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Ramadan in Bonn: Einsames Fastenbrechen wegen der Corona-Krise

Ramadan in Bonn : Einsames Fastenbrechen für die Muslime in Bonn

Wie die christlichen Kirchen sind auch die Moscheen geschlossen. Das ändert diesmal den Ramadan. Für die Muslime ist es eine besondere Situation, Vereine gehen daher teilweise neue Wege.

Die Pandemie lähmt weiterhin das religiöse Leben in Bonn. Während die christlichen Konfessionen erst vor wenigen Tagen Ostergottesdienste, Kreuzwegandachten sowie Erstkommunionfeiern ausfallen lassen mussten, gelten jetzt auch für die rund 36.000 Moslems in der Stadt (größtenteils aus der Türkei, aus Bosnien und den arabischen Ländern) strenge Auflagen für den Fastenmonat Ramadan, der vor wenigen Tagen begonnen hat. Betroffen davon ist nicht nur das gemeinsame Gebet in der Moschee, sondern ebenso das traditionelle wie beliebte Fastenbrechen mit Freunden und der Familie bei Sonnenuntergang.

„Für die Moscheen gilt – wie für alle religiösen Einrichtungen – nach wie vor das vom Land NRW ausgesprochene Verbot für Versammlungen zur Religionsausübung“, erklärt die Integrationsbeauftragte Coletta Manemann. In der vergangenen Woche hat die Landesregierung zwar angekündigt, sie sei im Gespräch mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften, um „gemeinsam eine Perspektive für die Weiterführung des religiösen Lebens in NRW zu entwickeln“, bisher gibt es jedoch noch keine Lockerungen. „Mit Blick auf den Fastenmonat Ramadan wäre eine Öffnung zum jetzigen Zeitpunkt auch das falsche Signal“, sagt Manemann.

„Das ist schon eine ganz besondere Situation für uns“, reagiert Sanaa Elaidi, Vorsitzende des muslimischen Vereins „Haus der Generationen“ in Bad Godesberg. Und da der Muezzin nicht zum Gebet rufen kann, tut das eben ein Vereinsmitglied via Internet. „Er informiert uns jeden Tag über die exakte Zeit“, sagt Elaidi.

Traurig sei allerdings, dass man sich nicht wie üblich im großen Kreis zum gemeinsamen Essen verabreden kann. Aber, so betont die Vereinsvorsitzende, darin liege vielleicht eine Chance. Spiritualität und Besinnung seien eher im engeren Familienkreis als in großer Runde möglich. Ihren Optimismus lässt sie sich trotz allem nicht nehmen. „Vielleicht gibt es bis zum Zuckerfest Lockerungen“, hofft sie. Damit endet der Ramadan am 23. Mai. 

Nach dem Eindruck von Rahim Öztürker, dem Vorsitzenden des Bonner Integrationsrates, haben sich viele Menschen mit den Einschränkungen arrangiert. „Es gibt eine große Akzeptanz der Muslime in Bonn, die Bestimmungen einzuhalten“, sagt er. Natürlich sei es traurig, wenn auf das gemeinsame Fastenbrechen und womöglich auf das abschließende Zuckerfest verzichtet werden muss. Aber: „Sie wissen alle, dass diese Maßnahmen wichtig sowie sinnvoll und zu ihrem eigenen Schutz sind“, ergänzt er.

Neue Wege geht derzeit auch die Islamische Hochschulvereinigung in Bonn. „Das Gemeinschaftsgefühl werden viele in diesem Jahr vermissen“, vermutet der Vorsitzende der Vereinigung. Zur Gemeinschaft gehören hauptsächlich Studenten, die ohne Familie hier leben. „Und um die machen wir uns schon Sorgen“, fügt er hinzu. Um wenigstens so etwas wie Gemeinschaft zu vermitteln, würden in den kommenden Wochen tägliche Vorträge über die sozialen Medien gestreamt.

Nach Angaben der Stadt wird der Stadtordnungsdienst während des Ramadans kontrollieren, ob die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, erklärt Marc Hoffman vom Presseamt. Wie schwer es ist, bei wichtigen religiösen Ereignissen auf gewohnte Rituale verzichten zu müssen, das wissen die Vertreter der christlichen Konfessionen genau. „Wir fühlen mit Ihnen, wie schwer es fällt, auf das gemeinsame Gebet und die Iftar-Essen in größerem Kreis zu verzichten“, schreiben die Vertreter der großen christlichen Kirchen in Bonn und der Region in einem gemeinsamen Ramadan-Gruß an die muslimischen Gemeinden. Zugleich machen sie Mut: „Wir erfahren das getrennte und doch gemeinsame Beten als ein starkes und stärkendes Gebet vor Gott, und diese starke und stärkende Erfahrung möge Gott auch Ihnen schenken.“