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Kulturausschuss: Politik schnürt Zukunftspaket für Bonner Bühnen

Kulturausschuss : Politik schnürt Zukunftspaket für Bonner Bühnen

Bonner Kulturausschuss gibt grünes Licht für die Vertragsverlängerung des Generalintendanten Bernhard Helmich und für einen Prüfauftrag für die Opernsanierung

Als der Tagesordnungspunkt 6.1. am Donnerstagabend mit nur einer Gegenstimme (Bürger Bund Bonn, BBB) beschlossen wurde, gab es erst mal große Erleichterung und Applaus. Die Mitglieder des Kulturausschusses beklatschten ihre Fraktionen übergreifende Harmonie und diese für die Kultur der Stadt so wichtige Entscheidung, wie die Ausschussvorsitzende Roswitha Sachsse-Schadt das Votum bewertete. Während Kulturdezernentin Birgit Schneider-Böllinger von einem „Zukunftspaket“ und einem Auftakt zu einer Weiterentwicklung des Theaters Bonn sprach und Tim Achtermeyer von den Grünen das „kulturpolitische Zukunftsversprechen für die gesamte Kultur der Stadt“ bejubelte, lobte Christoph Jansen von der CDU das „Bekenntnis zum Standort Bonn“. Dabei ging es bei dem Punkt 6.1. nicht nur um die bereits zweite Vertragsverlängerung für den Generalintendanten Bernhard Helmich, für dessen Programm es im Ausschuss nur einhelliges Lob gab. Helmich darf und soll bis 2028 die Bonner Bühnen leiten. 

Großen Raum in der Debatte nahm jedoch nicht die Personalie ein, sondern ein Detail im neuen Intendantenvertrag, der Helmich beauftragt, ein Modell für eine enge Kooperation mit dem Jungen Theater Bonn und dem Theater Marabu zu entwickeln. Seit Jahrzehnten ist eine solche synergetische Kooperation ein (unerfülltes) Desiderat der Bonner Kulturpolitik.

Bühnen hoffen auf Synergieeffekte

„Nun wächst ein Stück weit zusammen, was zusammengehört, ohne aber die Eigenarten und Freiheiten zu verlieren“, freute sich Achtermeyer. Helmich meinte, „wir können nichts fundamental Neues entwickeln“, aber man könne Synergieeffekte ausloten. So kann er sich eine gemeinsame Nutzung der Werkstätten und Transportmittel, des Fundus, Vertriebs und der Werbung vorstellen. „Wir können die gemeinsame Jugendarbeit der Bonner Theater auf eine Ebene stellen“, meinte Helmich. Schneider-Bönniger sprach von einer „noch breiteren Öffnung des Theaters in die Stadtgesellschaft und Öffnung zur freien Szene“. Für Corinna Heumann von Volt entwickelt sich das Theater so zum „Kommunikationsforum für Demokratie“.

Ein weiterer Passus des Intendantenvertrages sorgte zumindest bei Johannes Schott (BBB) für erhebliche Bedenken. Wie berichtet, muss Helmich nicht die einst vom Rat beschlossene und im Doppelhaushalt festgeschriebene Einsparung von 3,2 Millionen Euro erfüllen. Jansen etwa lobte die „Abkehr von den Sparvorgaben“. Schott hingegen befürchtet eine enorme Kostenentwicklung für die Stadt und lehnte deshalb seine Zustimmung zum neuen Intendantenvertrag ab. Fenja Wittneven-Welter (SPD) empfahl, über eine „Anpassung der Entgeldordnung“ nachzudenken.

Opernsanierung oder Neubau?

Lebhaft diskutiert wurde der Tagesordnungspunkt 6.2, bei dem es um die maroden Liegenschaften des Theaters geht, Schauspiel und insbesondere Oper. Bei der Oper solle man nicht die Fehler machen wie bei der Sanierung der Beethovenhalle, die in ein finanzielles Fiasko mündete, warnte Schott. Man müsse die Option eines Neubaus gegenrechnen und beide Szenarien gegenüberstellen. „Alle Optionen sollen auf den Tisch“, forderte Heumann, die Sanierung solle anders als bei der Beethovenhalle „eine Erfolgs- und Transparenzgeschichte“ sein. „Sanierung vor Neubau“, wünscht sich Ralf Jochen Ehresmann (Linke), aber in der Betrachtung seien beide Varianten gleichrangig. FDP-Mann Bernd Fesel meinte, „wir brauchen nicht die billigste, sondern sinnvollste Lösung“ und mahnte ein „innovatives Baumanagement“ an, um nicht in die Beethovenhallen-Falle zu rauschen. Einen neuen Aspekt brachte Helmich ein: Es reiche nicht, allein den konkreten Bauzustand zu prüfen, wichtig sei auch die Raumbedarfsplanung. Vielleicht wäre aus Platzgründen ein Neubau unumgänglich.

Wunsch nach belastbaren Zahlen

Dramatik in die Sondersitzung kam, als Achtermeyer eine Unterbrechung beantragte, um „die Köpfe zusammenzustecken“. Grund war, dass die Kulturverwaltung erst zu einem späteren Zeitpunkt als von den Kulturausschuss-Mitgliedern angenommen belastbare Zahlen für eine Sanierung vorlegen kann. Man einigte sich darauf, eine Grundsatzentscheidung pro Sanierung oder pro Neubau der Oper erst dann zu fällen, wenn verlässliche Zahlen vorliegen. Achtermeyer: „Der Fall Beet­hovenhalle hat uns gelehrt, nicht nach dem Bauchgefühl zu entscheiden, sondern nach Fakten.“