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Radfahrerin in Bonn tödlich verletzt: Klage gegen Lkw-Fahrer erhoben

Unfall an der Bornheimer Straße : Staatsanwaltschaft erhebt nach Tod von Radfahrerin Klage gegen Lkw-Fahrer

Im vergangenen Sommer ist eine 25-jährige Radfahrerin an der Bornheimer Straße in Bonn von einem abbiegenden Lastwagen erfasst worden. Die Staatsanwaltschaft hat den Fahrer jetzt angeklagt.

Der tödliche Unfall vor fast genau einem Jahr hatte die Diskussion um die Einführung eines Abbiegeassistenten für Lastwagen erneut befeuert: Am 3. Juni 2019 war eine Fahrradfahrerin von einem abbiegenden Laster auf der Bornheimer Straße in Bonn erfasst worden, die junge Frau starb kurz darauf in der Universitätsklinik an ihren Verletzungen.

Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den 64-jährigen Berufskraftfahrer erhoben, der den Unfall verursacht haben soll. Der Vorwurf lautet auf fahrlässige Tötung, wie Sebastian Buß am Montag auf Anfrage bestätigte. Das Verfahren vor dem Bonner Amtsgericht soll nach Ende der Sommerferien stattfinden, so der Sprecher der Bonner Anklagebehörde.

Die junge Frau war im Juni vergangenen Jahres an der Kreuzung Bornheimer Straße/Heinrich-Böll-Ring von einem Lastwagen erfasst worden. Foto: Matthias Kehrein

Am 3. Juni 2019 gegen 10.15 Uhr wartete der 64-Jährige in seinem weißen 26-Tonner vor der roten Ampel an der Kreuzung Bornheimer Straße/Heinrich-Böll-Ring, um nach rechts in Richtung des Verteilerkreisels abzubiegen. Als die Ampel auf Grün sprang, fuhr er an und bemerkte dabei offenbar nicht, dass eine 25-jährige Radfahrerin den Radweg entlang der Bornheimer Straße in Richtung Feuerwehrwache geradeaus weiter befahren wollte. Bei dem nun folgenden, dramatischen Unfall geriet die Studentin offenbar unter die Räder des schweren Gefährts und erlitt erhebliche Verletzungen im Thoraxbereich.

Große Anteilnahme nach Unfall

Trotz eingeleiteter notfallmedizinischer Maßnahmen verstarb die junge Frau rund zwei Stunden später kurz nach ihrem Eintreffen in der Uniklinik auf dem Venusberg. Die Staatsanwaltschaft geht in der Anklage davon aus, dass sich der Unfall hätte vermeiden lassen, wenn der Fahrer den notwendigen Blick in den kleinen sogenannten Rampenspiegel oberhalb des rechten Außenspiegels nicht unterlassen hätte. Er hätte die Radlerin dann bemerken müssen.

Der Unfall hatte in Bonn große Anteilnahme erregt; an einer vom Allgemeinen Deutschen Fahhrad-Club (ADFC) organisierten Mahnwache am nächsten Abend nahmen rund 120 Bürger teil. Viele sprachen sich für die verpflichtende Einführung sogenannter Abbiegeassistenten aus. Mit solchen Kamera- oder Sensor-basierten Warnvorrichtungen ließen sich derartige Unfälle in den meisten Fällen vermeiden, sagte der Bonner ADFC-Sprecher Axel Mörer dem GA auf Nachfrage. Zudem schlüge der Nachrüstungspreis solcher Systeme mit etwa 2000 Euro bei den ja oft mehrere Hunderttausend Euro teuren Fahrzeugen nur geringfügig zu Buche. Wie berichtet, haben die Stadt, die Stadtwerke und Bonnorange mit der Umrüstung ihrer Flotte begonnen.

Der zunächst von einer Ersthelferin erhobene Vorwurf, dass zahlreiche Verkehrsteilnehmer den Unfall ignoriert hätten anstatt Hilfe zu leisten, konnte seinerzeit von weiteren Helfern nicht bestätigt werden. Einigkeit herrschte bei den Zeugen hingegen darüber, dass sich mehrere Verkehrsteilnehmer nicht zu schade waren, wegen der entstandenen Verkehrsbehinderung hupend die Unfallstelle zu passieren. Laut Auskunft seines Anwalts hat der Tod des Unfallopfers den Fahrer des Lastwagens sehr mitgenommen: Sein Mandant habe sich seit dem Unfall nicht wieder hinter das Steuer eines Lasters setzen können.