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Priesterausbildung in Bonn​ wird mit Wirtschaftswissenschaften verknüpft

Priesterausbildung in Bonn : „Eine Isolation der Theologenausbildung sendet die falschen Signale“

Die Universität Bonn hat gerade Wirtschaft und Theologie zu einem neuen Studienschwerpunkt verknüpft. Der interdisziplinäre Austausch kommt auch angehenden Priestern zugute, finden der Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät und der Bonner Stadtdechant.

Die Katholisch-Theologische Fakultät und der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Universität Bonn gehen neue Wege: Ab dem Wintersemester können Studierende beide Fächer im Bachelor of Arts kombinieren, ein Beitrag zum spezifischen Profil der Exzellenzuniversität Bonn. Der Studiengang vermittelt wirtschaftswissenschaftliche und theologische Kompetenzen, er verbindet ökonomische Zusammenhänge und Kriterien ethischen Handelns. „Die neue Studiengangskombination stärkt den interdisziplinären Austausch und zeigt die Gesellschaftsrelevanz der Theologie. Das ist auch für diejenigen von Bedeutung, die heute und in Zukunft in der Pastoral tätig sind“, sagte Jochen Sautermeister, Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät. Der Professor beschäftigt sich selbst interdisziplinär unter anderem mit medizinethischen Fragen.

Für Sautermeister spricht vor diesem Hintergrund alles dafür, die vom Erzbistum beschlossene Zusammenlegung des Kölner Priesterseminars und des Bonner Collegiums Albertinum in Bonn zu verwirklichen. Er plädiert dafür, die Bonner Fakultät zu stärken und die vorhandenen staatlichen Strukturen gemäß dem Konkordat weiterhin für die Priesterausbildung zu nutzen. Das Erzbistum Köln prüft, wie berichtet, zurzeit eine Verlagerung des Collegiums Albertinum nach Köln.

Gegenwind für den Vorschlag von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki gab es im Priesterrat. Kritiker befürchten, dass mit dem Auszug der Priesteramtsanwärter aus dem Bonner Collegium Albertinum zugleich eine Stärkung der Kölner Hochschule für Katholische Theologie verbunden ist. Woelki hatte sich durch die Übernahme der Hochschule der Steyler Missionare in Sankt Augustin und den Umzug nach Köln eine eigene Hochschule geschaffen.        

„Es braucht keine Alternative zur Bonner Fakultät im Erzbistum Köln“, bekräftigte Bonns Stadtdechant Wolfgang Picken am Donnerstag in einer Pressemitteilung. Das Projekt werde ohne erkennbare Not enorme Ressourcen binden, ohne dass ein Erfolg garantiert werden könne. „Angesichts zurückgehender Finanzmittel und extremer Sparzwänge für alle Bereiche des kirchlichen Lebens muss gefragt werden, ob der mit der privaten Hochschule verbundene Aufwand verantwortbar ist“, so der Stadtdechant.

Kardinal Woelki habe eine Diskussion über die Zukunft der kirchlichen Hochschule in Köln in den Gremien des Bistums zugesagt. Diese sei nun zeitnah erforderlich, da das Hochschulprojekt in Köln bereits erhebliche Kosten verursache und nachhaltige finanzielle Verpflichtungen auslöse.

Konkordat regel Studium an staatlicher Hochschule

Picken, der neben Theologie auch Politikwissenschaften studiert hat, findet die Einbindung des Theologiestudiums in eine Gesamtuniversität wichtig. „Eine Isolation der Theologenausbildung sendet die falschen Signale, denn theologische Hochschulen entwickeln sich schnell zu einer kirchlichen Blase.“ Zudem lege das Konkordat fest, dass die Priesteramtskandidaten des Erzbistums Köln in Bonn studieren.

„Es braucht dringend eine verbindliche Klärung mit dem Staat, gegebenenfalls auch unter Einbeziehung des Vatikans, ob diese Planungen und Entwicklungen mit dem Konkordat vereinbar sind, bevor es im Erzbistum Köln zu Beratungen und weitreichenden Entscheidungen kommt“, sagte Picken. Priesteramtskandidaten, die dem Neokatechumenalen Weg angehören, studieren bereits an der Kölner Hochschule.

Der Stadtdechant hält es für ein falsches Signal, noch mehr angehende Priester an den staatlichen Strukturen vorbei auszubilden. „Zu riskieren, dass der Staat sich wegen einer einseitigen Vertragsverletzung der Kirche gerechtfertigt sieht, die Existenz der theologischen Fakultät an der Bonner Universität nicht weiter sicherstellen zu müssen, könnte eine Fehlentscheidung historischen Ausmaßes sein“, so der Stadtdechant.