die aktuelle Situation auch für sie: „Wir verdienen erst Geld, wenn die Leute reisen“, sagt Raeder und ist sich sicher: „Viele Reisebüros in Bonn werden diese Zeit nicht überleben“.