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Prozess in Bonn: Quartett ergaunert Bahntickets im Wert von 160.000 Euro

Prozess in Bonn : Quartett ergaunert Bahntickets im Wert von 160.000 Euro

Vier junge Männer stehen vor dem Bonner Landgericht, weil sie die Bahn binnen fünf Jahren um mehr als 160.000 Euro betrogen haben sollen.

Treuere Kunden kann sich die Deutsche Bahn eigentlich nicht wünschen: 1470 Tickets sollen vier Männer zwischen dem 16. März 2015 und dem 15. Mai 2020 gebucht haben. Das einzige Problem: Das Geld für die Reisen stammt wohl nicht aus den eigenen Portemonnaies des Quartetts. Stattdessen sollen die 33-, 28-, 30- und 27-jährigen Männer zu Kreditkarten- und Bankdaten unbeteiligter Dritter gegriffen haben, die sie sich zuvor aus dem Internet besorgt hatten. Von diesem Szenario geht jedenfalls die bei der Staatsanwaltschaft Köln angesiedelte Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen, kurz ZAC NRW aus.

Seit Dienstagmorgen stehen die vier Angeklagten nun wegen gewerbsmäßigen Computerbetrugs vor der 2. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht. Gegen weitere möglicherweise Beteiligte wird noch ermittelt.

Strukturiert und nach drei Themenkreisen sortiert, skizzierte der Vertreter der Anklagebehörde rund eine gute Stunde lang die Betrugstaten, die den vier Männern vorgeworfen werden: Neben den mit falschen Kundendaten erschlichenen Bahntickets sollen die Angeklagten nämlich auch noch diverse Bestellungen bei Onlinehändlern getätigt haben. Dem 30- und dem 27-Jährigen wird außerdem noch vorgeworfen, sich insgesamt 24 Übernachtungen in Hotels im Raum Mönchengladbach, Saarbrücken und Trier erschlichen zu haben. Insgesamt gehen die Ankläger von einem Schaden in Höhe von knapp 206.000 Euro aus.

Kern der Vorwürfe ist aber die Buchung der Bahntickets mit Kreditkarten- und Bankdaten, die die Angeklagten sich zuvor gegen Bezahlung illegal im Netz verschafft haben sollen. Mit den Daten der meist im Ausland lebenden nichtsahnenden Kunden buchten die Männer dann die Tickets, so die Anklage. Oft lauteten die Bahnfahrkarten auf ihre wirklichen Namen und wurden auch zum Fahren genutzt.

Mitunter trug man sich wohl auch gegenseitig als Fahrgast ein. In vielen Fällen wurden die Tickets aber auch auf andere Namen ausgestellt. Offenbar konnte man bei der Bande Bahnfahrkarten zu 50 bis 70 Prozent des regulären Kaufpreises erstehen – ausgestellt auf den korrekten Namen des jeweiligen Fahrgastes. Um exakt 162.891,40 Euro soll das Quartett die Deutsche Bahn insgesamt betrogen haben.

Bei Einkauf im Netz gingen die Angeklagten offenbar etwas bescheidener vor. Vornehmlich Unterhaltungselektronik, Markenkleidung und teure Alkoholika im Wert von etwas mehr als 38.000 Euro sollen den mutmaßlichen Betrügern von nichtsahnenden Mitarbeitern diverser Kurierdienste übergeben worden sein. Die jeweilige Lieferung wurde regelmäßig an Adressen bestellt, die die Täter sich zuvor aus dem Telefonbuch besorgt hatten.

Die Lieferadressen waren auf ganz Deutschland verteilt. Um zum Übergabeort zu gelangen, sollen die Täter kurzerhand einige der erschlichenen Bahntickets genutzt haben. Vor der jeweiligen Haustüre fing man dann den Lieferanten kurzerhand ab und ließ sich die Pakete gegen Vorlage gefälschter Dokumente aushändigen.

Bei dem dritten Tatkomplex ging es um die 24 Hotelübernachtungen, bei denen auch viele der anderen angeklagten Straftaten begangen worden sein sollen. Offenbar nutzte man das hoteleigene W-LAN. Drei der Angeklagten wurden wegen anderer Onlinebetrügereien bereits vor anderthalb Jahren vor dem Bonner Landgericht verurteilt. Damals ging es um Taten aus den Jahren 2016 und 2017. Mit dem neuen Urteil ist frühestens im Juni zu rechnen.