„Platz des Grundgesetzes“ eingeweiht Auf dem Bonner Boden des Grundgesetzes stehen ist nicht einfach

Bonn/Bad Godesberg · Zwischen den beiden Stadtbezirken Bonn und Bad Godesberg liegt nun der „Platz des Grundgesetzes“, umsäumt von Autobahnen. Kabarettist Rainer Pause schlug vor, einen Fußweg anzulegen, um die Erreichbarkeit zu verbessern.

Bonn hat jetzt einen Platz des Grundgesetzes, der nicht zu Fuß erreichbar ist.

Bonn hat jetzt einen Platz des Grundgesetzes, der nicht zu Fuß erreichbar ist.

Foto: Benjamin Westhoff

Einst hieß er Karavan-Knoten, dann Platz der Vereinten Nationen oder unter Bonnern „Ort der Flaggen“ und was nun? Das Gelände der Anschlussstelle Bonn-Bad Godesberg der Autobahn 562 mit den 200 Fahnenstangen hatte eine lange Namenskarriere. Da der Platz der Vereinten Nationen seit 2008 vor dem World Conference Center und dem UN-Campus zu verorten ist, blieb das Fleckchen an der A562 offiziell namenlos – bis zum Mittwochvormittag. Anlässlich des 75. Jubiläums des Grundgesetzes wird das Gelände als „Platz des Grundgesetzes“ getauft – und bekommt ein neues Kunstwerk.

Als „ein besonderes Signal für die Bedeutung des Grundgesetzes“ bezeichnet Oberbürgermeisterin Katja Dörner die Einweihung des Platzes und begrüßt ihre Gäste oberhalb der Autobahnauffahrt. Darunter Vertreter der Kommunal- und Landespolitik sowie zwei Master-Studenten der bildenden Künste der Alanus Hochschule Alfter, Andrew Friedrich und Lukas Zimmermann. Beide wurden mit der neuen Gestaltung der Wände des Brückenbauwerks an der A562 beauftragt.

Gemälde steht für Vielfältigkeit und Pluralität

Die beiden Master-Studenten der Alanus Hochschule Andrew Friedrich (links) und Lukas Zimmermann (rechts) stellen ihren Entwurf für die Umgestaltung der Brückenwände am neuen Platz des Grundgesetzes vor.

Die beiden Master-Studenten der Alanus Hochschule Andrew Friedrich (links) und Lukas Zimmermann (rechts) stellen ihren Entwurf für die Umgestaltung der Brückenwände am neuen Platz des Grundgesetzes vor.

Foto: Benjamin Westhoff

Die beiden Künstler entwarfen für die Flügel der Brücke unterhalb der Olof-Palme-Allee ein Gemälde, auf dem verschiedene Personen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft und Farben zu sehen sind. Damit wollen die beiden Künstler die Vielfältigkeit und Pluralität der Gesellschaft bildlich festhalten sowie den Menschen in den Fokus des Entwurfs rücken. Im Hintergrund sind einige geometrische Grundformen in Anlehnung an das Grundgesetz zu sehen. Der Entwurf sei in zwei Tagen entstanden, die Ideenfindung beanspruchte jedoch deutlich mehr Zeit, so die Künstler. Das Gemälde soll spätestens Anfang August auf den Wänden der Brücke am neuen Platz des Grundgesetzes entstehen. Dafür werde temporär eine Fahrbahn gesperrt, sagt Friedrich.

Für ein Schmunzeln unter den etwa 50 anwesenden Gästen sorgte Kabarettist und Gründer des Bonner Pantheon-Theaters Rainer Pause, der die Wahl des Ortes infrage stellte: „Ich gebe zu, eigentlich hätte ich mir eher einen anderen Ort für diesen Platz gewünscht.“ Vielleicht vor dem Museum Alexander Koenig, wo einst der Parlamentarische Rat tagte, schlug er vor. „Aber da ist kein Platz für einen Platz“, sagt Pause. Man hätte dort auf die B9 und die neue Fahrradspur ausweichen müssen, aber das hätte den üppigen Fahrradverkehr nach Süden behindert, so der Kabarettist. Da konnte sich auch Katja Dörner ein Lachen nicht verkneifen.

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Foto: Benjamin Westhoff

Der Platz des Grundgesetzes ist zu Fuß nicht zu erreichen, es handelt sich schließlich um eine Autobahnanschlussstelle. Pause äußerte deshalb ein persönliches Anliegen: Die Autobahnmeisterei solle doch einfach eine Fußgängerbrücke bauen, damit man auf dem Boden des Grundgesetzes stehen könne und nicht bloß davor, so Pause.

Keine anderen Plätze in Bonn, die neu benannt werden können

Der Standort, der längst von Flaggenmasten gesäumt ist, an denen gelegentlich die Fahnen der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen gehisst werden, gehört der Autobahn GmbH. Dessen Leiter der Außenstelle Köln, Willi Kolk, sagte bei der Einweihung: „Das Grundgesetz ist zwar nicht so alt wie die Autobahn selbst, die vor zwei Jahren ihren neunzigsten Geburtstag hatte.“ Gemeint ist die A555, die Konrad Adenauer 1932 eröffnete. Dennoch, so Kolk, gebe es einige Parallelen zwischen der Autobahn und dem Grundgesetz: Beide stünden für Sicherheit, beide ermöglichten Freiheit und beide dienten als internationales Vorbild.

Die Idee, dem Grundgesetz einen eigenen Platz zu widmen, sei erst vor einigen Wochen im Rahmen der Vorbereitungen auf das 75-jährige Jubiläum des Grundgesetzes entstanden, so Dörner. Ausgewählt hat die Stadt diesen Ort, da er über eine angemessene Größe verfügt, in letzter Zeit keinen Namen mehr hatte und in der Nähe des alten Regierungsviertels liegt.

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