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Konsumkritiker treffen auf Primark-Chef: Passt Primark zur Fair-Trade-Stadt Bonn?

Konsumkritiker treffen auf Primark-Chef : Passt Primark zur Fair-Trade-Stadt Bonn?

Der Textil-Discounter Primark kommt 2019 nach Bonn. Passt die Marke zur Fair-Trade-Stadt Bonn? Darüber diskutierten Vertreter von Stadt, Handel, Vereinen und der Deutschland-Chef von Primark, Wolfgang Krogmann, in der VHS.

Seit klar ist, dass die Stadt Bonn einen Primark am Hauptbahnhof bekommt, wird darüber heiß diskutiert. Kann ein Textilgeschäft, das T-Shirts für drei Euro verkauft, vernünftige Löhne in den Herstellerländern zahlen?

Passt das Geschäft, das voraussichtlich ab 2019 im Neubau des Maximilian-Centers eröffnen wird, zur Stadt Bonn, die sich gerne mit dem Stempel Nachhaltigkeit schmückt und ausgezeichnete Fair-Trade-Stadt ist?

Am Dienstagabend wurde eben dieses Spannungsfeld im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Ungleichheit, Teilhabe, Gerechtigkeit“ der Volkshochschule im Haus der Bildung näher beleuchtet.

„Die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden.“

Das Podium versprach einen durchaus kontroversen Abend, der in einer konsumkritischen Atmosphäre unter der Moderation von GA-Redakteurin Delphine Sachsenröder seinen Lauf nahm. Die Arbeitsbedingungen im Produktionsland, die der deutschen Mitarbeiter und der Einfluss der Stadt auf die Auswahl der Einzelhändler: Das waren einige der großen Themen, die zur Sprache kamen.

Gisela Burkhardt, Vorstandsvorsitzende von Femnet und Streiterin für Arbeitsrechte der Frauen, zeichnete ein düsteres Bild von Produktionsstätten in Bangladesh. „In den Fabriken werden Frauen gedemütigt und beschimpft, sie müssen zehn, zwölf oder 14 Stunden am Stück arbeiten“, erklärte sie. Dort ließen viele Modeketten ihre Kleidung herstellen.

Dem hielt Wolfgang Krogmann, Deutschland-Chef von Primark, entgegen: „Wir sind uns in der Sache einig. Die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden.“ Zu diesem Zwecke habe Primark Kontrollen eingeführt. Mitbestimmung der Angestellten, Arbeitszeiten, Lohnzahlungen: All das werde regelmäßig überprüft. Burkhardt hat im Gegensatz zu Krogmann allerdings große Zweifel an der Wirksamkeit, weil Frauen gezielt unter Druck gesetzt würden.

Wenig Verständnis im Publikum

Eine spürbar große Kluft besteht zwischen den Konsumkritikern auf der einen und dem Handel auf der anderen Seite. Die Bemerkung von Adalbert von der Osten, Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbands Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen, jeder könne seine eigene Entscheidung treffen, was er kaufe und was nicht, stieß auf wenig Verständnis im Publikum.

Vorangegangen war eine Bemerkung von Gesa Maschkowski aus dem Vorstand des Vereins Bonn im Wandel: „Die Konsummaschine wird weiter aufgeheizt. Dabei müssen wir über eine Konsumreduzierung nachdenken.“

Nicht nur Maschkowski und Burkhardt fragten nach der Verantwortung der Nachhaltigkeitsstadt Bonn. Arnulf Marquardt-Kuron aus dem Amt für Wirtschaftsförderung nahm dazu Stellung. „Die Vertragsfreiheit ist ein hohes Gut.“ Die Stadt könne im Rahmen von Bebauungsplänen Handelsflächen festlegen, aber ob Investoren nun an einen Primark oder an kleinteilige Geschäfte vermieten, liege in der Hand des Vermieters. Der Mietvertrag zwischen Primark und Investor Ten Brinke sei unterschrieben, wie Krogmann sagte.

200 Mitarbeiter sollen in zwei Jahren für die Textilkette auf 5400 Quadratmeter Verkaufsfläche in Bonn Umsatz generieren. Bezahlt nach Handeltarif. Insofern lag die Antwort auf eine Publikumsfrage, ob der Primark noch zu verhindern sei, auf der Hand: Wohl eher nicht.