Bürgerantrag fordert Streichung Soll Paul von Hindenburg Ehrenbürger der Stadt Bonn bleiben?

Bonn · Ein Bürgerantrag fordert den Stadtrat auf, den früheren Reichspräsidenten aus der Liste der Ehrenbürger von Bonn zu streichen. Hindenburgallee und Hindeburgplatz sind bereits umbenannt, aber das ist seit 2020 unterblieben.

 Reichspräsident Paul von Hindenburg mit dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler in der Potsdamer Garnisonkirche am 21. März 1933. Er übergab an diesem Tag die Macht an die Nationalsozialisten.

Reichspräsident Paul von Hindenburg mit dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler in der Potsdamer Garnisonkirche am 21. März 1933. Er übergab an diesem Tag die Macht an die Nationalsozialisten.

Foto: dpa/-

Eine Gruppe von zehn Bonner Bürgern und weiteren Interessierten möchte den ehemaligen Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (1847-1934) aus der Liste der Bonner Ehrenbürger streichen lassen. Dazu hat der Arbeitskreis Krieg und Frieden um den Informatik-Professor Gregor Büchel und seine Frau Jutta einen neuerlichen Bürgerantrag eingereicht.

Besondere Verdienste um das Wohl der Bonner Bürger oder das Ansehen der Stadt könnten Hindenburg nicht zugerechnet werden, betont Gruppensprecher Armin Lauven. Vielmehr sei Hindenburg an Kriegsverbrechen im Ersten Weltkrieg maßgeblich beteiligt gewesen und habe 1918 einen früheren Friedensschluss „systematisch verhindert“. Der spätere Reichspräsident habe nach dem Waffenstillstand 1918 die Dolchstoßlegende in die Welt gesetzt, nach der das an sich siegreiche Militär von der Zivilbevölkerung „erdolcht“ worden sei. Vor allem habe Hindenburg 1933 als Reichspräsident der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft den Weg bereitet. „Bonn als eine weltoffene Stadt, ein wichtiger Standort der Vereinten Nationen und Sitz zahlreicher (inter-)nationaler Organisationen, steht für Menschen- und Bürgerrechte, Demokratie, Sozial- und Rechtsstaatlichkeit, nicht für Militarismus, Monarchismus, Unfreiheit und Unterdrückung“, argumentieren die Antragsteller.

Hindenburgplatz und Hindenburgallee umbenannt

Bereits 2020 hatte sich die Gruppe mit einem Bürgerantrag an den Stadtrat gewandt. Der Hindenburgplatz in Dottendorf wurde daraufhin der beliebten ehemaligen Kanzler-Gattin Loki Schmidt gewidmet, die Hindenburgallee in Bad Godesberg der SPD-Politikerin und „Grundgesetz-Mutter“ Elisabeth Selbert. Die ebenfalls beantragte Streichung Hindenburgs aus der Liste der Bonner Ehrenbürger aber unterblieb.

Der seinerzeit bereits gleichgeschaltete Bonner Stadtrat hatte Hindenburg den Titel am 31. März 1933 kurz nach der nur noch bedingt freien Reichstagswahl und der Gleichschaltung des Parlaments und der Kommunalparlamente per Akklamation verliehen. Ansonsten findet sich aus der NS-Zeit sonst nur noch der Zoologe und Museumsgründer Alexander Koenig unter den Ehrenbürgern.

Hindenburg fällt neben Reichskanzler Otto von Bismarck auch deshalb aus dem Rahmen der 24 übrigen Geehrten aus der Zeit vor der Kommunalreform 1969 und der zwölf seither verliehenen Ehrenbürgerschaften, weil er gar keine persönliche Beziehung zu Bonn hatte. Zwar finden sich unter den Ehrenbürgern jüngeren Datums auch alle Bundespräsidenten bis hin zu Johannes Rau sowie die Bundeskanzler Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und Helmut Schmidt – Willy Brandt und Helmut Kohl sind nicht darunter. Aber sie alle haben in Bonn politisch gewirkt und auch die Stadt damit geprägt.

Erste Städte erkannten Titel schon 1945 wieder ab

104 Städte und Gemeinden hatten nach einer Aufstellung der Online-Enzyklopädie Wikipedia Hindenburg zum Ehrenbürger ernannt, 63 davon kurz nach der NS-Machtübernahme im Jahr 1933. Fürth und Gelsenkirchen haben ihm den Titel posthum bereits unmittelbar nach Kriegsende 1945 wieder aberkannt, München 1946 und Augsburg 1947. Etliche weitere Städte folgten besonders in den letzten zehn Jahren. Darunter waren auch Hennef und Neuss. Köln hatte Hindenburg 1989 aus der Liste der Ehrenbürger gestrichen.

Neben Hindenburg wirft vor allem Walter Freiherr von Loé unter den Ehrenbürgern Fragen auf. Der Freund des späteren Kaisers Wilhelm I. hatte in Bonn studiert und kommandierte ab 1869 die in der Stadt stationierten Königs-Husaren. 1897 wurde er nach Bismarck zweiter Bonner Ehrenbürger, elf Jahre vor seinem Tod in Bonn. Für die Ehrenbürgerwürde sprach aus Sicht der Stadtväter, dass Loé im Kaiserreich als einziger Katholik im Militär zum Generalfeldmarschall aufgestiegen war. Allerdings hatte Loé militärisch an der Niederschlagung der bürgerlichen März-Revolution von 1848/49 mitgewirkt und bestand darauf, dass Offiziere sich in Ehrenfragen duellierten.

Der Bürgerantrag zu Paul von Hindenburg steht am Mittwoch, 6. Dezember, auf der Tagesordnung des Ausschusses für Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Ratssaal des Stadthauses.

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