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Betäubungsmittel in Getränken: Polizei warnt vor K.o.-Tropfen im Karneval

Betäubungsmittel in Getränken : Polizei warnt vor K.o.-Tropfen im Karneval

Sie sind geschmacks- sowie geruchsneutral und haben fatale Folgen: K.o.-Tropfen in Getränken betäuben die Opfer und machen sie willenlos. Häufig kommt es dann zu einer Vergewaltigung. Pünktlich zur Karnevalszeit gibt die Polizei Köln eine Warnung heraus.

Knock-out-Mittel, besser bekannt als K.o.-Tropfen, sind eine nicht sichtbare, aber stark bemerkbare Gefahr beim Feiern. Besonders in der kommenden Karnevalszeit. Täter schütten farb- und geruchslose Substanzen in Getränke, was die Opfer in der Regel nicht bemerken. Kurz darauf wirken die Tropfen beruhigend, schlafanstoßend und muskelentspannend. Außerdem beginnt eine Erinnerungsstörung ab dem Zeitpunkt der Einnahme.

In diesem Zustand sind die Geschädigten für die Täter ein leichtes Opfer. Manchmal kommt es nach der Verabreichung von solchen Betäubungsmitteln zu räuberischen Übergriffen – häufig auch zur Vergewaltigung. Aus diesem Grund hat die Polizei Köln eine öffentliche Warnung herausgegeben.

Besonders im Hinblick auf die bevorstehenden Karnevalstage sollen Feiernde auf ihre Getränke achten. Bei den Festumzügen und Partys haben Täter zahlreiche Möglichkeiten, K.o.-Tropfen zu verabreichen. Wie der Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) erklärt, sind häufig benutzte Betäubungsmittel Psychopharmaka, Narkotika oder Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) – auch als "liquid Ecstasy" bekannt. Besonders letztere Substanz, die auch dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt, kann in Verbindung mit Alkohol und anderen Betäubungsmitteln gefährliche Wirkungen haben und sogar zum Atemstillstand führen.

Wissenslücken und Unsicherheit bei Opfern

Conny Schulte von der Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt in Bonn kennt das gefährliche Phänomen im Dunkelfeld: "In diesem Zusammenhang haben wir im vergangenen Jahr in zehn Fällen Betroffene beraten. Das Problem ist, dass die meisten Frauen unsicher sind und Wissenslücken haben. Sie trauen sich daher häufig nicht, sich jemandem anzuvertrauen."

Viele Opfer von K.o.-Tropfen hätten am nächsten Tag nur den diffusen Gedanken, dass ihnen vielleicht irgendwas verabreicht wurde. Häufig kommt erst im Laufe der Beratung heraus, dass es sich wohlmöglich um einen Fall von Betäubungsmitteln handelt. Erschwerend kommt hinzu, dass K.o.-Tropfen schon nach zwei bis vier Stunden weder in Blut noch in Urin nachweisbar sind.

Ein Durchschnittalter der Opfer kann Schulte nicht nennen: "Denn K.o.-Tropfen werden nicht nur auf Partys, sondern auch in Beziehungen oder im familiären Umfeld eingesetzt. Auch das Ausmaß der Dunkelziffer ist ungewiss, aber wahrscheinlich hoch." Öffentlichkeitsarbeit könne helfen. "Je mehr Aufmerksamkeit das Thema bekommt, desto mehr Frauen melden sich bei Beratungsstellen und suchen Hilfe", erklärt Schulte.

Deshalb bedeuten Statistiken, in denen einzelne Städte vergleichsweise hohe Zahlen haben, nicht, dass in diesen Orten mehr K.o.-Tropfen eingesetzt werden. Sondern eher geben diese einen Hinweis auf den Erfolg der dortigen Öffentlichkeitskampagne.

Auch dem Bundeskriminalamt (BKA) liegen keine aussagekräftigen Zahlen zum Gebrauch von GHB und seinem Grundstoff Gammabyrolacton (GBL) als K.o-Tropfen mit Vorsatz zum sexuellen Missbrauch vor. "Gegenüber anderen Drogenarten ist die in Verbindung mit GHB beziehungsweise GBL in den polizeilichen Statistiken registrierte Fallzahl gering und bewegt sich seit einigen Jahren relativ stabil im unteren dreistelligen Bereich. 2015 wurden 95 Fälle registriert. Insbesondere handelt es sich dabei um Fälle des Besitzes, Handels oder Erwerbs", erklärt das BKA auf Anfrage des General-Anzeigers.

Wachsamkeit ist wichtig

Einen absoluten Schutz vor K.o.-Tropfen gibt es nicht. Das einzige was hilft, ist Achtsamkeit, erklärt Schulte. Keine offenen Getränke von Unbekannten annehmen und Gläser nicht unbeaufsichtigt stehen lassen. Wenn man in der Gruppe unterwegs ist, sollte man gegenseitig aufpassen und "gemeinsam kommen, zusammen gehen". So erklärt es der bff auf seiner Internetseite. Wenn man sich in einer Disco unwohl fühlt, sollte man nicht zögern und den Ort verlassen.

Wichtig sei, sich in jedem Fall an eine Beratungsstellen zu wenden. "Nicht jede Frau erstattet Anzeige, und auch nicht jede Frau holt sich Hilfe. Häufig schämen sich die Opfer und fühlen sich schuldig, weil sie keine Erinnerungen an das haben, was passiert ist.", erzählt Schulte. Aber das ist falsch: "Alleine die Betäubung einer anderen Person an sich ist strafbar und die nachfolgenden Taten können, gerade wegen des bewussten Einsatzes von Drogen, durch das Gericht als schwerwiegender gewertet werden", erklärt der bff in seinem Infoportal.