1. Bonn
  2. Stadt Bonn

Post-Areal in Bonn am Kaiser-Karl-Ring: Politik greift ein

Stadtentwicklung : Das ehemalige Postgelände in Bonn wechselt den Eigentümer

Wie viele Wohnungen sollen auf dem ehemaligen Postgelände am Kaiser-Karl-Ring entstehen? Die Politik mischt sich ein und weist die Verwaltung an, Bauanträge nicht ohne Rücksprache zu genehmigen.

Die Bonner Bezirksvertretung hat für das ehemalige Postareal am Kaiser-Karl-Ring nun einen Beschluss gefasst: Bis über die Bürgeranträge zum Thema entschieden ist, hat das Gremium die Verwaltung einstimmig angewiesen, keinerlei Bauanträge des Investors ohne Rücksprache mit der Politik zu genehmigen. Für den Fall, dass ein Abriss angezeigt würde, soll die Verwaltung eine Veränderungssperre vorbereiten. Der kanadische Immobilieninvestor Dream Global hatte das Grundstück samt Aufbauten vor einigen Jahren im Paket mit anderen bundesweiten Liegenschaften der Post abgekauft. Seitdem ist ein politisches Tauziehen im Gange, in welchem Maße auf dem rund 7000 Quadratmeter großen Grundstück Wohnungen entstehen könnten und sollten.

Der Eigentümer selbst ist spezialisiert auf Gewerbeimmobilien und hat gegenüber der Verwaltung zum Ausdruck gemacht, dass er an der Stelle gerne einen Neubau für ein Hotel errichten würde. Auf politischen Wunsch hin hatte die Verwaltung versucht auszuloten, inwiefern Dream Global bereit wäre, Wohnraum am Rande der Altstadt zu bauen. Die Ergebnisse waren aus Sicht vieler Fraktionen dürftig: 25 bis 30 Wohnungen wären denkbar und der Bau einer Kindertagesstätte, auf der übrigen Fläche wolle man Gewerbe aufgrund der eigenen Expertise ansiedeln. Die Verwaltung riet dazu, diesen Vorschlag anzunehmen. „Die Alternative, dass das Grundstück im Rahmen des Bestandsschutzes auf lange Zeit im jetzigen Zustand als bloße Büroimmobilie weiter genutzt wird, kann verwaltungsseitig nicht begrüßt werden“, hieß es in einer städtischen Stellungnahme. Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt, ob der zum Jahreswechsel vollzogene milliardenteure Aufkauf von Dream Global durch die Investmentgesellschaft Blackstone möglicherweise ein Umdenken für das Bonner Projekt zur Folge hat.

Viele Pläne für das Gelände am Kaiser-Karl-Ring

Zum jetzigen Zeitpunkt liegen mehrere politische Ideen zur Zukunft des Areals vor: Die Ratskoalition sprach sich dafür aus, mit dem Investor über einen Wohnanteil von 50 Prozent zu verhandeln. Sowohl der Linksfraktion als auch ein Arbeitskreis aus Anwohnern um Hildegard Kinzel geht das nicht weit genug. Beide Seiten halten 70 Prozent Wohnungen in Stadtnähe für angebracht. Inhalt von Kinzels Antrag ist auch die Prüfung, ob eine Sanierungssatzung möglich ist, um städtebauliche Ziele zu verankern. Der planungspolitische Sprecher der Linken, Holger Schmidt, hält es für angebracht, mit einem Bebauungsplanverfahren die Grundlagen zu schaffen, um ein möglicherweise ein Vorkaufsrecht der Stadt erwirken zu können. „Es ist zwar möglich, dass der Investor dann zunächst nicht neu bauen wird, aber das Risiko ist durch die Chance auf umfangreicheren Wohnungsbau überschaubar“, erklärte Schmidt.

Hartwig Lohmeyer, Planungsexperte der Grünen, begründet den nun gefassten Beschluss damit, dass so verhindert werden kann, dass am Kaiser-Karl-Ring Tatsachen geschaffen werden. Auch seien nun Gespräche mit dem neuen Besitzer zu führen, ob er bereit wäre, mehr Wohnungen als bisher vorgeschlagen zu errichten.