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Drogenrazzia in Tannenbusch: Polizei richtet Ermittlungsgruppe ein

Drogenrazzia in Tannenbusch : Polizei richtet Ermittlungsgruppe ein

Die Polizei hat in Tannenbusch bei einer Razzia erneut Drogenhändler ins Visier genommen. Ein Verdächtiger wollte dabei fliehen. Eine spezielle Ermittlungsgruppe ermittelt.

Die Bonner Polizei verschärft die Gangart gegen den offenen Drogenhandel in Neu-Tannenbusch. Am Dienstagnachmittag rückten erneut rund 20 Beamte aus, um verdächtige Personen rund um das Tannenbusch-Center an der Oppelner Straße zu kontrollieren.

Bei der Kriminalpolizei ist inzwischen eine spezielle Ermittlungsgruppe eingerichtet worden. „Wir verschaffen uns einen Überblick über die Szene“, erklärte Polizeisprecher Frank Piontek am Mittwoch. „Und wir stehen denen mit unseren Kontrollen auf den Füßen.“

Bisher zeigen sich die mutmaßlichen Dealer allerdings relativ unbeeindruckt. Die jungen Männer, darunter laut Augenzeugenberichten ebenso Deutsche wie Nordafrikaner und Araber, betreiben ihre dunklen Geschäfte offenbar verstärkt seit dem vergangenen Jahr – auch am Hochhaus gegenüber des Tannenbusch-Centers, das derzeit umgebaut wird. „Die machen das ganz offen“, wundert sich ein Anwohner. „Wer sie dabei beobachtet, wird dann schon mal rüde angemacht.“ Das Problem für die Polizei: Bei den bisherigen Razzien konnte sie nur geringe Mengen an Marihuana beschlagnahmen – der Nachweis von Drogenhandel wird damit schwierig. Selbst als die Beamten im April zur Tarnung in einem Reisebus mit abgedunkelten Scheiben kamen und blitzschnell ausschwärmten, wurden sie nicht wirklich fündig.

Seit Juli gab es laut Piontek etwa zehn weitere Razzien an der Oppelner Straße. Am Dienstag waren gegen 16.30 Uhr rund 20 Polizisten im Einsatz, darunter Beamte in Zivil. Sie trafen etwa 35 Personen an, die sie dem Umfeld der verdächtigen Gruppe zurechnen. Ein 21-Jähriger versuchte zu fliehen und schlug einer Polizeikommissarin, die sich ihm in den Weg stellte, gegen den Oberkörper. Ihre Kollegen stellten den Mann. In seiner Umhängetasche fanden sie Marihuana und eine Feinwaage. Der 21-Jährige wurde vorläufig festgenommen, die Drogen und die Waage sichergestellt.

Am Mittwoch sollte er wegen des Verdachts des Drogenhandels und des Widerstandes dem Haftrichter vorgeführt werden. Während der Kontrolle mussten sich die eingesetzten Polizistinnen respektlose und anzügliche Sprüche aus der Gruppe anhören, berichtete Piontek. Zwei Männer (24 und 29 Jahre) kassierten dafür Anzeigen wegen Beleidigung.

Ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz erwartet einen 26-Jährigen. In seinem Mietwagen fanden die Beamten 20 Testosteron-Ampullen, die ebenfalls sichergestellt wurden. Es scheint dort öfter vorzukommen, dass Dealer aus Mietwagen heraus ihre Drogen anbieten. Und: Der Ort hat sich wohl in der Szene herumgesprochen. Die Polizei registrierte am Dienstag mehrere Autos aus Köln und aus dem Westerwald.