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"Tod im Rheinland": Pantheon Bonn diskutiert über Aufführungsverbot

"Tod im Rheinland" : Pantheon Bonn diskutiert über Aufführungsverbot

Beim Sonntagsmatinee des Kulturförderkreises Pantheon steht das Feiertagsgesetz im Mittelpunkt. Historiker Martin Stankowski, Psychiater und Theologe Manfred Lütz sowie Pantheon-Chef Rainer Pause diskutieren.

In gewisser Weise wiederholt sich alles. Schon vor mehr als 20 Jahren haben Historiker Martin Stankowski und Pantheon-Chef Rainer Pause versucht, ihr Programm „Tod im Rheinland“ an einem Karfreitag zu spielen – damals wie heute mit dem selben Ergebnis. Zuletzt hatte die Stadt Bonn auf Anweisung der Bezirksregierung Köln eine geplante Aufführung des Lehrstücks mit Hinweis auf das Feiertagsgesetz untersagt und sogar mit der Versiegelung des Bonner Kleinkunsttempels an der Siegburger Straße gedroht.

Bei einer Matinee des Kulturförderkreises Pantheon, die am Sonntag den Schlusspunkt unter die diesjährige Benefiztombola zugunsten des Theaters bildete, haben Pause und Stankowski diesen Dissens nun aufgegriffen und ihn mit dem Psychiater, Theologen, Vatikanberater und Buchautor Manfred Lütz erörtert.

Pause betonte gleich zu Beginn, dass die Entscheidung, „Tod im Rheinland“ für den Karfreitag auf den Spielplan zu setzen, keineswegs ein Missverständnis war. „Wir wussten ganz genau, was wir taten“, sagte er. „Allerdings hatten wir die Hoffnung, dass diesmal anders entschieden wird als noch 1995.“

Es gibt bereits Ausnahmen

Damals landete der Fall sogar vor Gericht. „Das Urteil war schon zu dieser Zeit auch unter Juristen umstritten“, erinnerte sich Pause. Als dann kürzlich einer der damals beteiligten Richter auf ihn zugekommen sei und sagte, dass er das Feiertagsgesetz in seiner jetzigen Form für nicht mehr zeitgemäß halte, habe er sich entschieden, es noch einmal darauf ankommen zu lassen. „Immerhin hat sich seit dem in der Gesellschaft enorm viel geändert“, sagte Pause, der zwar die Entscheidung bedauerte, die Stadt aber ansonsten nicht weiter kritisierte, und zu dem Streit um die vom Rat erwartete Sanierung der Halle Beuel durch das Pantheon, der Pause zuletzt eine Absage erteilt hatte, äußerte er sich übrigens gar nicht.

Das Für und Wider einer Aufführung von „Tod im Rheinland“ an einem der sogenannten stillen Feiertage wägte Manfred Lütz in seinen eigenen Ausführungen sorgfältig ab. Auf der einen Seite bekräftigte er, dass einige Tage nicht vermarktet werden sollten, und warnte im Falle einer Erlaubnis des Stücks vor Abgrenzungsproblemen. Andererseits gibt es bereits Ausnahmen von der Regel: In Bochum wurde in diesem Jahr der Film „Das Leben des Brian“ gezeigt, nachdem eine Ausnahmeregelung erlassen wurde. Und „Tod im Rheinland“ müsste Lütz zufolge eigentlich ebenfalls zulässig sein. „Ich finde das Programm genial und auf jeden Fall gehaltvoller als so manche Predigt“, sagte er. Stankowski fügte hinzu, dass man sich keineswegs über jemanden lustig machen wolle, sondern lediglich die Tabuisierung des Todes aufbrechen wolle.

Im Anschluss an die ebenso unterhaltsame wie lehrreiche Diskussion und einen Liedvortrag von Norbert Alich zogen Pause und der Förderkreis-Vorsitzende Professor Heinz Günter Horn schließlich die Hauptpreise der Tombola. Als Hauptgewinn lockte ein Wochenende in Rom.