Demonstration und Gegendemonstration Bonner Studenten errichten Pro-Palästina-Camp im Hofgarten

Bonn · Pro-palästinensische Studenten auf der einen, pro-israelische Studenten auf der anderen Seite: Im Hofgarten ist bis zum 16. Mai ein Camp angemeldet, das auf die Lage im Gazastreifen aufmerksam machen will. Gegendemonstranten zeigen sich solidarisch mit Israel.

Das pro-palästinensische Protestcamp im Hofgarten.

Das pro-palästinensische Protestcamp im Hofgarten.

Foto: Benjamin Westhoff

Unter dem Motto „Hofgarten gegen Besatzung“ haben pro-palästinensische Anhänger eine Demonstration am Rande der Hofgartenwiese angemeldet. Seit Dienstag campieren sie dort mit Zelten. Nach Auskunft der Bonner Polizei ist die Aktion für 50 bis 100 Teilnehmer bis zum 16. Mai, also kommende Woche Donnerstag, angemeldet und von den Behörden genehmigt worden. Es dürften am ersten Tag gegen Nachmittag etwa 30 Frauen und Männer gewesen sein, die dem Aufruf einer Bonner Gruppe namens „Students for Palestine“ gefolgt waren. Den Bannern am Zeltlager – auf denen unter anderem „Stopp dem Genozid in Palästina“ zu lesen ist – war die politische Stoßrichtung ebenso zu entnehmen wie den gemeinschaftlichen Rufen „Freedom for Palestine“. Vor Ort waren nur wenige Auskünfte zu bekommen. EIne junge Dame sagte, die Teilnehmer kämen aus dem Umfeld der Bonner Studentenschaft.

Auf die Frage nach den konkreten Anliegen der Gruppe verwies sie auf das soziale Netzwerk Instagram und die dortigen Ankündigungen. Dort ist der bloße Hinweis auf das stattfindende Zeltlager zu finden und einige Forderungen an die Bonner Universität. Offenbar gehen den Anmeldern die Solidaritätsbekundungen ihrer Alma mater an den Staat Israel zu weit. Die Forderungen beinhalten zudem, die Bonner Uni möge den Kontakt zu Gruppen abbrechen, die aus Sicht der Palästinenser-Freunde eine Nähe zum Staat Israel pflegten.

Hofgarten Bonn: Pro-palästinensisches Camp trifft auf Gegendemo

Gegendemo mit Mitgliedern des RCDS und der Jüdischen Hochschulgruppe.

Gegendemo mit Mitgliedern des RCDS und der Jüdischen Hochschulgruppe.

Foto: Benjamin Westhoff

Die Kundgebung im Camp blieb nicht die einzige an diesem Tag. Auf der gegenüberliegenden Seite der Hofgartenwiese hatten sich am Nachmittag etwa ebenso viele Studenten zusammengefunden, um als Gegendemonstration ihre Solidarität mit Israel zu bekunden. Anmelder und Initiator war Tillmann Rami, der dem Ring Christlich-Demokratischer Studenten angehört, der Hochschulgruppe der CDU. Rami sagte dem GA, neben dem RCDS nähmen Mitglieder der Jüdischen Hochschulgruppe, der liberalen Hochschulgruppe und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft an der Gegenbewegung teil. „Wir sprechen entschieden gegen Forderungen, die Universität solle sich von Israel distanzieren“, sagte Rami. Pro-palästinensische Proteste an deutschen Universitäten glichen zwar in ihrer Gewaltbereitschaft noch nicht dem, was in den USA vor sich gehe. „Aber ich kenne durchaus Studenten in Deutschland, die bereits Angst haben, zu ihrer jüdischen Herkunft offen zu stehen.“ Das dürfe nicht sein.

Die Jüdische Hochschulgemeinde an der Bonner Universität war am Hofgarten unter anderem mit der Jura-Studentin Alice Mader vertreten, einer Mitgründerin von „Fridays for Israel“, wie sie sagte. An ihr gingen die internationalen Proteste in den USA oder den Niederlanden nicht spurlos vorüber. „Wenn uns das Recht genommen wird, zu existieren, ist das Unrecht“, sagte Mader. Man wolle auch in den nächsten Tagen auf friedliche Weise am Hofgarten für das Existenzrecht Israel demonstrieren.

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