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Pädagoge gibt in Bonn Tipps gegen Belästigung

Argumentationstraining in Bonn : Radikalen Menschen eine Grenze setzen

Pädagoge Martin Ziegenhagen gibt Besuchern in der Namen-Jesu-Kirche Tipps gegen massive Belästigungen.

Wohl jeder hat das schon erlebt: In der Bahn oder auch der Schulklasse gibt jemand diskriminierende oder rassistische Sprüche von sich. Wie reagiere ich auf so etwas? Pädagoge Martin Ziegenhagen (55) hat einen Tipp. Daher lauschten 25 Menschen am Mittwochabend in der Namen-Jesu-Kirche dem Vortrag des Berliners und schilderten ihre eigenen Erfahrungen.

„Zunächst sollte man sich bewusst machen, dass Rassismus bei uns selbst anfängt“, sagte Ziegenhagen. „Unsere Konstruktion der Realität geschieht im Kopf automatisch und subjektiv“, so der Fachbereichsleiter für Extremismus-Prävention. Mit Vorurteilen schaffen sich Menschen eine Legimitation zur Gewalt. „Es fängt bei der Wahrnehmung an, wir orientieren uns am Äußeren und ordnen den Menschen dann einer Gruppe zu. Dieser Gruppe schreiben wir dann Eigenschaften und Vorurteile zu“, sagte Ziegenhagen. Diese Schubladen seien sehr machtvoll und entstünden aus medialen, privaten oder gesellschaftlichen Erfahrungen. „Jeder sollte seine Haltung selbst hinterfragen und die eigenen Muster erkennen.“

Durch Rollenspiele Probleme verdeutlichen

Um zu verstehen, wie Rechtsextreme ticken, spielte Ziegenhagen den radikalen Fremdenhasser, der eine Teilnehmerin mit rassistischen Äußerungen reizen wollte. Die Besucherin versuchte den Mann mit ruhiger Stimme und sachlichen Argumenten zur Ruhe zu bringen. Ohne Erfolg, denn der Radikale wurde umso lauter. „Man fühlt hier die Ohnmacht gegenüber solchen Menschen“, meinte eine Zuschauerin. „Irrationalen Äußerungen kann man nicht mit Rationalität begegnen, da die Emotionen den Kopf ausstellen“, erklärte Ziegenhagen seine Rolle. Die Haltung, die dieser Mensch hat, sei seine Lebensstütze, die er sich selbst gebaut habe.

Meist fühlten sich Extremisten nicht von der Gesellschaft ernst genommen oder wertgeschätzt und fänden in radikalen Strukturen so ein Zuhause, meinte der Berliner. „Es ist ein langer Prozess, und die Menschen können sich da nur selbst wieder rausholen.“ Was man also brauche, sei ein klarer Widerspruch. „Es ist ganz wichtig, ein Stoppsignal zu senden“, sagte Ziegenhagen. Hierbei sei die „Ich-Botschaft“ eine gute Methode: „Sagen sie dem Menschen einfach, ich möchte das nicht hören“. Das Gegenüber werde dann verstummen. „Es ist wichtig, dass man aus seiner Komfortzone heraustritt und klare Grenzen zieht – meist beteiligen sich dann auch die Menschen in der Umgebung.“

Auch in privaten Kreisen wie auf Geburtstagsfeiern und in Vereinen sollte man sich ruhig trauen, die „Ich-Botschaft“ auszusenden. Im Nachhinein könne man ja durch den persönlichen Kontakt noch „differenzierter“ über die Äußerungen reden: „Wenn Menschen so reden, offenbaren sie ihre Emotionen, und dahinter stecken meist Bedürfnisse“, so der Dozent. „Man kann dem Gegenüber Verständnis für seine Gefühlslage zeigen, damit einverstanden sein muss man ja dann trotzdem nicht.“

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